Eine Kapelle wie von einem anderen Stern

Bruder-Klaus-Kapelle

Auf einem architektonischen Erlebnisrundweg in der Eifel

Bei uns ein Klassiker, bei euch vielleicht auch? Und der geht so: »Ach, da sollten wir wirklich mal hinfahren«. Mit der Feldkapelle des renommierten Architekten Peter Zumthor bei Wachendorf in der Nordeifel ging uns das lange genauso. Als aber jetzt Freunde von uns einen Trip zur Kapelle mit einer Rundwanderung durch die Eifeler Landschaft verbinden wollen, schließen wir uns gerne an. Und sind am Ende des Tages rundum begeistert.

Erst die Burgen …

Wir sind zu sechst. Zu viele für ein Auto, aber der vareo hat auf jeden Fall genug Platz für uns. Wir fahren bis zum Bahnhof in Satzvey und machen uns bei Sonnenschein und blitzeblauem Himmel auf den Weg. Der führt uns zunächst zu einem architektonischen Highlight aus einer ganz anderen Zeit: zur Wasserburg Satzvey. Mit über 600 Jahren Geschichte auf dem Buckel eine mehr als imposante Erscheinung. Kein Wunder, dass hier das ganze Jahr über viele Events stattfinden, von Ritterspielen über Halloween-Partys bis zu Weihnachtsmärkten.

Heute ist hier aber alles ruhig, und weiter geht es in Richtung Wachendorf entlang eines weitläufigen Golfplatzgeländes. Der dazugehörige Golfclub trägt übrigens auch eine Burg im Namen (Burg Zievel) und hat sein Grün rund um Burg, Bergfried und verschiedene Nebengebäude angelegt. Wir sind alle ohnehin keine Golfer, aber bei einer solch traumhaften Kulisse mit Blick auf Burg und Parklandschaft wäre ich auf jeden Fall von der schönen Umgebung abgelenkt und würde den kleinen Ball nicht nur wegen mangelnder Schlägertechnik nicht ins Loch bekommen.

… dann das Schloss

Inzwischen haben wir schon zwei Burgen passiert, sanfte Höhen erlaufen und kleine Eifeldörfer durchquert, aber vor die Kapelle hat unser Rundweg noch das Schloss Wachendorf gesetzt. Hin geht’s über eine hübsche Allee. Wäre jetzt Donnerstag Abend oder Sonntag Früh, könnten wir an einer Zen-Meditationszeremonie teilnehmen, die auch Besuchern offensteht. Im Schlossturm hat nämlich der Zen-Tempel »Kakunen Ji« seine Heimat gefunden. Oder wir heiraten im Schloss. Das Standesamt Mechernich vollzieht hier Trauungen. Mal abgesehen davon, dass der richtige Partner/die richtige Partnerin auch nicht unwichtig ist, bringen Schloss & Garten schon mal die besten Voraussetzungen für eine Märchenhochzeit mit.

 

 

 

… und endlich die Kapelle

Nach all den Burgen und Schlössern ist es jetzt aber endlich so weit, und wir erreichen über leicht ansteigende Feldwege den Höhepunkt unseres Rundwegs. Klar, auf einer Anhöhe 🙂 Trotz der vielen Fotos, die wir von der Kapelle schon kennen, sind wir jetzt beim Live-Erlebnis überwältigt. Kapelle? War das nicht immer eine Kirche im Miniaturformat, mit kleinem Altar und Blumenschmuck?

Das hier ist vollkommen anders. Karg, geheimnisvoll – und ein kleines Wunder. Denn hätte die Wachendorfer Landwirtsfamilie Scheidtweiler nicht mit so viel Hartnäckigkeit ihren Plan verfolgt, sich ausgerechnet vom Schweizer Stararchitekten Peter Zumthor eine Kapelle zu Ehren von Bruder Klaus (Schutzpatron des Landvolks und Nationalheiliger der Schweiz), bauen zu lassen – bestimmt hätte die Eifelprovinz ein Architekturjuwel weniger.

 

 

Seit ihrer Weihung 2007 hat sich die Kapelle zu einem wahren Publikumsmagneten entwickelt. Deswegen ist es fast ein zweites kleines Wunder, dass wir die Bruder-Klaus-Kapelle heute für einen kurzen Moment ganz allein für uns haben. Der große Parkplatz am Ortsrand spricht nämlich eine andere Sprache. Normalerweise parken hier nicht nur Autos, sondern ganze Busse mit Architekturstudenten, VHS- oder Reisegruppen.

Ein paar Dinge macht jeder Besucher wohl ganz automatisch, wenn er ins Innere des komplett fensterlosen Baus tritt: sich wundern, wie schwer die dreieckige Stahltür ist, die man öffnen muss, um in die Kapelle zu kommen, die raue Struktur der Wände fühlen und – den Kopf in den Nacken legen. Denn die Kapelle ist nach oben offen, und nur durch diese Öffnung kommen Licht, Luft, aber auch Regen oder Schnee ins Innere. Das Fotografieren ist hier leider verboten – schade. Aber andererseits auch gut, denn die halbdunkle, höhlige Atmosphäre des Andachtsraums solltet ihr unbedingt selbst erleben. Wenn es geht, allein und ohne viele weitere Besucher. Was zugegebenermaßen ziemlich schwierig sein kann. Denn kaum sind wir wieder draußen, kommen von unten über die Felder bereits die nächsten Besuchergruppen den Hügel herauf.

Noch mehr Stein

Auch beim Rest unserer Tour sind wir auf den Stein gekommen. Nach dem Beton der Kapelle erkunden wir nach einer Wanderung über Feld, Wiese und Wald die Katzensteine. Das ist eine faszinierende Buntsandsteinformation, bis zu 15 m hoch, die ohne Probleme in einem Winnetou-Film als Kulisse dienen könnte. Klettern ist hier verboten, und ich fürchte, auch mit einem Pferd sollte man den Steinen nicht zu nahe kommen. Die Felsen liegen im gleichnamigen Naturschutzgebiet, das vor über 200 Mio. Jahren als Ablagerung eines Binnenmeeres entstanden ist.

 

 

Die letzten Kilometer bringen uns dann entlang des Veybachs wieder nach Satzvey und zum Bahnhof zurück. Wenn ihr euch auch auf den Weg machen wollt, solltet ihr auf jeden Fall einen halben Tag einplanen. Ihr könnt natürlich auch nur ein Teilstück laufen und euch den Abschnitt, der euch am meisten interessiert, rauspicken. Für einen tollen Zweiklang aus Landschaft und Architektur ist die komplette Runde allerdings perfekt 🙂

Die Tour startet und endet am Bahnhof Satzvey, den ihr mit der RB 24 erreicht.

Weiterführende Infos rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)