Darum ist es am Rhein so schön. Rund um die Erpeler Ley

Blick von der Erpeler Ley auf den Rhein

Schönes Wetter und die Chance auf eine kleine Schiffsreise sind die besten Voraussetzungen für einen tollen Ausflug. Zugegeben, die Schiffsreise ist eine sehr überschaubare und sehr kurze Reise auf dem Wasser. Spaß macht sie trotzdem. Nachdem uns der vareo bis nach Remagen gebracht hat, geht es mit der „Nixe“, einer kleinen Personenfähre, von Remagen über den Rhein nach Erpel. Von dort aus wollen wir zur Erpeler Ley, einem rund 200 Meter hoch über dem Rhein aufragenden Basaltfelsen, laufen. Wenn man nur aufs glitzernde Wasser schaut, kommt fast schon ein bisschen AIDA-Feeling auf, auch wenn wir nicht an malerischen Mittelmeerhäfen oder bizarren Küstenabschnitten entlangschippern. Vom Wasser aus sieht die Welt gleich ganz anders aus. Und es ist die schönste Art, sich der Erpeler Ley zu nähern. »Ley« kommt übrigens aus dem Keltischen und bedeutet soviel wie Fels oder Klippe.

Historisches Erpel

Auf der anderen Rheinseite angekommen, machen wir uns auf den Weg durch eines der alten Stadttore in den historischen Kern des malerischen Ortes. Durch enge Gassen, die von Fachwerkhäusern und -häuschen gesäumt werden, geht es zum Marktplatz. Der lädt mit liebevoll gestalteten Bänken und einer urigen Gaststätte direkt zu einer gemütlichen Einkehr ein. Wir bleiben aber erst einmal standhaft und schlendern weiter in Richtung Erpeler Ley. Der Weg ist gut ausgeschildert und gar nicht zu übersehen.

Er führt durch einen lichten Wald, der neben einer schmalen Straße verläuft, die motorisierte Ausflügler und Radfahrer zum Plateau bringt. Wir haben Glück, denn wochentags ist kaum etwas los und wir genießen die friedliche Atmosphäre. Ich kann mir aber vorstellen, dass das an Wochenenden mit schönem Wetter hier auch ganz anders aussehen kann. Schließlich wird der Erpeler Ley nachgesagt, dass man von dort oben einer der schönsten Panoramablicke über das Rheintal hat.

 

Tolle Aussicht

Diese Fernsicht werden wir jetzt gleich überprüfen, denn nach rund 20 Minuten Fußmarsch haben wir das Plateau erreicht. Und das ist wirklich riesig. Eine große Wiese lädt Kinder zum Rumtollen und Spielen ein. Zu besonderen Gelegenheiten wird das Areal vom hiesigen Sportverein für Oster- und Nikolausläufe genutzt und auch Oldtimer- und Buggy-Treffen haben hier schon stattgefunden. Platz genug ist wirklich da. Auch am halbhohen Metallzaun, der das Felsplateau am Rand zur Aussicht umläuft. Hier hängen zwar schon viele »Liebesschlösser«, zum Teil sogar mit gravierten Beweisen, dass eine Liebe durchaus auch länger als 60 Jahre halten kann, aber es sind noch viele Stellen mit schöner Aussicht frei.

Das faszinierende Panorama ist tatsächlich überwältigend. Wir genießen bei einem wolkenlosen, blitzeblauen Himmel einen sagenhaft weiten Blick, der vom Siebengebirge über die Brückentürme von Remagen bis weit in die Eifel hinein reicht. Von hier oben sieht wirkt die Landschaft mit Fluss, Wald, kleinen Städtchen und Dörfern wie für eine Modelleisenbahnanlage modelliert. Auf dem Rhein schieben sich die Schiffe in Miniaturgröße stromaufwärts und der Lärm von Straße und Schiene kommt hier oben nur noch als leichtes Rauschen an.

 

Erinnerung an schwere Zeiten

Nachdem wir uns endlich satt gesehen haben, starten wir zu einem kleinen Rundgang auf dem Plateau, das erstaunlich viele Gedenksteine und -kreuze zu bieten hat. Dazu gehören der sogenannte »Zeppelinstein«, der an die durch ein Unwetter missglückte Überführungsfahrt des Luftschiffes Z II. im August 1909 erinnert (Graf Zeppelin musste genau über der Erpeler Ley das Luftschiff wenden und wieder umkehren), der Gedenkstein zu Ehren von Hans Eich, der sich regional für den Naturschutz und die Traditionspflege engagiert hat und von allen das Sichtbarste – das große hölzerne Friedenskreuz.

Es gedenkt der Gefallenen im Zweiten Weltkrieg und der Opfer im Kampf um die berühmte Brücke von Remagen in den letzten Kriegsmonaten. Die Brückentürme können wir von hier oben gut erkennen. Diese Brücke war gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine der letzten intakten Brücken über den Rhein. Nachdem Sprengungsversuche der deutschen Wehrmacht an zu wenig und zu schwachem Sprengstoff gescheitert waren, konnten amerikanische Truppen die Brücke im März 1945 einnehmen, so dass mehr als 8.000 amerikanische Soldaten innerhalb von 24 Stunden die Brücke überqueren und ihren Vormarsch auf der anderen Rheinseite fortsetzen konnten. Erst einige Tage später stürzte die Brücke in Folge von Kriegshandlungen und der Sprengversuche ein und forderte dabei viele Tote und Verletzte.

In einem der Brückentürme befindet sich heute das Friedensmuseum Remagen und ist mit seiner sehenswerten Dauerausstellung zur bewegten Geschichte der Remagener Brücke einen Besuch wert.

 

Zurück in die Gegenwart

Nach unserer kleinen Runde,über das Felsplateau, die wir bei schönstem Sonnenschein in die Länge gezogen haben, besuchen wir die Terrasse des hiesigen Ausflugslokals für eine Kaffee-und-Kuchen-Auszeit. Wir könnten auch eine ganze Reihe von Fruchtweinen durchprobieren, die sogar prominent an der Hausfassade beworben werden. Aber nicht nur im Design erinnert uns das an eine Ausflugszeit, als auch 4711-Erfrischungstücher in keiner Damenhandtasche fehlen durften. Wir bleiben also lieber beim Kaffee.

 

Bei unserer gemütlichen Rast überlegen wir, wie schön eine Feier bei Abendsonne in der komfortablen Grillhütte sein könnte, die am Rande des Plateaus steht und über die Einachserfreunde Erpel e.V. telefonisch angemietet werden kann. Aber auch einer der vielen Wanderwege, die über die Erpeler Ley führen, wäre eine gute Option.

Den Rundwanderweg über den Rheinhöhenweg und durch das Kasbachtal merken wir uns schon mal für unseren nächsten Ausflug an die Erpeler Ley vor. Heute reicht es zeitlich nur noch für den gemütlichen Abstieg nach Erpel und unsere kurze Schiffstour mit der »Nixe« nach Remagen zurück. Von dort blicken wir noch einmal zur Erpeler Ley zurück, die mittlerweile in weiter Ferne zu liegen scheint. Der atemberaubende Blick von der Ley aus ist uns aber noch in guter Erinnerung und wir gehören auf jeden Fall auch zu denen, die behaupten: Die Aussicht von der Erpeler Ley aus gehört zu den Schönsten des ganzen Rheintals!

Ob das auch für euch stimmt, probiert ihr am besten selber bei eurem eigenen Ausflug aus.

 

Mehr Infos zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Man muss das Leben tanzen! (Nietzsche)