Trier: Dolce Vita an der Mosel

Großaufnahme einer Tasse Cappuccino vor dem Casa del Caffè in Trier

6 Insidertipps für euren Italienurlaubstag in Trier

Wer Trier als nördlichste Stadt Italiens bezeichnet, hat – sorry München – durchaus recht. Den Beweis trete ich als Trierer gerne an und zeige euch meine 6 Top-Tipps, wo ihr euch hier wie im Italienurlaub fühlen könnt.

Vorausgesetzt natürlich, das Wetter ist auf Süden eingestellt. Übrigens: Alle vareo-Züge auf der Eifelstrecke halten am Trierer Hauptbahnhof. Von dort geht ihr knapp 10 Minuten einfach geradeaus durch die kurze Bahnhofstraße und die grüne Nordallee mit beeindruckenden historistischen Bauten bis zur Porta Nigra, wo die Fußgängerzone beginnt. Oder ihr nehmt einfach einen der vielen Busse, die direkt vor dem Bahnhof in diese Richtung fahren – fragt den Busfahrer, welcher an der Porta hält, das ist am einfachsten.

1. Romantischer Brunnenhof

Direkt im Schatten der Porta Nigra, unter der man sich ganz automatisch wie in Rom fühlt, liegt etwas versteckt und von vielen Touristen unentdeckt der historische Brunnenhof. Einen Brunnen gibt es zwar nicht mehr, dafür aber eine ganz besondere Atmosphäre umgeben von historischen Mauern aus dem 11. Jahrhundert, als hier die Stiftsherren des Simeonstifts lebten. Unmittelbar an die Porta Nigra angebaut, die damals als Kirche diente, habt ihr von hier den schönsten Fotoblick auf das monumentale römische Stadttor – im Sommer, wenn die Palmen draußen stehen, aus dem richtigen Blickwinkel sogar mit ganz besonders südlichem Flair. Im oberen Stockwerk verbreiten die zierlichen romanischen Bögen des ehemaligen Kreuzgangs einen besonderen Charme. Hier kann man gemütlich sitzen, etwas trinken und italienisches Flair genießen, bevor es weiter in die Stadt geht. Hinauf in den Kreuzgang kommt ihr übriges, wenn ihr das Stadtmuseum Trier besucht, das hier heute seine Heimat hat – lohnt sich!

2. Jetzt ein Eis!

Natürlich gibt es leckeres Eis in Trier – und jeder hat seine speziellen Vorlieben. Ich auch, aber ich versuche, möglichst unparteiisch zu sein und lasse euch selbst entscheiden. Ansteuern solltet ihr dazu auf jeden Fall diese Adressen: DIE Eisinstitution in Trier und die älteste original italienische Eisdiele der Stadt ist seit 1937 das familiengeführte Eiscafé Calchera. Besucht auf jeden Fall das imposante Stammhaus in der Simeonstraße, nur ein paar Schritte von der Porta Nigra entfernt, wo selbstverständlich nur natürliche Zutaten ins Eis kommen. Dasselbe gilt für das Christis in der Sternstraße, die vom Hauptmarkt zum Dom führt – also perfekt auffindbar und genau richtig von der Entfernung zum Calchera, damit ihr zum unmittelbaren Vergleich direkt ein zweites Eis hinterher testen könnt. Auch hier geht alles natürlich zu, und das mit Specials wie Holunderblüte, Stachelbeere, Salty Peanuts oder in der Saison Erdbeereis ausschließlich aus frischen Erdbeeren. Ebenfallls in der Fußgängerzone, und zwar in der Nagelstraße, findet ihr das charmante Eiscafé Dolomiti – perfekt als Nachtisch, wenn ihr euch vorher zum Beispiel mit einem Hammer-Burger im nahe gelegenen Burgeramt gestärkt habt. Fragt unbedingt, ob es Tartufo gibt!

3. Oase der Stille im Domkreuzgang

Definitiv ein Ort für südliches Urlaubsfeeling in Trier ist der wunderschöne gotische Domkreuzgang. Geht einfach in den Dom hinein und im rechten Seitenschiff ganz nach vorne bis zur zweiten Glastür in der rechten Wand. Traut euch und öffnet auch die Holztür dahinter und ihr entdeckt ein verwunschenes Kleinod mit kontemplativer Stille und schönen Lichtspielen an den honiggelben Wänden – perfekt zum Fotografieren! Die tiefen Brüstungen der offenen Kreuzgangfenster laden zum Hinsetzen ein und der grüne Innenhofgarten, der als Friedhof der Trierer Domherren genutzt wird, zum Schlendern. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick auf den Dom und die direkt anschließende elegante Liebfrauenkirche. Und wenn ihr den Kreuzgang über die Treppe im Flügel gegenüber der Liebfrauenkirche verlasst, kommt ihr direkt zu einem weiteren Trierer Geheimtipp: ins historische Viertel hinter dem Dom, das heute noch von hohen, jahrhundertealten Mauern geprägt ist, hinter denen in verwunschenen Gärten die barocken Wohnhäuser der Domherren und die Institutionen der Bistumsverwaltung liegen. Auch hier weht ein Hauch von Rom, der gar nichts mit den Römern zu tun hat

4. Auf die Piazza!

 Wer es belebter mag, setzt sich wie die Italiener auf die Piazza und schaut Leute. Das geht in Trier prima auf dem Hauptmarkt, der von Terrassenlokalen rundum gesäumt ist. Mein Tipp: Das Casa del Caffè gleich neben der ältesten Apotheke Deutschlands. Hier bekommt ihr so ziemlich den besten Cappuccino der Stadt und weitere frisch geröstete Kaffeespezialitäten auf dem schönsten Platz, den Trier zu bieten hat. Mehr Urlaub geht kaum! Oder doch: Gleich um die Ecke findet ihr den Domfreihof. Hier ist es wesentlich ruhiger, dafür verbreitet die grandiose romanische Domfassade deutlich südliche Urlaubsgefühle. Restaurantterrassen und Bänke laden zum Genießen ein – zum Beispiel, wenn ihr euch gerade ein Eis im nahen Christis geholt habt – und unter Bäumen spielt man Boule. Auf der anderen Seite des Hauptmarktes führt die Jakobstraße zum sonnenüberfluteten Stockplatz, auf dem man ebenfalls schön draußen sitzen kann. Hier ist die Italiendichte übrigens ziemlich hoch: Direkt am Platz liegt die Pizzeria Cosa Nova, gleich ums Eck die sehr beliebte Pizzamanufaktur Pellolito, und in der engen Jakobstraße etwas versteckt das Fornelli – sieht strange aus, aber vielleicht das authentischste italienische Essen in Trier, aus allen Regionen. Tipp: Fragt auf jeden Fall nach den Spezialitäten des Tages.

Etwas weiter die Fußgängerzone entlang findet ihr den Kornmarkt. Überragt vom barocken Georgsbrunnen – sicher eine der am meisten fotografierten Sehenswürdigkeiten in Trier – erinnert er schon etwas an die Piazza Navona in Rom. Unter den Bäumen trifft man sich, sitzt in der Mittagspause auf den Stufen, während Kinder am plätschernden Wasserband ihren Spaß haben. Dolce far niente. Gut, die umliegenden Terrassenlokale sind recht touristisch, aber ihr seid ja Touristen und solltet es genießen! Ein echter Geheimtipp ist der Weinladen La Rochelle in der kurzen Verlängerung des Platzes Richtung Basilika: Wer hier einen der begehrten Außenplätze ergattert, kann genüsslich an seinem Prosecco mit Walderdbeeren süppeln, während die Massen vorbeziehen. Und richtig schön sitzen kann man auch im Posthof am unteren Ende des Platzes, der von einer L’Osteria-Filiale bewirtschaftet wird.

Kein wirklicher Platz, aber ein richtiger italienischer Treffpunkt ist das Mondo del Caffè in der Fahrstraße. Auch hier gibt es hausgeröstete Kaffeespezialitäten auf der Außenterrasse mitten in der Fußgängerzone. Und ein Cappuccino-Vergleich mit dem Casa del Caffè lohnt sich!

5. Kaffeetrinken unter Palmen

Das geht im Trierer Palastgarten auf der Terrasse des Café Zeitsprung, das zur Parkseite hin im modernen Anbau des Rheinischen Landesmuseums liegt. Hier sitzt man urlaubstauglich auf quietschgrünen Stühlen draußen und lässt sich verwöhnen. Der Blick schweift über das große, von barocken Statuen gesäumte Wasserbecken auf die festliche Rokokofassade des ehemaligen kurfürstlichen Palastes. Genau hinter den Mauern, die ihr von eurem Terrassenplatz aus seht, hatte der Kurfürst seine Wohnung. In seiner ganzen Pracht zeigt sich der rosafarbene Palast mit der imposant hinter ihm aufragenden römischen Basilika, wenn ihr vom Café aus nur ein paar Schritte nach links tretet. Und im hinteren Teil des Palastgartens könnt ihr auf einer großen Wiese Picknicken, Ball spielen oder einfach nur die Sonne genießen – alles vor der Kulisse der römischen Kaiserthermen. Noch ein Tipp für Italien-Kunstfreunde und -freundinnen: Gleich an den Palastgarten grenzt auch die Trierer Stadtbibliothek mit ihrer sehenswerten, toll inszenierten Schatzkammer. Neben anderen Schätzen findet ihr hier gleich im ersten Raum zwei unglaublich schöne und toll beleuchtete barocke Riesengloben, die der berühmte Globusbauer Vincenzo Coronelli im 17. Jahrhundert in Venedig geschaffen hat. Das solltet ihr nicht verpassen!

6. Barockes Juwel Paulinkirche

Zum Schluss noch ein ganz spezieller Geheimtipp: Wenn ihr von der Porta Nigra aus stadtauswärts durch die Paulinstraße geht, kommt ihr nicht nur am traditionellen Eiscafé Rigoni, das manche sogar für das allerbeste in Trier halten, und am interessanten Unverpackt-Laden vorbei, sondern seht nach rund 800 Metern rechts die elegante Paulinkirche mit ihrem hohen Turm. Durch eine kurze Allee erreicht ihr das Kirchenportal, das meistens offen ist, und betretet die dämmrige Vorhalle. Erst wenn ihr die schwere innere Eichentür rechts oder links öffnet, kommt die Überraschung. Ich will nicht zu viel verraten, aber ihr steht hier in einem der schönsten Räume des Rheinlands. Und Fans von lichtdurchflutetem, weiß-goldgleißendem und puttenbeflügeltem Barock wie in Italien kommen hier voll auf ihre Kosten.

Weitere Informationen zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Leidenschaftlicher Inputsammler mit ausgeprägten Chillqualitäten