Batman in Engelskirchen: Die Fledermäuse der Aggertalhöhle

Aggertalhöhle

An der wunderschönen Agger, vor den Toren Kölns, im Bergischen Land liegt unterhalb des beschaulichen Örtchens Engelskirchen die Aggertalhöhle, die längste ihrer Art im Rheinland und zugleich Heimat für stark gefährdete und wirklich possierliche Tierchen – Fledermäuse. Klingt vielleicht zuerst etwas dröge, ein Familienausflug in die Höhle ist aber ein Riesenspaß.

Fledermäuse sind weit besser als ihr Ruf: bei genauem Hinsehen sehr süß, in Gotham City für die Rettung tausender unschuldiger Seelen verantwortlich und Zeichen des Guten – aber auch wichtige Indikatoren für ein funktionierendes Ökosystem. Und viele Vorurteile über die pelzigen Flattermänner stimmen natürlich nicht – bis auf eines vielleicht: Sie lieben Höhlen. Doch das wird zugleich auch zu einem Problem, denn der natürliche Lebensraum der Großöhrchen wird durch den menschlichen Expansionsdrang immer weiter eingeschränkt, und weitere Gefahren, wie etwa Windkraftanlagen, tun ein Übriges. Aber das wäre ein komplett neues Thema, und ich berichte euch jetzt erst einmal von unserem wirklich lohnenswerten Familienausflug zur Aggertalhöhle.

Höhlenforschung als Familienaktivität

Ich lebe bereits einige Jahre in Köln, und vor einigen Tagen war es mal wieder soweit, dass meine Familie ihren Besuch für ein verlängertes Wochenende angekündigt hat. Da wir die üblichen Verdächtigen der Sehenswürdigkeiten schon lange durchhaben, muss ich mir immer wieder etwas Neues ausdenken und komme dabei immer weiter ins Umland von Köln. Meine Eltern und meine kleine Schwester schlafen mittlerweile im Hotel, und einen kompletten Tag ihres Aufenthalts widmen wir einem gemeinsamen Ausflug. Dieses Mal habe ich mich für die Aggertalhöhle entschieden. Die ideale Kombination aus ein bisschen Natur, Wandern, Naturspektakel und Ausflugsfeeling.

Mit dem Zug Richtung Bergisches

Wir treffen uns am Hauptbahnhof und besteigen gemeinsam einen Zug in Richtung Engelskirchen. In dem kleinen Örtchen verlassen wir entspannt das Gefährt und schnüren erst einmal die Wanderschuhe. Im Netz habe ich bereits entdeckt, wie uns ein rund 3,5 Kilometer langer Spaziergang über die Ortschaft Feckelsberg zur Höhle bringt. Die Wanderung ist leicht zu absolvieren und sorgt dafür, dass wir auf unserem Weg ins Naturschutzgebiet Altenberg im Walbachtal ungestört gemeinsame Zeit als Familie verbringen – seit es uns in alle Winde verstreut hat, hat das ja eher Seltenheitswert. Dementsprechend lassen wir uns auch Zeit und erreichen die Aggertalhöhle mitten im Wald nach rund einer Stunde gemütlichen Spazierengehens. Auf der Internetseite der Höhle haben wir uns glücklicherweise informiert, ob überhaupt geöffnet ist. In den Wintermonaten ist die Höhle nämlich zum Schutz der Fledermäuse für Besucher geschlossen! Geöffnet ist vom 1. April bis einschließlich 1. November. Und noch eine wichtige Info habe ich dem Netz entnommen: Egal, wie die Witterung draußen ist, in der Höhle sind es immer etwa sechs bis acht Grad Celsius. Somit tun Besucher im Sommer gut daran, sich etwas warme Kleidung in den Wanderrucksack zu packen. Wir rasten vor der Höhle erst einmal kurz und halten uns an der mitgebrachten Verpflegung schadlos, bevor wir uns der Führung durch die Höhle anschließen.

Niedliche Näschen

Die Führung übernimmt eine nette Dame, die sich mit uns auf den rund 300 Meter langen Weg durch die Höhle macht. Eigentlich ist sie viel weitläufiger, aber diese 300 Meter sind für die Besucher erschlossen und in der Tat so leicht zu meistern, dass auch Rollstuhlfahrer keine Probleme haben, an der Führung teilzunehmen. Das liegt auch daran, dass man einen Höhenunterschied von gerade mal 10 Metern überwindet. Überall entlang des Weges macht uns unsere Führerin auf die Fledermäuse aufmerksam, die friedlich schlummernd in Gruppen unter der Decke hängen. Wir erfahren, dass in der Höhle unter anderem Wasserfledermäuse, Fransenfledermäuse und das bekannte Große Mausohr Unterschlupf für ihren Schlaf über Tag suchen. So nah waren wir alle den kleinen Flattermännern noch nie, und aus der Nähe scheint es noch unglaubwürdiger, dass sie mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Aber die kleinen Nachtsegler sind nicht die einzige Attraktion in der Höhle. Die unterirdischen Gänge geben auch Aufschluss über die erdgeschichtliche Vergangenheit der Region. Wie in vielen Höhlen findet man auch in der Aggertalhöhle die klassischen Tropfsteine – Stalaktiten und Stalagmiten. Wie war das noch gleich, wer kommt von wo? Unsere Führerin erklärt uns das so: Stalaktiten kommen von der „T“ecke, Stalagmiten wachsen mit dir mit. Mal sehen, ob ich es mir dieses Mal merken kann.

So war’s vor 360 Millionen Jahren

Vor Millionen von Jahren war das Bergische Land von einem tropischen Meer bedeckt, lernen wir. Inklusive Lagunen, entsprechender Pflanzen, exotischen Getiers und Korallenriffen. Die Reste dieser Korallenriffe kann man noch heute in der Höhle bewundern, und im sogenannten Korallengang sind sogar versteinerte Muscheln zu bestaunen. Unvorstellbar, wie alt diese Spuren vergangener Zeiten sind und dass sie die Jahrmillionen unbeschadet in der Höhle überstanden haben. Und wie schon angekündigt: Auch wenn es oben an der Oberfläche schon langsam sommerlich wird, hier unten ist es echt frisch, und wir genießen die wärmende Sonne, als wir die Höhle wieder verlassen.

Nach unserem spannenden Ausflug unter die Erde und in die erdgeschichtliche Vergangenheit wandern wir noch ein wenig durch die wunderschöne Umgebung und das Naturschutzgebiet, bevor wir uns über Feckelsberg wieder zurück nach Engelskirchen aufmachen. Von hier geht’s mit dem Zug zurück nach Köln und zum gemeinsamen Familienessen in der Innenstadt. Ein schöner Familienausflug!

Titelfoto: © Klaus Stange | http://www.avttention.de

Mehr Informationen zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Bahnreiser, Naturbursche und Freizeitentdecker!