Burg, Berg, Kloster – Erlebnisrunde ab Urft

Panorama Ruine Stoltenberg

Unser Sieger-Tipp bei der vareo-Geheimtipper-Aktion 2017

Die Farbpalette der Natur scheint im Moment nur hell-, mittel- oder dunkelgrau zu kennen, die Sonne hat anscheinend auch beschlossen, zu verreisen. Und wir? Wir wollen trotzdem mal wieder raus und ein größeres Stück vom Himmel sehen.

Da es morgens nicht nur spät hell wird, sondern abends auch noch früh dunkel, entscheiden wir uns für eine kleine Runde in der Nordeifel, die genau in ein solches Zeitfenster passt. Eine stilvolle Einkehrmöglichkeit hat unsere Tour auch zu bieten, sodass wir Regen, Schnee, Graupel oder andere Unwägbarkeiten von oben auch einfach mal aussitzen könnten.

Hin geht’s mit dem vareo, den wir am Bahnhof in Urft verlassen, und weiter auf unserem Rundweg, auf dem wir schon bald das Gut Dalbenden passieren. Der im 18. Jahrhundert erbaute Gutshof gehörte früher zur benachbarten, gleichnamigen Burg. Das Hauptgebäude mit seiner zweiläufigen Treppe und den schönen Proportionen lässt uns vom herrschaftlichen Wohnen unter hohen Decken und auf knarzenden alten Dielen träumen. Wahrscheinlich käme auch noch der Alptraum von explodierenden Heizkosten dazu. Aber den schieben wir jetzt einfach mal zur Seite. Heute beherbergt das Gut Dalbenden ein Schullandheim und Jugendgästehaus.

Burgleben

Weiter geht’s zur Burg Dalbenden, einem ehemaligen Wasserschloss aus dem 13. Jahrhundert, das kurz hinter der Ortschaft liegt und sich heute in Privatbesitz befindet. Um dem Autoverkehr zu entgehen, folgen wir einem Fußweg entlang der Bahnlinie, der auch eine offizielle Möglichkeit bietet, die Gleise zu überqueren, und erreichen die Burg. Früher vollständig von Wassergräben umgeben, wurde die Burganlage im 16. und 18. Jahrhundert mehrfach erweitert. Starke Zerstörungen erlitt die Burg im Zweiten Weltkrieg, denn während der Ardennenoffensive diente sie dem Westfront-Generalstab der Wehrmacht als Hauptquartier und wurde im Dezember 1944 durch die amerikanische Air Force bombardiert. Nach Kriegsende wurden die Gebäude restauriert und wieder neu aufgebaut. Und das sogar mehrmals, da 1964 ein Großbrand einen Teil der Anlage zerstörte.

Wer möchte – und falls noch eine Wohnung frei sein sollte –, kann heute in eines der Gebäude der Burganlage einziehen. Bleibt nur noch die Qual der Wahl, ob die Wohnung im ehemaligen Försterhaus, dem Kutscherhaus oder im Jägerhaus liegen soll 🙂

 Hier waren auch schon die Römer

Nun folgen wir ein kurzes Stück dem Römerkanal-Wanderweg, der sehr gut ausgeschildert und mit seinen insgesamt 7 Etappen ein toller Weitwanderweg zwischen Nettersheim und Köln ist. Er verläuft entlang der im 1. Jahrhundert n. Chr. von den Römern erbauten Eifelwasserleitung und informiert auf gut 50 Schautafeln über die römische Meisterleistung, das antike Köln mit frischem Eifelwasser zu versorgen. Wir merken uns die eine oder andere Etappe als Ziel für weitere Ausflüge und machen uns jetzt zunächst mal an unsere ersten Höhenmeter.

Denn jetzt wird’s wirklich steil auf unserer Runde. Ein wurzeliger Waldpfad führt uns stetig bergan auf den Stolzenberg. Hier, in exponierter Lage am Rand einer steil abfallenden Felswand, sind heute noch Überreste der Stolzenburg zu besichtigen. Mit viel Fantasie kann man erahnen, wo sich vor langer Zeit Wohnräume und Mauertore befunden haben könnten.

 Grausame Ritter und bettelarme Untertanen

Uns belohnt der schweißtreibende Anstieg zusätzlich noch mit einem weiten Blick über die Eifelhöhen, den wir sogar bei aufreißendem Himmel genießen können. Wir legen eine kurze Rast ein und tauchen ein in die vielen Sagen, die sich um die Ruine Stolzenburg ranken. Gesichert weiß man wenig über die Stolzenburg, umso mehr Legenden haben sich über die Jahrhunderte hinweg gesammelt. Da geht es um einen glutäugigen Höllenhund, der die Schätze auf der Burg bewacht haben soll, um eine lederne Brücke, die zur benachbarten Burg Bielstein führte und über die die hartherzigen Raubritter der Burg Brotlaibe hin- und herkegelten, um so ihre hungrigen Untertanen zu quälen. Als ausgleichende Gerechtigkeit wurden die Burgen dann durch ein göttliches Strafgericht zerstört. Wer es romantischer mag, hält vielleicht die Sage um den Kreuzritter Raimund und die Burgfrau Aspasia für die einzig wahre. Danach verließ der Ritter Burg und Burgfräulein, um für einen Kreuzzug ins Heilige Land zu ziehen. Nach Jahrzehnten kehrte er als entstellter, bettelnder Pilger zurück in seine Heimat. Aspasia erkannte im Bettler aber dennoch ihren geliebten Raimund, erhörte und heiratete ihn.

Auf ins Kloster

Ein paar Legenden später machen wir uns über denselben Weg wieder zum Abstieg bereit und laufen an Dalbenden vorbei in Richtung Kall/Sötenich. Nach der Urfter Mühle geht es leicht ansteigend ins Kuttenbachtal und an Wiesen und Feldern entlang über eine alte Holzbrücke auf das Kloster Steinfeld zu. Bei unserer Annäherung zu Fuß wird deutlich, warum die Bezeichnung »Eifel-Dom« mehr als gerechtfertigt ist. Imposant recken sich die Türme der Basilika in den Himmel und sind weithin sichtbar. Die Klosteranlage gehört zu den besterhaltenen klösterlichen Bauten im Rheinland und zieht selbst an einem eher grauen Vorfrühlingstag viele Besucher an. Nach der Besichtigung der Klosterkirche und einem Spaziergang durch die weitläufige Anlage (hier gibt es unter anderem Gästehäuser, eines davon ist im ehemaligen Internat des Klosters untergebracht, sowie die Akademie Kloster Steinfeld mit einem breiten Seminarangebot und ein Gymnasium).

Eigentlich sind wir heute ja schon eine Menge gelaufen, aber bevor wir uns im Kloster-Café bei Kaffee und Kuchen stärken, besuchen wir noch das Labyrinth im Klostergarten. In kreisförmig angelegten Wegen, von niedrigen Rotbuchenhecken gesäumt, geht es hier ums spirituelle Gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes suchen wir beim Gehen die Mitte. In diesem Fall ist sie ein großes Kreuz, das im Herzen der Anlage auf uns wartet.

Nach einem großen Milchkaffee (und in meinem Fall einem exzellenten Apfelkuchen) geht es am Waldrand entlang zurück nach Urft. Unsere Runde schließt sich. Im Zug auf der Heimfahrt sind wir um viele Eindrücke reicher und wieder einmal davon überzeugt, dass selbst ein halber Tag Auszeit vom Alltag ein richtiger kleiner Urlaub sein kann.

Mehr Informationen zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.