Von Dahlem aus: ab ins Moor!

Blick auf Dahlem

Familientreffen mal anders auf dem Moorpfad Dahlem

Die ganze Großfamilie mal ins Moor schicken …. Warum eigentlich nicht? Und wenn alle auf dem hölzernen Bohlensteg bleiben, kommt der Clan bestimmt auch wieder vollzählig nach Hause.

Wann die Idee genau entstanden ist, weiß ich nicht mehr. Vielleicht bei einem Weihnachtsfest, rundem Geburtstag oder einer unserer anderen vielen Familienfeiern. Da kommt immer viel Verwandtschaft aus Nah & Fern zusammen und es wird sehr viel getrunken & gegessen und leider noch viel mehr gesessen. Dieser von einem angenehmen Völlegefühl begleitete Bewegungsmangel muss der Auslöser gewesen sein, dass ein Plan für den (Familien)Clan gefasst wurde: Jedes Jahr, im Frühjahr oder Spätsommer (die Terminfindung ist bei so etwas ja nicht ohne) trifft sich die Großfamilie an einem strategisch passenden Ort (die Verwandschaft rückt aus Eifel, Hunsrück und dem Rheinland an) und macht sich einen schönen Tag zusammen. Bedingung: draußen muss es sein und eine kleine Wanderung soll es werden.

In diesem Jahr hat Großtante Anni die Planung übernommen. Vielleicht hat sie sich dabei von ihren schönen Erinnerungen an ihre letzte Reha samt Kurschatten im Moorheilbad Bad Steben leiten lassen. Für unseren Outdoor-Familientag hat sie jedenfalls den Moorpfad bei Dahlem in der Nordeifel rausgesucht. Ich denke sofort an Gummistiefel und ein Rettungsseil um den Bauch, unsere Jüngste will Schaufel und Eimer mitnehmen und leicht düster schwebt über allem die Erinnerung an vor Urzeiten gelesene Krimis mit für immer im Moor verschwundenen Menschen und Tieren.

Egal, wir sind trotzdem dabei und freuen uns, dass Tante Anni sogar daran gedacht hat, dass wir kein Auto haben. Denn Dahlem, der Startpunkt unseres diesjährigen Draußentags, ist prima mit dem Zug zu erreichen. Wer möchte, könnte in Dahlem auch einfliegen, denn mit der Dahlemer Binz verfügt das Eifelörtchen sogar über einen eigenen Flugplatz. Wir haben uns aus Gründen des Umweltschutzes, und weil unser Flieger gerade noch zur Wartung ist :), dann doch für die Anreise mit dem vareo-Zug entschieden. Großer Vorteil: wir landen direkt in Dahlem downtown und treffen pünktlich mit dem Rest der Truppe ein.

Los geht’s direkt ab Bahnhof Dahlem, in die Stadt der Rekorde. Denn was ich nicht wusste, aber Google verraten hat: Dahlem hat die geringste Einwohnerzahl und Bevölkerungsdichte aller Gemeinden (als Verwaltungsheinheit) in Nordrhein-Westfalen. Wir schrauben mit unserem Familienclan die Zahl der Tagestouristen für heute auf jeden Fall gewaltig in die Höhe und machen uns mit einem Haufen Kindern und zwei Hunden (die sich zum Glück gut verstehen) auf den Weg in Richtung „Wasserdell“, einen guten Kilometer von Dahlem entfernt.

Die Wasserdell ist ein Naturschutzgebiet mit einer tollen Heidemoorlandschaft. Seit gut zehn Jahren wird das Moor mit gezielten Renaturierungsmaßnahmen wieder zum ursprünglichen Leben erweckt. Keinen Moment zu früh. Denn viele Moorpflanzen waren hier zuvor durch die Trockenlegung und Aufforstung fast vollständig verdrängt worden. Unter unserer Verwandtschaft gibt es keinen richtig ausgewiesenen Botaniker, aber die meisten von uns sind von so seltenen und besonderen Pflanzen wie der Moorlilie, dem Dreizahn oder dem Sumpfveilchen begeistert. In der Mitte liegt ein durch Anstauung des Moorbaches entstandenes idyllisches Gewässer, das sich naturnah entwickelt hat und auch als Waldlöschteich dient. Unser zugegeben sehr frisches Fachwissen haben wir von den Info-Tafeln am Wegrand und auch der Flyer, den Tante Anni zur Vorbereitung studiert hat, hilft bei der Bestimmung von Fauna und Flora weiter. Falls ihr auch vorhabt, einen Ausflug ins Moor zu machen, mehr Infos findet ihr hier.

Nach dem Weg über den rund 500 Meter langen hölzernen Bohlensteg mitten durchs Moor, kommen alle von uns mit trockenen Füßen am anderen Ende an und weiter geht’s in den Wald. Mäßig auf und ab, so dass auch die etwas älteren Semester aus unserer Wandergruppe gut mitkommen. Am historischen Grenzstein Vierherrenstein vorbei, der auf der Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen liegt, laufen wir durch eine abwechslungsreiche Landschaft und treffen an diesem leicht sonnigen und zum Glück trockenen Frühlingstag nur selten andere Wanderer.

Mit reichlich Picknick-Pausen, Auszeiten für Kinder, Hunde und Tante Anni, trudeln wir nach vier Stunden gemütlicher Gehzeit wieder in Dahlem ein. Zum Glück sind wir noch nicht vollkommen ausgepowert, und haben noch Energie und Lust, die Kirche St. Hieronymus zu besuchen. Hinter der strengen klassizistischen Fassade erwartet uns ein wirklich sehenswerter Kircheninnenraum, der trotz seiner Mischung aus Rokoko-Altären und moderner Glasmalerei einen wunderbar stimmigen Gesamteindruck hinterlässt. Keine Kirche ohne Kerze. Zumindest bei uns ist das so. Und als dann alle Kinder ihre Kerzen angezündet haben, kommen wir, nach einem ausgefüllten und eher lauten Tag draußen, hier in der Kirche angenehm zur Ruhe.

Bevor sich Groß & Klein wieder auf den Weg nach Nah & Fern machen, testen wir noch die Eifeler Landhausküche, obwohl alle Kinder so laut „Pizza“ geschrieen haben, dass man es bestimmt bis zum Dahlemer Flughafen gehört hat. Und beim Eifeler Bier sind wir uns einig, dass „einmal im Jahr“ für unseren Familien-Outdoortag definitiv zu wenig ist.

Weitere Informationen zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr unter http://www.vareo.de.

Verfasst von

Man muss das Leben tanzen! (Nietzsche)