Tierischer Erholungsausflug nach Meinerzhagen

Wer Tiere mag, findet hier Freude und Freunde: Auf dem Bergwaldhof in Meinerzhagen gibt es Hunde, Katzen, Hühner, Esel und Pferde zu bestaunen. Hauptattraktion aber sind die Kühe, die man beim Seminar Kühe erleben“ kuscheln kann. Genau das Richtige für erholungssuchende Großstädter wie uns – also auf nach Meinerzhagen!

Mit der Regionalbahn RB 25 fahren meine Freundin und ich morgens vom Kölner Hauptbahnhof auf der Oberbergischen Bahn bis zum Bahnhof Meinerzhagen. Hier steigen wir in die Buslinie R 61 um, die uns im VRS-Tarif bis zur Haltestelle Meinerzhagen-Listerhammer bringt. Als wir dann wenige Meter bis zur kleinen Seitenstraße Unterm Berg zurückgehen, erblicken wir auch schon den Bergwaldhof. Vor steilen Bergwiesen und dichtem Wald liegt er idyllisch eingebettet in den Hang.

Erst Theorie, dann Praxis

Der Hof alleine ist mit seiner 15 ha großen Fläche, all den Hühnern, Eseln, Pferden, Hunden und Katzen schon einen Besuch wert. Aber wir sind ja wegen den kuscheligen Kühen hier. Nach einer freundlichen Begrüßung durch Simone, die den Hof gemeinsam mit ihrem Mann Falko als Nebenerwerbslandwirtschaft betreibt, beginnt auch schon das Seminar. Zuerst steht die Theorie auf dem Programm: In der gemütlichen Bauernstube erzählt uns Simone bei einer guten Tasse Kaffee viel Wissenswertes über die Wiederkäuer. Besonders die Informationen über die hier auf dem Hof gezüchtete Art der Hinterwälder – ein alter Landschlag des Hausrindes – sind sehr interessant.

Dann dürfen wir selbst Fragen stellen. Mich interessiert, warum die meisten Kühe hier – im Gegensatz zu den mir bekannten Milchkühen – Hörner tragen. Die Antwort kommt prompt: Bei der modernen Viehhaltung werden Kühe im Stall nicht mehr angebunden, weshalb sie sich aus Versehen gegenseitig verletzen könnten. Also hat man ihnen die Hörner entfernt oder auch komplett weggezüchtet. Auf dem Bergwaldhof ist das anders: Hier darf jede Kuh ihre Hörner behalten. Bis vor kurzem haben Simone und ihr Mann selbst noch Hinterwälder gezüchtet. Jetzt wird der Bergwaldhof zu einem Gnadenhof für Kühe umstrukturiert. Wer will, kann für einen kleinen monatlichen Unkostenbeitrag selbst Kuhpate werden.

Ab auf die Weide!

Ganz schön steil, denke ich, als wir den schmalen Pfad zu den Kühen hinuntergehen. Was für mich Koordination erfordert, ist für die Hinterwälder kein Problem, da sie durch ihre harten Klauen sehr trittsicher sind. Dann lerne ich Pauline kennen. Sie ist zwar keine Hinterwälderin, aber eine geborene Holstein-Friesian – und ganz besonders kuschelbedürftig. Als ich sie noch zögerlich bewundere, sucht sie schon Körperkontakt. Simone beruhigt mich: nur zu! Und nach ein paar Streicheleinheiten – Kühe mögen es, wenn man sie unten am Hals krault – fängt sie an, meinen Arm mit ihrer Zunge abzuschlecken. Ich bin doch kein Eis! Was ich sonst nur von Hunden kenne, ist in diesem Fall aber eine eher kratzige Angelegenheit: Kühe haben keine Schneidezähne und rupfen das Weidegras stattdessen mit der rauen Zunge aus dem Boden.

 Alfie ist ein Witzbold

Nach Pauline begrüßen wir Silvan, Nelly und Alfie ganz herzlich. Letzterer schwenkt seinen Kopf in unsere Richtung und präsentiert dabei imposante Hörner. Als wir kurz zurückzucken, beruhigt uns Simone sofort: Alfie ist bloß ein „kleiner“ Witzbold, der mit Besuchern manchmal seine Scherze treibt. Gut zu wissen, dass auch Kühe einen Sinn für Humor haben. Nach der ausgiebigen Frischluftkuschelei gehen wir hinauf in den Stall, der im Winter für das Seminar als Kuschelzentrale genutzt wird. Wir legen uns zu den ruhenden Kühen in das Stroh und spüren die wohltuende Wärme, die von ihnen ausstrahlt. Spätestens jetzt ist der Alltagsstress wie weggeblasen!

Wettbewerb im Melken

Wer dann noch Lust hat, kann beim Wettmelken an der Übungsattrappe Berta mitmachen. Alle Teilnehmer erhalten danach ihr eigenes Melker-Diplom. Wir merken gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Da es plötzlich schon später Nachmittag ist, sammeln wir noch letzte Eindrücke vom Bergwaldhof und der reizvollen Landschaft, bevor wir uns auf den Weg zurück zum Bahnhof Meinerzhagen machen.

Fast am Ziel angekommen, fällt uns am Volkspark ein schöner Biergarten auf. Er gehört zum türkischen Lokal „Diva am Park“, das direkt an der Bahnhofstraße liegt. Wir beschließen, noch eine kleine Stärkung einzunehmen, und genießen dabei die sommerliche Abendstimmung. Auf der Rückfahrt haben wir nur noch Kühe im Kopf und wissen ganz genau: Eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe, und Kuhkuscheln macht richtig gute Laune!

 

Mehr Informationen zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Bahnreiser, Naturbursche und Freizeitentdecker!