Japanische Momente

Japanischer Garten. Rheinaue Bonn

Ich weiß nicht, wie es euch geht. Aber für mich ist das Laufen durch eine Stadt gefühlt tausendmal anstrengender als die gleiche Anzahl von Kilometern in der freien Natur. Okay, außer es geht richtig steil bergauf. Darum habe ich mich mehr als gefreut, als es für uns nach dem Museumsbesuch im Haus der Deutschen Geschichte (übrigens unbedingt empfehlenswert) hieß: grün, grün, grün. Denn wir wollten citynah noch ein bisschen entspannen und haben uns dafür die Bonner Rheinaue ausgesucht.

 

So groß wie die Bonner Innenstadt

Eingeweiht wurde dieser wirklich sehr große Naherholungspark 1979 anlässlich der Bonner Bundesgartenschau. In den 70er Jahren war dieses Landschaftsbauvorhaben das größte der damaligen Bundesrepublik. Während der Bauzeit gab es keine Bauzäune, sodass die Bonner schon mal sehen konnten, was da entstand und die umliegenden Flächen nutzen konnten: ein grünes Herz für ihre Stadt, mit einer Seenplatte (toll zum Bötchenfahren), Auenwaldzone und mit schönen Aussichtspunkten über Rhein und City. Über 45 Kilometer Rad- und Wanderwege ziehen sich durch die Parklandschaft. Und mit seinen 160 Hektar ist der Freizeitpark Rheinaue tatsächlich fast so groß wie die gesamte Bonner Innenstadt.

 

Freizeitparadies Rheinaue

Von der Museumsmeile in Bonn, wo sich auch das Haus der Deutschen Geschichte befindet, sind wir nach kurzer Fahrt mit der Straßenbahn mit der Linie 66/68 bis zur Rheinaue schnell vor Ort. Von einer Bonner Freundin haben wir eine ganze Reihe Tipps bekommen, angefangen vom Biergarten gleichen Namens, einer Partie Minigolf, den tollen Trödelmärkten mit XXL-Charakter in den Sommermonaten, einem Open-Air-Konzert bis zu einem Abstecher zu einem Baseballspiel der Bonn Capitals, die ihr Stadion auch im Park haben.

Das hört sich alles vielversprechend an und würde wahrscheinlich für eine ganze Woche Kurzurlaub im Bonner Freizeitparadies reichen, die wir aber leider nicht haben. Darum wollen wir es tatsächlich heute nur grün und haben uns für einen der Themengärten entschieden. Denn neben einem Rosengarten und einem Blindengarten (hier werden Natur und Natureindrücke in Brailleschrift erklärt) gibt es in der Rheinaue auch einen Japanischen Garten.

 

Perfekte Harmonie

Dieser wurde anlässlich der Bonner Bundesgartenschau im Jahr 1979 als Gastbeitrag der japanischen Regierung angelegt und stellt bis heute eine kleine, aber feine Oase in der bei den Bonnern beliebten Parkanlage dar. Unmittelbar nach dem Eintreten durch das Tor an der Nordseite fühlen wir uns wie in einer anderen Welt. Die friedliche, entspannte Atmosphäre zieht uns sofort in ihren Bann, und wir hören nur noch das Plätschern des Wasserlaufs, der sich durch den Garten zieht.

Dieser Ort strahlt eine wunderbare Ruhe aus, und obwohl der Japanische Garten nicht groß ist, schafft er es, durch seine tolle Gestaltung immer wieder mit Sichtachsen zu spielen und den Blick auf Details zu lenken, die sich erst nach und nach erschließen. So werden wir nach einem sanften Hügel und den vielen Windungen des schmalen Weges immer wieder von steinernen Stelen und Laternen überrascht und staunen über Pflanzen, die so perfekt aussehen, dass wir fast glauben, sie könnten künstlich sein.

 

Im Hintergrund das Siebengebirge

Der mit langen schmalen Steinen akkurat gepflasterte Weg führt uns zu einer Holzhütte mit nachgebildetem Brunnen, die bei traditionellen Teezeremonien die Funktion eines Warteraumes hatte. Über eine kleine Holzbrücke kommen wir zu einer Insel (stellt euch bitte alles im Miniformat vor), von wo aus wir zum ersten Mal den gesamten Garten mit dem See überblicken können. Und nicht nur den Garten, sondern als tolle Erweiterung des Raumes auch das umliegende Siebengebirge und natürlich den Post-Tower (ein Riesenhochhaus, in dem sich die Zentrale von Deutscher Post und DHL befindet). Mit dem hat zu Zeiten der Entstehung des Gartens bestimmt noch niemand gerechnet. Über eine zweite Brücke erreichen wir eine weitere Holzlaube, von der aus wir einen wundervollen Blick auf einen kleinen Wasserfall und eine 13-stufige Pagode haben, die auf einer aus weißen Granitsteinen nachgebildeten Sandbank thront. Dem sprudelnden Wasser entgegen führt uns der Weg hinauf, und nach der Querung des Baches über Trittsteine erreichen wir den großen Wasserfall und die Stromschnellen und haben erneut einen tollen Blick auf den gesamten Garten.

 

Kraftquelle

Mit der Gestaltung des Gartens wurde damals der Präsident des japanischen Landschaftsgestaltungsverbandes, Dr. Akira Sato, beauftragt. Wir sind nur Laien, was die japanische Gartenbaukunst angeht, aber dass hier ein wahrer Meister seiner Kunst am Werk war, spüren wir intuitiv. Alles wirkt so natürlich und harmonisch – wir sind total begeistert und fasziniert, wie schnell uns ein Spaziergang durch den Japanischen Garten aus dem Trubel der Stadt entführt hat. Tatsächlich fühlen wir uns innerlich gestärkt. Schon toll, dass wir hier mitten im Rheinland, Tausende Kilometer von den originalen Vorbildern entfernt, Kraft tanken und ein Stückchen japanische Kultur hautnah erleben konnten.

Wo wir jetzt hinwollen? Ein stilechtes Sushi-Restaurant wäre wohl genau das Richtige.

 

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Verfasst von

Wenn wir immer mehr über immer weniger wissen, wissen wir dann bald alles von nichts?