Quellenerfahrung in der Eifel

Wanderer bei Rast auf Bank

Und jährlich grüßt das Murmeltier: Jedes Jahr im September machen sich ein paar alte Schulfreunde auf den Weg zu einem verlängerten Wanderwochenende. Mit Gepäck, Übernachtungen und viel Muskelkater am nächsten Morgen. Um langsam wieder auf den Geschmack des Laufens zu kommen, treffen wir uns jetzt erst mal für eine kleine (okay, wir haben sie sogar verkürzt) Tagestour in der grünen Eifel.

 

Der Regen hat aufgehört, die Sonne wagt sich wieder zwischen den Wolken hervor, und: Alle sind pünktlich. Auch unser Zug, der uns zum Bahnhof Schmidtheim gebracht hat. Großes Begrüßungs-Hallo und direkt die ersten Infos von Werner, dem personifizierten Google-Wissen auf zwei Beinen. Auf ihn können wir zuverlässig bauen, wenn wir etwas wissen wollen, allerdings auch, wenn wir etwas NICHT wissen wollen. Für den Anfang unserer Tour hat er schon mal einen Rekord parat. Denn unser Treffpunkt, der Bahnhof in Schmidtheim, ist der höchstgelegene noch aktive Bahnhof in ganz Nordrhein-Westfalen. Super, denkt der Großteil von uns; dann haben wir ja schon den anstrengenden Teil der Wanderung hinter uns, und voller Elan machen wir uns auf den Weg. Wir haben uns ein Teilstück eines Teilstücks des Eifeler Quellenpfads rausgesucht. Der hat eigentlich drei Etappen und führt über knapp 70 km von Kronenburg über Blankenheim und Nettersheim zurück zum Ausgangsort. Dabei streift er die Quellen der Eifelflüsse Ahr und Urft und die Quelleinfassung der römischen Eifelwasserleitung bei Nettersheim.

 

Schuhe aus, Schuhe an

Wir wollen heute von Schmidtheim bis nach Nettersheim laufen. Aber so leicht kommen wir aus dem Örtchen Schmidtheim gar nicht heraus, schließlich hat es selbst eine ganze Menge zu bieten. Zum Beispiel einen Barfuß- und Generationenpark für Groß & Klein. Obwohl unsere Füße nach den paar Schritten noch gar keine Erholung nötig haben, probieren wir nur zu gerne einige der 15 Stationen des Barfußpfads aus. Ein tolles Erlebnis, nicht nur für unsere Füße. Mit etwas mehr Zeit könnte man im Park noch einiges erleben. Es gibt tolle Spielstationen für Kinder, Boule-Bahnen, ein Beachvolleyball-Feld und für Gesundheitsbewusste sogar Kneipp-Becken. Aber wir haben ja noch ein Stückchen Strecke vor uns und machen uns wieder auf den Weg. Und das dann besser doch mit Schuhen.

 

In den Wald

Darum muss für heute auch das Schloss Schmidtheim fast ganz ausfallen, das unser Google-Mann noch auf der Liste hat. Das Schloss ist immer noch in Privatbesitz und gehört der adeligen Familie Beissel von Gymnich, einem der ältesten rheinischen Adelsgeschlechter. Malerisch liegt es neben der katholischen Pfarrkirche St. Martinus. Ein prima Fotomotiv. Auch abends wäre Schmidtheim noch einmal einen Besuch wert, wenn im Eifeler Musikcafé (das scheint eine richtige Institution zu sein) ein Live-Konzert steigt. Zurzeit ist allerdings Sommerpause und der Herbst noch weit. Die Urftquelle liegt etwa 2,5 km weiter westlich in den Ausläufern des Zitterwalds. Dort führt unser Weg nicht hin, sondern entlang der Urft und tatsächlich am nächsten Bahnhof vorbei. Der heißt Blankenheim (Wald) und liegt auch genau da. Darum bietet er sich ideal als Ausgangspunkt für Touren auf dem Ahr-Radweg oder für Wanderer des Tiergartentunnel-Wanderwegs an. Und wenn in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft am Bahnhof geplante Gastronomie- und Veranstaltungsflächen und sogar ein Fahrradverleih entstehen, wird hier auch mehr Leben sein. Woher wir das alles wissen? Na ja, Werner ist schließlich immer noch dabei und nicht bei unserer letzten Rast zurückgeblieben.

 

Römerzeit

Wir durchwandern das Urfttal abwärts weiter Richtung Nettersheim und sind auf einmal in der Welt der Römer angekommen. In den Urfttalauen lassen wir uns eines der bedeutendsten technischen Bauwerke der Römerzeit nördlich der Alpen nicht entgehen: die Quelleinfassung einer (und das scheint das Besondere zu sein) mörtelfrei gemauerten Sickerleitung. Die sammelte Quellwasser im „Grünen Pütz“, einem quadratischen Becken. Von dort aus gelangte das gute Eifelwasser dann über eine mehr als 95 km lange Wasserleitung bis ins antike Köln. Das fände ich auch eine gute Idee für das Wasser, das aus der Leitung in unserer Kölner Wohnung kommt. Denn das ist megahart und scheint zum größten Teil aus Kalk zu bestehen.

 

Nettes Nettersheim

Weil wir unterwegs doch viele Pausen eingelegt haben (und wir nur zu gerne Rücksicht genommen haben auf diverse Zipperlein wie Rücken, Knie, Schultern und was es sonst noch an Körperteilen gibt, die Schwierigkeiten machen könnten), bleibt uns vor der Abfahrt vom Bahnhof Nettersheim aus leider kaum noch Zeit für einen Besuch im Naturzentrum Eifel. Schade, denn dort wären wir wirklich gerne noch länger geblieben. Hier gibt es Ausstellungen rund um die römische Lebenskultur und Spätantike in Nettersheim, tolle Themenüberblicke zu heimischen Orchideen oder zum Lebensraum Wald in der Kalkeifel. Mit seinem Korallenriffaquarium und den tollen Info-Angeboten zur Region steckt das Naturzentrum voller Tipps und Anregungen für noch mehr Erlebnistage in der grünen Eifel. Und genau solche haben wir uns fest vorgenommen. Da sind wir uns einig.

Mehr Informationen zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Man muss das Leben tanzen! (Nietzsche)