Karl Marx – auf den Spuren des berühmten Denkers in Trier

 

Es war ein besonderes Ereignis für Trier, als anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx am 5. Mai eine insgesamt fünfeinhalb Meter hohe Statue auf den Simeonstiftplatz unweit der Porta Nigra feierlich enthüllt wurde. Ein Geschenk Chinas, über das weit über die Grenzen Triers hinaus viel diskutiert wurde. Wer sich über Marx‘ Leben und politisches Wirken informieren will, dem kann ich einige Ausstellungen in Trier ans Herz legen, unter anderem die große Landesausstellung, die im Rheinischen Landesmuseum sowie im Stadtmuseum Simeonstift Marx in seiner Zeit historisch einordnet.

„Leben. Werk. Zeit.“ (Rheinisches Landesmuseum)

Auch ohne die Karl-Marx-Ausstellung ist das Rheinische Landesmuseum unweit der Kaiserthermen wegen seiner beeindruckenden Relikte aus der antiken und mittelalterlichen Vergangenheit einen Besuch wert. Immerhin war Trier einmal Hauptstadt des Römischen Reiches gewesen! Besonders faszinierend sind das riesige Modell des römischen Trier sowie die riesigen Mosaiken. Doch diesmal war ich natürlich auch wegen Karl Marx hier.

Die Ausstellung im Landesmuseum widmet sich vornehmlich dem umfangreichen Werk, wobei die Einordnung in das aufgewühlte politische Umfeld im Europa in der Mitte des 19. Jahrhunderts besonders gelungen und spannend ist. Gezeigt wird eine Zeit im Umbruch, mit tief greifenden wirtschaftlichen, technologischen, sozialen und politischen Veränderungen, ohne die Werk und Wirken von Karl Marx nicht denkbar sind. Wer genau hinschaut, wird viele Bezüge zur heutigen Zeit entdecken.

Der Geist dieser Zeit wird eingefangen durch Gemälde, Flugblätter, Zeitungsausschnitte und den Werken von Marx und seinen Mitstreitern. Hier offenbart er sich nicht als der verschrobene Denker, der sich in den Recherchen seines Großwerks „Das Kapital“ zunehmend verzettelte, sondern als politischer Macher, einflussreicher Journalist und vor allem begnadeter Netzwerker.

Highlights der Ausstellung sind handschriftliche Notizhefte, eine mit persönlichen Anmerkungen versehene Erstausgabe des „Kapitals“ sowie eine 247 Bände umfassende Sammlung des „Kommunistischen Manifests“ in 59 Sprachen und Dialekten.

Etwas schwierig fand ich die teilweise sehr dunkle Ausleuchtung der Räume und die kleine, manchmal sehr kontrastarme Schrift. Das könnte manchen Besucher vor Probleme stellen. Hier schafft auf jeden Fall der am Eingang erhältliche Audioguide Abhilfe. Und wie bereits erwähnt, sollte man sich keinesfalls die antiken und mittelalterlichen Zeugnisse der Trierer Stadtgeschichte in der Dauerausstellung entgehen lassen!

„Stationen eines Lebens“ (Stadtmuseum Simeonstift)

Das Stadtmuseum Simeonstift liegt unweit der Monumentalstatue direkt neben der Porta Nigra. Das Gebäude stammt in seinen Ursprüngen aus dem 11. Jahrhundert und ist dem heiligen Simeon gewidmet, einem Eremiten, der sich um 1028 in einer Zelle in der Porta Nigra einmauern ließ, um ein gottesfürchtiges Leben in freiwilliger Armut zu führen.

Dieser Teil der Ausstellung rückt die Person Karl Marx in den Mittelpunkt, wobei man dem Menschen irgendwie nicht so recht nahekommt. Jeder Raum ist einem der Orte gewidmet, in denen Marx Station machte und lebte: Trier, Bonn, Berlin, Köln, Brüssel und schließlich London. Auch Manchester als Ausgangspunkt der Industriellen Revolution wird beleuchtet. Die Städteporträts fand ich persönlich fast spannender als den biographischen Bezug. Eines der Highlights ist das wohl früheste Porträt des jungen Karl Marx, angefertigt von Heinrich Rosbach, einem Studienkollegen in Bonn, der wie Marx aus Trier stammte. Dieses war bislang noch nie zu sehen. Des Weiteren nimmt die besondere Freundschaft zu Friedrich Engels einen zentralen Platz in der Ausstellung ein.

Weitere Ausstellungen und Veranstaltungen

Neben der zweiteiligen Landesausstellung ist für interessierte Besucher das Geburtshaus von Karl Marx ein besonderer Anziehungspunkt. Die Dauerausstellung „Von Trier in die Welt“ wurde dem Anlass angemessen vollständig neu gestaltet. Hier kann man sich unter anderem den Lesesessel ansehen, in dem Marx gearbeitet hat und in dem er auch verstorben sein soll.

Im Museum am Dom widmet man sich im Rahmen der Ausstellung „LebensWert Arbeit“ dem Spannungsfeld von Arbeitsleben und Menschenwürde, ein Thema, das Marx besonders bewegte, und das heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.

Schon jetzt fiel mir auf, dass zahlreiche Besucher zu Fuß in der Stadt unterwegs waren und auf den Spuren von Karl Marx wandelten. In der Presse beklagte sich manch einer bereits über die mangelnde Ausschilderung der neuen Statue. Allein in diesem Jahr widmen sich über 300 Veranstaltungen und ebenso viele Führungen dem berühmten Philosophen. Ausführliche Informationen findet man auf der zentralen Internetseite (https://www.karl-marx-ausstellung.de/home.html)

Wer ein Mitbringsel sucht, kann sich direkt in den Museen sowie in zahlreichen Geschäften eindecken. Trier versteht es gut, „Kapital“ aus seinem berühmtesten Sohn zu schlagen. So hatte man die fast schon geniale Idee, wertloses Geld mit Marx‘ Konterfei teuer zu verkaufen, und zwar so erfolgreich, dass die Geldscheine nun bereits vergriffen sind. Aber es gibt noch genügend Erinnerungsstücke zu erwerben, seien es Poster, Postkarten, Büsten oder Quietscheentchen.

Und wer danach genug von Marx hat, kann sich entweder die zahlreichen historischen Bauwerke ansehen, durch die wunderschöne Altstadt spazieren oder sich am ausgezeichneten Moselwein laben. Trier ist definitiv immer eine Reise wert!

 

Mehr Infos

Landesausstellung Leben. Werk. Zeit.

Geöffnet 5. Mai bis 21. Oktober 2018 Rheinisches Landesmuseum Trier & Stadtmuseum Simeonstift Di–So, Feiertage: 10–18 Uhr

Museum Karl-Marx-Haus Mo–So, Feiertage: 9–18 Uhr

Museum am Dom Di–So, Feiertage: 10–18 Uhr

 

Mehr Informationen zu eurer Anreise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Ich bin Andreas Gniffke, lebe seit 1996 in Trier und blogge nun schon acht Jahre lang auf www.treverer.com. Dort geht es um meine Reisen, Konzerte und Craft Beer, und manchmal um alles gleichzeitig. Die Uni habe ich mit dem Schwerpunkt mittelalterliche Geschichte und Sprachwissenschaft abgeschlossen, doch nun arbeite ich in einer Softwareschmiede gleich hinter der Grenze zum Ländchen. Meine kreative Ader kann ich jetzt auch als Gastblogger auf go-vareo.blog ausleben.