Erz & Steine für Kaiser & Könige rund um Kordel

Pützlöcher

 

Wer heute bauen will, für den stehen die Steine auf der Baustelle schön abgepackt bereit. Aber vor fast 2.000 Jahren? Wir sind bei unserer Tour durch das malerische Butzerbachtal auf den Spuren der Römer unterwegs und machen nicht nur rund um antike Steine spannende Entdeckungen.

Lange geplant, endlich geschafft. Seit einer gefühlten Ewigkeit steht eine gemeinsame NaTour mit unseren Trierer Freunden an. Und die liefern zum Glück dieses Mal das Ausflugsziel gleich mit. Bei ihnen in der Nähe liegt das malerische Butzerbachtal, das wir heute entdecken wollen. Treffpunkt an diesem schönen Frühsommertag ist Kordel, wohin wir ganz entspannt mit dem vareo-Zug anreisen können. Schon die Fahrt macht Spaß und der Blick aus dem Fenster richtig Laune auf einen schönen Tag draußen.

 

Ab in den Wald

Nach unserer Ankunft in Kordel wäre ich direkt dafür zu haben, gleich und sofort den Biergarten an der Burgruine Ramstein, die oberhalb von Kordel liegt, zu besuchen. Praktischerweise führt der Römerpfad, auf dessen Streckenführung wir heute unterwegs sind, mitten durch den Biergarten hindurch. Aber das habe ich mir dann doch zu einfach vorgestellt. Alle – bis auf mich – haben doch mehr Lust, erst ein bisschen Strecke zu machen und die Rast noch ein bisschen nach hinten zu schieben. So geht’s also erst mal los, und wir treffen bei unserem Weg durch den Wald immer wieder auf die für das südliche Kylltal typischen Buntsandsteinfelsen. Die zum Teil sehr bizarren Felsformationen sind toll anzusehen.

Höhlisch gut

Einige Serpentinen später und mit ein bisschen Puste weniger erreichen wir bald eines der Highlights am Weg: die Klausenhöhle. Kaum vorstellbar, aber wahr: Diese Höhle war bis vor rund 200 Jahren noch bewohnt. Zumeist von Mönchen, die mit der Erlaubnis ihrer Klostervorsteher in völliger Abgeschiedenheit ein asketisches Eremitendasein in diesen Höhlen führen wollten, um Gott näher zu sein. Nach einer kurzen Rast geht es entlang der Hochburg, an deren Südseite weitere Höhlen zu entdecken sind, zur Genovevahöhle. Die steht allerdings schon länger „leer“ und hatte ihre ersten Bewohner wohl schon vor über 7.000 Jahren. Denn Funde wie Feuersteinsplitter und Scherben lassen vermuten, dass in dieser Höhle schon in der Altsteinzeit eine ganze Menge los war und sie von Jägern und Sammlern als Zufluchtsort genutzt worden war. Heute würden wir hier bestimmt auch einen Regenguss gut geschützt abwarten (falls das Wetter dazu Anlass gäbe, wir sehen aber zum Glück nicht eine Wolke am Himmel), allerdings wäre uns sonst, so die einhellige Meinung, so ein Höhlenleben doch entschieden zu „basic“.

 

Spuren der Vergangenheit

Der Weg ist wirklich toll, schmale Pfade und keine breiten Forststraßen, mal durch Wald, dann wieder über Feld und Wiesen und immer wieder mit weiten Ausblicken übers Land. Verlaufen können wir uns eigentlich auch nicht. Der Weg ist super ausgeschildert mit der Abbildung einer römischen Münze als Wegmarkierung. Das wäre bestimmt auch für Obelix ein Hinweis gewesen, nicht nur Wildschweine, sondern auch frische Römer hier im Wald zu suchen. Einen Hinweis hätte ihm bestimmt die Langmauer gegeben. Heute ein rekonstruierter Abschnitt einer spätrömischen Schutzmauer aus dem 4. nachchristlichen Jahrhundert, die insgesamt über 70 km lang gewesen sein soll.

 

Hard work

Vollends auf der Spur der Römer wäre unser Lieblingshinkelsteinlieferant dann bei den sogenannten „Pützlöchern“. Hier ist wirklich klar, dass die Römer nicht nur spinnen, sondern auch sehr hart arbeiten konnten. Die Pützlöcher zählen zu den größten und ältesten römischen Bergwerken. Hier wurde im 2. Jahrhundert zunächst etwa 40 Jahre lang Kupfererz gefördert, bevor das Bergwerk als antiker Steinbruch genutzt wurde. Einige der Quadersteine der Porta Nigra in Trier sollen aus diesem Steinbruch kommen. Denn die Inschrift „MARCI“ – was soviel bedeutet wie: dieser Steinbruch bzw. Stein gehört dem Marcus – findet sich auf Steinen der Porta und hier in den Pützlöchern.

In einem antiken Steinbruch möchte ich nicht gearbeitet haben. Das erspart einem vermutlich zwar das Fitness-Studio, verspricht aber nicht nur Schwielen an den Händen, sondern bestimmt auch so manchen Haltungsschaden. Bei dieser schweißtreibenden Arbeit wurden mit dem Zweispitz (wie ein Steinbeil wird es zweihändig geführt) sogenannte Keiltaschen in den Stein geschlagen. Die kann man sich als eine Art Perforation vorstellen, an der entlang später die einzelnen Quader abgetrennt werden konnten. Leider können wir uns diesen historischen Abenteuerspielplatz heute nur von außen ansehen. Wir wollen aber auf jeden Fall noch einmal wiederkommen und dann eine Führung in die Anlage und seine Gänge mitmachen. Möglich ist das zwischen Mai und Oktober. Die Führungen für Gruppen werden vom Heimatverein Butzweiler organisiert.

 

Wasserfälle und Hängebrücken

Nach diesen Spuren der römischen Vergangenheit wird unser Weg nun wild-romantisch. Wir durchlaufen das malerische Butzerbachtal über Stege und Wege, die von zahlreichen Wasserfällen gesäumt werden. Absoluter Höhepunkt ist eine 30 m lange Hängebrücke, die ein bisschen Trittsicherheit erfordert. Wir haben Glück, dass der Weg über die Brücken wieder begehbar ist. Denn nach über einem Jahr Sperre, Umleitung und Reparaturarbeiten ist der Weg pünktlich zum Start der Wandersaison 2017 wieder freigegeben, und das Butzerbachtal lässt sich jetzt wieder in seiner ganzen Schönheit durchwandern.

Als wir nach guten 3,5 Stunden nun doch im Biergarten des Restaurants & Hotels unterhalb der Burgruine Ramstein einkehren (schon seit 1798 beherbergt die Burg Ramstein ein Gasthaus), sind wir uns einig: So einen tollen Weg haben wir selten erlebt. Mit seinen vielen römischen Sehenswürdigkeiten und seinen Naturschönheiten darf sich dieser Rundweg wirklich ohne Übertreibung Premiumweg nennen. Und wir genießen ein Premiumbier und eine Premiumwildbratwurst, sind angenehm erschöpft und premiumzufrieden.

Mehr Informationen zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

 

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)