Köln-Deutz: Sommer, Sonne, Schäl Sick!

Einfach mal rübermachen: Sommerspaß in Köln-Deutz

Aus Sicht vieler linksrheinisch wohnender Kölner ist die andere Rheinseite die „schäl sick“ – die falsche, scheele Seite. Dabei hat man von hier den schönsten Blick auf den Dom und die Skyline von Köln. Grund genug, mal die Seite zu wechseln und auf Entdeckungstour zu gehen.

Bei mir hat sich Besuch aus Bayern angesagt. Meine Freunde wollen auf dem Weg zu ihrem Sommerziel, das in diesem Jahr Kopenhagen sein soll, einen Zwischenstopp in Köln einlegen und bringen leider nur ein paar Stunden Zeit mit. Die zwei machen ihre Reise mit dem Zug. Zugegeben, eine ganz schön weite Strecke, aber das ist der Flugangst meines bayerischen Freundes geschuldet. So sind die beiden inzwischen passionierte Bahnfahrer geworden und können sich (bis auf die Verspätungen) keine entspanntere Art des Reisens mehr vorstellen.

Und diesmal haben die beiden und ich Glück. Ich stehe mir nicht die Beine in den Bauch, denn ihr Zug kommt pünktlich am Deutzer Bahnhof an. Kleine Begrüßung, große Wiedersehensfreude und schnell das Gepäck im Schließfach verstaut. Schließlich haben wir nicht riesig viel Zeit, um zu erleben, dass Köln mehr als Dom, Karneval und den FC zu bieten hat. Und dafür ist die Schäl Sick (so nennen die linksrheinisch wohnenden Kölner gerne die andere, „falsche“ Seite des Rheins; zunächst abfällig gemeint, inzwischen aber fast so eine Art Ehrentitel) eine gute Adresse.

Nach der langen Zugfahrt und bei dem tollen Wetter steht für unser Programm auf jeden Fall fest: Wir wollen raus. Und gegen ein kühles Getränk hat auch keiner von uns etwas einzuwenden. Zwei Vorschläge habe ich: entweder das Deutzer Brauhaus mit Biergarten gleich neben dem Bahnhof oder der Beach Club an den Rhein-Terrassen im Rheinpark. Kurzes Überlegen, dann entscheiden sich die beiden für die Strandkörbe. Insgeheim bin ich ein bisschen erleichtert, denn traditionelle bayerische Biergärten zu toppen, ist wirklich nicht leicht. Ich weiß nicht genau, wie die das immer hinkriegen. Sind es die alten Kastanienbäume, die tollen Schatten spenden, der verheißungsvoll knirschende Kies, wenn sich die Bedienung mit dem frischen, kühlen Bier nähert, das gerollte „R“ und dazu die gute Luft drumrum? Na, wahrscheinlich alles auf einmal.

Aber nicht den Kopf in den Sand stecken (rheinische Biergärten sind auch toll), sondern lieber mal die Füße. Nach einem Spaziergang in den Rheinpark lassen wir uns im 689 km Cologne Beach Club in die Liegestühle fallen und genießen einen tollen Blick über den Rhein und die Brücken. Nein, nicht auf die Alpen, sondern auf die Domspitzen und so manche romanische Kirche, der ich hoffentlich immer den treffenden Namen verpasse. Und wenn jetzt noch vom nahe gelegenen Tanzbrunnen Musik von Brings, den Bläck Fööss oder einer anderen kölschen Band rüberwehen würde, wäre der Moment perfekt. Aber auch so haben wir wirklich einige Mühe, uns vom herrlich entspannten Strandfeeling zu verabschieden.

Die Zeit drängt, und ich will den beiden noch eine Gondelfahrt bieten. Ganz nah an der Claudius Therme (die auch einen Besuch wert wäre; sparen wir uns für den Herbst oder Winter auf) machen sich die kleinen Gondelkabinen der Kölner Seilbahn auf den Weg über die Zoobrücke und den Rhein. Und das schon seit 60 Jahren. Anlässlich der Bundesgartenschau 1957 im Rheinpark eingerichtet, hat sie seitdem Millionen von Fahrgästen von der einen auf die andere Rheinseite befördert. Jetzt auch uns. Wir gondeln einmal hin und einmal zurück, und meine bayerischen Freunde vermissen bei dieser Kabinenfahrt nicht die Ankunft an der Gipfelstation.

Wieder heil auf der Schäl Sick gelandet, will ich mit den beiden noch höher hinaus. Diesmal mit dem Aufzug (und einer kleinen Treppe) bis in gut 100 m Höhe. Bisher war ich selbst noch nicht hier oben, auf der Aussichtsterrasse des KölnTriangle. Das ist ein moderner Büroturm, der 2005 am Deutzer Rheinufer errichtet wurde. Die 360º-Aussicht ist echt umwerfend. Und auch, wenn das wahrscheinlich kölnpolitisch vollkommen unkorrekt ist: Ich glaube, ich kann von hier oben sogar den Düsseldorfer Fernsehturm erkennen.

Inzwischen ist unser Zeitfenster leider ganz schön zusammengeschnurrt. Dabei gäb’s noch so viel zu entdecken. Auf meinem Zettel habe ich noch das Odysseum (tolles Experimentier- und Mitmachmuseum), den Rheinboulevard (Aussichtstreppe direkt am Rhein) oder den Heribertschrein in der Kirche St. Heribert (auch Düxer Dom genannt, schließlich sollen beide Kölner Rheinseiten ihren Dom haben). Aber wenn wir vor der Abfahrt meiner Freunde gen Norden noch etwas essen wollen, müssen die beiden eben nochmal wiederkommen und etwas mehr Zeit mitbringen.

So machen wir uns auf ins Lommerzheim oder kurz „Lommi“ – eine der urigsten Kölschkneipen in ganz Köln (und damit meine ich links- UND rechtsrheinisch). Und anders als bei den Biergärten kann Köln jetzt echt punkten. Denn wer glaubt, tolle Brauhäuser gäbe es nur in Bayern, der irrt gewaltig. Das „Lommi“ hat seinen Kultstatus vor allem durch seine legendären Koteletts und seinen langjährigen Wirt Hans Lommerzheim erhalten, der die Gaststätte von 1959 bis 2004 zusammen mit seiner Frau geführt hat. Ein echtes Deutzer Original, dem seine Stammgäste wichtiger waren als amerikanische Präsidenten. Denn als 1999 der damalige US-Präsident Bill Clinton anlässlich des Weltwirtschaftsgipfels in der Stadt war und eine authentische Kölschkneipe besuchen wollte, fiel die Wahl aufs „Lommi“. Als Hans Lommerzheim allerdings klar wurde, dass er dann an diesem Tag seine Gaststätte aus Sicherheitsgründen ausschließlich für den Präsidenten und seinen Stab öffnen würde, aber nicht für seine Stammgäste, soll er mit einem entschiedenen „Nä, dat geiht nit!“ abgesagt haben. Clinton hat sein Kölsch dann auf der anderen Seite am Heumarkt getrunken.

Wir sind zum Glück nicht so prominent und kommen in den Genuss von Kölsch und Kotelett. Die letzten Meter zum Bahnhof (unter anderem sogar über den „Hans-Lommerzheim-Weg“) müssen wir uns ganz schön beeilen, um vor Abfahrt des Zugs noch das Gepäck aus den Schließfächern zu holen. Zum Glück kriegen wir alles mit der kölschen Lässigkeit noch gerade so hin, und ich habe das Gefühl, dass Köln und seine Schäl Sick jetzt ein paar bayerische Herzen schneller schlagen lassen.

Weitere Informationen zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)