Experimentieren in Euskirchen

Ausstellung "Ist das möglich?"

Wie kriegt man Kinder ins Museum? Zugtür auf, Kinder rein. Am Bahnhof Euskirchen-Kuchenheim Zugtür wieder auf, Kinder raus und ab zum LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller. Denn bei der aktuellen Sonderausstellung „Ist das möglich?“ dreht sich alles ums Mitmachen, Ausprobieren und Experimentieren.

Wenn es nach unseren Kindern geht, sind die besten Museen die, die direkt einen Spielplatz vor der Eingangstür haben. Da haben wir mit dem Museum an der alten Tuchfabrik Müller in Euskirchen schon mal gute Karten. Eine Riesenwiese, ein Bach, ein Platz mit Basketballkorb, Lianenschaukeln, Klettergerüst, Wippen und was man sonst noch so zum Austoben braucht. Aber eigentlich wollten wir uns ja erst mal aufs Gehirn-Jogging stürzen, und nach etwas Überzeugungsarbeit schaffen wir es endlich auch ins Museum. Und ein Besuch lohnt sich wirklich.

Verblüffung garantiert

Ganz nach dem Titel der Ausstellung „Ist das möglich?“ überraschen die verschiedenen Versuchsstationen und Experimentiertische mit verblüffenden Eigenschaften der unterschiedlichsten Materialien, die man so nicht erwartet hätte. Gleich am Anfang der Ausstellung werden wir von der sehr freundlichen und kundigen Ausstellungsfrau mit einer Tasche bestückt – bekommt man für die Dauer des Besuchs ausgehändigt –, in der sich alles Wichtige befindet, um sich Notizen zu den einzelnen Versuchen zu machen, oder Material, um Experimente durchzuführen.

Ist das möglich?

Und tatsächlich fragen wir uns in den nächsten knapp 2 Stunden, die man für die komplette Ausstellung einrechnen sollte, wenn man den Dingen auf den Grund gehen möchte, immer wieder: „Ist das möglich?“ Zum Beispiel bei einer Rüstung aus Papier. Gängige Ritterfilme zeigen uns ja eine andere Wirklichkeit, aber praktisch waren diese schweren metallenen Ungetüme wohl eher nicht. Mit bis zu 28 kg Gewicht und akuter Rostgefahr mag ihr Träger geschützt gewesen sein, auf der anderen Seite war er allerdings auch zur Unbeweglichkeit verdammt. Aufs Pferd musste er gehoben werden, einmal runtergefallen, blieb er wie ein Käfer auf dem Rücken liegen, weil er aus eigener Kraft nur schwer wieder auf die Beine kam, und „Anschleichen“ war auch nicht.

Die aus vielen Lagen und einzelnen Partien zusammengenähte Papierrüstung dagegen bringt nur rund 3 kg auf die Waage und kann schon fast „anschmiegsam“ genannt werden. Überraschenderweise halten die obersten Lagen auch erstaunlich gut Angriffe ab, und falls es doch mal ernster werden sollte, ist man bei einer Flucht mit dieser Rüstung auch entschieden schneller unterwegs.

Neben Dichtemessungen, Materialprüfungen mittels einer Klangprobe, dem Messen von UV-Strahlung oder dem Ausprobieren eines strahlengeschützten Portemonnaies kann man sich in der Ausstellung immer wieder auch körperlich ausprobieren. Ob beim Stemmen der Langhantel, dem Balancieren auf einer Slackline oder beim (eher wackligen) Gang auf selbstgebastelten Pappstreifensohlen über eine kleine Treppe.

Ab ins Studio

Der absolute Höhepunkt unseres Ausstellungsbesuchs wartet dann noch am Ende: der Nachbau eines Mini-Fernsehstudios mit der perfekten Kulisse für eine Quizshow. Buzzer, Moderatorenpult und Glitzeroutfit inklusive. Da werden müde Krieger … äh, Kinder wieder munter. Als Team „Metall“, „Holz“, „Textil“ und „Papier“ überprüfen wir unser frisch erworbenes Ausstellungswissen als Kandidaten unserer eigenen Quizshow. Wir sind erstaunt, wie viele Fakten bei uns hängengeblieben sind, wenn das Wissen spielerisch über historische Begebenheiten und erstaunliche Geschichten und Rekorde vermittelt wird. Der Zufallsgenerator hat rund 300 Fragen im Programm, sodass man für den Besuch im „Fernsehstudio“ auch noch ein bisschen Zeit mitbringen sollte. Übrigens: Bei uns hat das Team „Papier“ gewonnen.

Fazit: Eine tolle Ausstellung, bei der man nicht mit Wissen von oben berieselt wird, sondern sich das Wissen interaktiv Stück für Stück erarbeitet (jeder so weit und tief, wie er kann und will), und eine Ausstellung, bei der man sich nicht von Vitrine zu Vitrine schleppt oder in Gedanken schon lieber im Museumsshop oder -café sein möchte.

Sonntag ist Waffelzeit

Da gehen wir jetzt aber natürlich auch noch hin. Wir haben Glück, es ist Sonntag, und das bedeutet: frisch gebackene Waffeln mit Kirschen und Sahne. Im Museumscafé sitzt man schön licht und hell, und wir planen schon mal unseren nächsten Besuch hier in Euskirchen. Möglichkeiten gibt es eine ganze Menge. Zum Beispiel den Besuch der alten Tuchfabrik selbst. Hier kann man (auch bei kindgerechten Führungen) erleben, wie aus Wolle Tuch und Kleidung wird, und jeden zweiten Sonntag im Monat wird sogar die alte Dampfmaschine in Betrieb genommen. Leider haben wir heute keine Zeit mehr für die Fabrik (und ehrlich gesagt, die Kinder nach dem ganzen Wissensschub in der Experimentierausstellung auch keinen Kopf mehr). Auch Radtouren entlang der vielen Wasserburgen in der Nähe oder nach Bad Münstereifel oder zur Steinbachtalsperre oder oder oder sind tolle Möglichkeiten, um die Gegend zu erkunden. Räder kann man sogar an der angeschlossenen Radverleihstation mieten und sich guter Dinge auf das gut ausgebaute Radwegenetz stürzen. Die Region hat wirklich viel zu bieten, und bevor wir uns wieder auf den Rückweg zum Bahnhof machen, geht’s für uns ganz klar noch mal am Spielplatz vorbei.

Mehr Infos zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

 

 

 

 

 

 

 

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)