Schnitzeljagd 4.0 in Marienheide

Für die moderne Form der Schnitzeljagd mache ich mich mit meiner Freundin zu einem Abenteuer auf. Im Gepäck: eine gute Portion Neugier, mein Smartphone und die offizielle App von geocaching.com. Das Ziel: versteckte Schätze im Bergischen Land rund um Marienheide.

Da ich selbst (noch) kein erfahrener Geocacher bin, habe ich mich vorher im Web lange über die Vorgehensweise und die einzuhaltenden Regeln informiert. Die Frage, welche Caches in der Gegend für uns besonders reizvoll sind, ist hingegen schnell geklärt: Ein Räuberpfad ist bequem vom Bahnhof Marienheide zu erreichen und verspricht eine schöne, etwa 2,5 km lange Tour vorbei an grünen Hügeln, dichtem Wald und der besonders reizvollen Lingesetalsperre. Die darauf versteckten Schätze – insgesamt fünf Traditional Caches – sollen nicht allzu schwer zu finden sein, und durch die zu lösenden Räuberrätsel ist auch der eigene Grips gefordert.

Auf ins Bergische Land!

Frühmorgens steigen wir am Kölner Hauptbahnhof in die Oberbergische Bahn (RB 25) und erreichen in knapp einer Stunde und zwanzig Minuten den Bahnhof Marienheide. Nach wenigen Schritten auf dem Kleinbahnweg biegen wir links in die Hauptstraße ein, die uns etwa 800 m bis zur nach rechts abgehenden Linger Straße führt. Als wir auf ihr noch knapp 600 m Richtung Lingesetalsperre spazieren, steigt die Spannung merklich an. Ich zücke mein Smartphone, um per App unseren ersten Cache anzupeilen. Profis machen das übrigens mit einem richtigen GPS-Navigationsgerät, einer Karte und mithilfe der veröffentlichten Koordinaten.

Als wir langsam den Hügel hinaufsteigen, komme ich mir etwas seltsam vor: Inmitten der blühenden Naturidylle starre ich mit gesenktem Kopf auf mein Smartphone, das mir wie ein Kompass die Richtung und Entfernung bis zum ersten Versteck weist. Während ich laut runterzähle – noch 11, noch 3, noch 1 m –, ruft meine Freundin plötzlich: da! Und tatsächlich: Der erste Cache auf dem Räuberpfad ist – zumindest für uns – kein Geheimnis mehr. Ich öffne das wasserdichte Behältnis, wir lösen die Rätselfrage, und nach kurzer Zeit sind auch unsere Namen in dem bereits gut gefüllten Logbuch verewigt. Danach geben wir uns Mühe, den Geocache an Ort und Stelle wieder gut zu verstecken – nachfolgende Schnitzeljäger sollen ja auch gefordert werden.

Grandioser Blick auf die Lingesetalsperre

Das war ja gar nicht so schwer! Motiviert wandern wir den Weg in Richtung eines kleinen Waldstücks entlang. Hier finden wir weitere Geocaches – entlang des Räuberpfads verstreut und jeder mit einer kleinen Knobelei bestückt. Dann fällt unser Blick durch die immer lichter werdenden Bäume auf die Lingesetalsperre. Die Infotafel erklärt, dass es sich um einen der ältesten Stauseen im Eigentum des Wupperverbandes handelt. Ursprünglich zur Flussregulierung und Brauchwasserversorgung gedacht, dient er heute dem Freizeitvergnügen und zum Hochwasserschutz. Wir lassen unsere Augen über das Wasser schweifen und genießen die warme, leichte Brise auf der Haut. Dann drängt es uns innerlich, auch die restlichen Schätze des Räuberpfads zu entdecken. Gesagt, getan! Die Freude über das erste gemeinsame Geocaching-Abenteuer ist groß.

Matjes in Marienheide

Auf dem Weg zurück ins beschauliche Zentrum von Marienheide knurrt uns der Magen. Kein Wunder bei so viel Spannung! Von der Hauptstraße aus entdecken wir einen kleinen Markt inklusive Fischbude. Ein schön salziges Matjesbrötchen ist jetzt genau das Richtige für mich! Danach gönnen wir uns gleich nebenan im Eiscafe „Lido“ noch einen süßen Nachtisch. Es ist zwar etwas unruhig so direkt an der Hauptstraße, aber unterhaltsam, preisgünstig und vor allem: lecker! Ich schlürfe einen Eiskaffee, während meine Freundin, die auf den Matjes verzichtet hat, ein paar kühle Eiskugeln genießt. Während wir im Freien sitzen, kann ich es nicht sein lassen: Ich öffne die Geocaching-App und entdecke tatsächlich einen Cache, der sich gleich hier um’s Eck befinden soll. Und so ein kleiner Verdauungsspaziergang soll ja ganz gesund sein.

 Cache in the City

Während der Suche zeigt mein digitaler Kompass plötzlich in Richtung des Marienheider Friedhofs. Wir betreten ihn und vertrauen auf unser Schatzsuchgerät. Ist der Cache etwa hier vergraben? Ist es nicht etwas pietätlos, einen Geocache auf einem Friedhof zu verstecken? Ich komme ins Grübeln und erinnere mich an die Richtlinien: Erstens dürfen Geocaches nicht vergraben werden, und zweitens muss der „Owner“ auf privatem Gelände immer erst um Erlaubnis fragen. Letztendlich hat sich dann alles aufgeklärt: Wir haben den Geocache nach längerer Suche gefunden. Wo genau, will ich aber an dieser Stelle nicht verraten – selbst entdecken lautet beim Geocaching die Devise. Nur so viel: Ein spannendes Versteck inklusive kurzem Kontakt mit einer Brennnessel – autsch!

Zufriedene Schnitzeljäger

Mit gestillter Neugier machen wir uns dann am späten Nachmittag entlang der Bahntrasse wieder auf in Richtung Marienheider Bahnhof. Unterwegs grüßt uns der vorbeirauschende vareo-Zug. Am Bahnhof angekommen, verkürzen wir uns die Wartezeit auf den nächsten mit einem erfrischenden Drink im Lokal „Alter Bahnhof Marienheide“. Bei der freundlichen Atmosphäre kann man sich nur wohlfühlen. Als wir dann auf der Rückfahrt alle Geocaches nochmal Revue passieren lassen, sind wir uns nicht ganz einig, welcher der spannendste war. Aber eines ist uns beiden klar: Das war garantiert nicht unsere letzte Schnitzeljagd 4.0!

 

Mehr Informationen zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Bahnreiser, Naturbursche und Freizeitentdecker!