Lohnt: Die Ausstellung »Comics! Mangas! Graphic Novels!«

Bundeskunsthalle Bonn, Comic-Ausstellung

Super populär und hoch artifiziell: Comics können alles sein. In der Bundeskunsthalle in Bonn zeigt die Ausstellung: Comics! Mangas! Graphic Novels! 300 Exponate aus Amerika, Europa und Japan und ist damit in Deutschland die bisher umfangreichste Ausstellung zur Geschichte des Comics.

 

In den letzten zwanzig Jahren wurde die japanische Comic-Kultur immer populärer in Deutschland und durch die vielen amerikanischen Superhelden-Filme, die jedes Jahr in unseren Kinos laufen, ist der Comic mittlerweile auch bei uns im Mainstream angekommen. Ich besuche die Ausstellung mit meinem Freund, der sich selbst seit vielen Jahren für Mangas und Animes interessiert und einer comicbegeisterten Freundin, die besonders gern die amerikanischen Superheldengeschichten liest. Uns ist die Welt der Comics also nicht ganz fremd, trotzdem machen wir viele neue Entdeckungen.

 

Farbcode für den Rundgang

Die Ausstellung Comics! Mangas! Graphic Novels! ist in insgesamt sechs Bereiche unterteilt, die farblich gekennzeichnet sind. Wir beginnen im ersten Teil der Ausstellung, der sich mit Comic Strips beschäftigt. Diese erschienen seit Ende des 19. Jahrhunderts in den amerikanischen Tageszeitungen. Während die kurzen Bildergeschichten am Anfang noch ganze Seiten füllten und in einer Welt ohne Fernsehen und Internet eine Sensation darstellten, verloren mit der Zeit aber immer mehr an Bedeutung. Hier gibt es neben vielen Original-Zeichnungen aus dem 20. Jahrhundert auch ein paar Stationen, an denen man mit Virtual Reality Brillen in die Welten der alten Comic-Strips eintauchen kann.

Der zweite Raum der Ausstellung widmet sich den Comic-Heften aus Amerika, die Ende der 1930er-Jahre zunächst die Comic-Strips aus den Zeitungen zusammenfassten. Kurze Zeit später folgten mit Superman und anderen Superhelden aber ganz neue Geschichten, die auch eine andere, jüngere Zielgruppe ansprachen. Neben den Superhelden-Geschichten wird hier auch auf die Genres Romantik, Crime und Horror eingegangen. Auch Walt Disney und das MAD-Magazin finden mit ein paar Exponaten Erwähnung.

Der dritte Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit der Entwicklung des Comics in Europa. Natürlich wird hier besonders den Comics aus dem französischen Sprachraum Beachtung geschenkt, aber auch ein paar Beispiele aus anderen Ländern sind hier zu sehen.

Im vierten Raum gibt es eine kleine Einführung in die Welt der japanischen Mangas, die Anfang des 20. Jahrhunderts ebenfalls mit kurzen „Strips“ in den Zeitungen auftauchten und ab den 1930er-Jahren schließlich mit längeren Geschichten in Magazin- und Buchform erschienen. Während sich der Manga zunächst hauptsächlich an Kinder wandte, begannen in den 1950er-Jahren junge Zeichner damit, auch Geschichten für Erwachsene zu entwickeln. Mittlerweile gibt es so viele Manga-Genres und -Stile, dass für jede Zielgruppe etwas dabei ist.

Der fünfte Teil der Ausstellung widmet sich den Comics aus der Underground- und Independent-Szene. Durch den 1954 in den USA in Kraft getretenen Comics Code fielen Darstellungen von Gewalt, Sexualität und Drogenkonsum der Zensur zum Opfer. Die Underground-Comic-Szene versuchte dieser Zensur aus dem Weg zu gehen, indem Zeichner ihre Werke privat druckten und vertrieben. Daraus entwickelten sich bald auch ganz neue Ausdrucks- und Erzählformen, zum Beispiel Comics allein von Frauen für Frauen oder autobiografische Geschichten.

Im sechsten und letzten Teil der Ausstellung geht es dann schließlich um die Graphic Novels. In Paris wurde der Comic 1971 zur »neunten Kunst« erklärt, gleichzeitig entwickelte sich in den USA der Begriff „Graphic Novel“. Mit neuen grafischen sowie erzählerischen Ansätzen entdeckte sich der Comic als Form der Literatur.

Und wie war’s?

Besonders der Blick durch die Virtual Reality Brillen hat uns begeistert. Vielleicht haben sich die neuartigen, bunten Comic-Zeichungen für die Leser der Zeitungen des 19. Jahrhunderts ähnlich spektakulär angefühlt, wie für uns heute die VR-Technik. Außerdem fanden wir es auch toll, viele Arbeiten berühmter Zeichner einmal im Original zu sehen und andere unbekanntere Werke ganz neu zu entdecken.

Neben den Exponaten liegen in jedem Raum der Ausstellung zusätzlich auch noch thematisch passende Comics, die man sich in Ruhe ansehen kann, sofern man genügend Zeit mitbringt. Einen Großteil dieser Bücher und viele Merchandise-Artikel kann man  auch im Museums-Shop käuflich erstehen.

Wissenswertes
Die Ausstellung Comics! Mangas! Graphic Novels! ist noch bis zum 10. September 2017 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Für Besucher von außerhalb Bonns ist die Museumsmeile gut vom Hauptbahnhof aus mit der U-Bahn zu erreichen.

Den ausführlichen Erlebnisbericht lest ihr auf www.bonnentdecken.de

 

Verfasst von

Hi, ich bin Sarah. Lebe in und blogge aus Bonn. Erfahrt mehr über mich und meine Reiseleidenschaft auf meinem Blog | www.tonlosekunst.de/tonlosekunst_blog