Weißer Riese zum Geburtstag: Das Radioteleskop Effelsberg

Radioteleskop Effelsberg

 

Jedes Jahr das gleiche Drama: Was schenken wir Papa zum Geburtstag? Extraherausforderung in diesem Jahr: Er wird 70. Da soll es schon was ganz Besonderes sein. „Aber nicht so ein Miniasteroid mit seinem Namen oder so.“ Dieser Einwurf meiner Schwägerin hat mich letztlich auf die zündende Idee gebracht: das Radioteleskop Effelsberg! Mein Vater ist technikbegeistert, es liegt gar nicht weit weg, und – ich wollte immer schon mal hin. Flugs gegoogelt: Besichtigung geht, leider nicht von innen, was ja irgendwie auch klar war. Und für Gruppen ab acht Personen werden sogar Livevorträge angeboten! Kurz durchgezählt: Papa, Mama, meine Freundin und ich, mein Bruder, seine Frau und mein Neffe – dazu noch der beste Freund meines Vaters. Das kommt hin.

 

Gut geplant ist gut angekommen

Letzten Samstag war’s dann so weit. Mein Vater ist eigentlich jemand, der sehr ungern das Steuer aus der Hand gibt. Aber mit allen zusammen im vareo-Zug, den Enkel auf dem Schoß – das hat ihm schon gefallen. Vom Bahnhof in Bad Münstereifel geht’s für uns mit der TaxiBus-Linie 828 weiter, die uns bis nach Effelsberg bringt. Von dort nochmal knapp 20 Minuten zu Fuß Richtung Teleskop, davon den größten Teil durchs Grüne am gut gemachten Planetenweg entlang, der vom äußersten Rand unseres Sonnensystems über alle Planeten zu einem Betonmodell der Sonne führt. Die Vorfreude steigt, und jeder von uns möchte der Erste sein, der das Riesenteleskop vollständig und in seiner ganzen Größe sieht. Ich weiß nicht, wer aufgeregter war – mein kleiner Neffe oder mein Vater 🙂

 

Die Aliens rülpsen hören

Pünktlich 12 Minuten vor Beginn unseres gebuchten Vortrags erreichen wir das Besucherzentrum am Ende des Planetenwegs. Das reicht grade noch für einen Toilettengang und das schnelle Überfliegen der ersten Infotafeln. Dann geht’s auch schon los. Eine knappe Stunde lang erfahren wir alles rund um das heute zweitgrößte bewegliche Radioteleskop der Welt und vor allem, was die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts Bonn und Astronomen aus aller Welt hier so erforschen. Dass das Radioteleskop nichts sieht zum Beispiel, sondern wie ein riesengroßes Superohr Radiowellen aus einer vollkommen unvorstellbaren Entfernung von bis zu 100 Millionen Lichtjahren auffängt. „Da kannst du die Aliens rülpsen hören“, raune ich meinem Neffen ins Ohr. Wir erfahren auch, dass einige der Sterne, die man hier beobachten kann, schon längst nicht mehr existieren. Nur das Licht, das sie aussenden, braucht einfach unvorstellbar lange bis zu uns.

Ich hatte ein bisschen Sorge, dass der Vortrag zu wissenschaftlich werden könnte. Aber überhaupt nicht. Obwohl ein „echter“Professor uns alles Wissenswerte rund ums Teleskop erzählt, ist die Präsentation kurzweilig, leicht verständlich und dabei sehr informativ. Toll – da ist auch keine unserer Laienfragen fehl am Platz 🙂

 

Picknick mit Ausblick

Anschließend machen wir uns auf den Minispaziergang zur nahe gelegenen Aussichtsplattform, die sich unterhalb des Besucherzentrums befindet. Von hier aus hat man eine tolle Sicht auf das Teleskop und das in der Nähe liegende Forschungszentrum. Und der Anblick ist wirklich spektakulär. Monumental und gleichzeitig filigran erhebt sich das weiß schimmernde Radioteleskop vor uns in der Hügellandschaft der Eifel. Mit seinen 100 m Durchmesser ragt die riesige Schüssel mit dem Gitterrand aus dem Bachtal hervor. Und hier unten am Effelsberger Bach hat das Teleskop auch einen idealeren Standort als z. B. auf einem Hügel, wo es nur unzureichend vor irdischen Strahlungen geschützt wäre.

Kleines Extra-Highlight: Ganz in der Nähe verläuft mitten im Wald die Grenze zwischen NRW und Rheinland-Pfalz. Wir packen den Proviant aus, genießen den Blick und machen mehr als genug Bilder für das Fotobuch, das mein Vater in Erinnerung an diesen Tag natürlich auch noch dazubekommen soll.

 

Bis ans Ende des Universums

Frisch gestärkt, sind wir alle der Meinung, dass Wetter und Tag viel zu schön sind, um jetzt schon den Heimweg anzutreten. Gut, dass ich vorbereitet bin und noch ein Ass im Ärmel hab: Gleich an der Aussichtsplattform beginnt nämlich der Galaxienweg. Und sofort sind wir in einem wunderschönen Wald. Ganz ehrlich: Von den insgesamt 14 Infotafeln, die eine Reise von der Erde bis zu Objekten am Rand des Universums veranschaulichen, lasse ich einfach ein paar aus. In meinem Kopf schwirren einfach schon zu viele Sterne & Himmelskörper herum. Stattdessen genieße ich lieber Licht, Luft und Bäume. Und die nächste Rast an der sehr schön gelegenen, aber unbewirtschafteten Martinshütte. Ich lese: Die kann man sogar mieten – perfekt für Papas 80.! 🙂 Gemütlich plaudernd, geht es dann später für uns auf demselben Weg zurück und mit Bus und Bahn schließlich nach Hause. Ein toller Familienausflug. Und ein rundum toller Tag.

Das Radioteleskop Effelsberg erreicht ihr vom Bahnhof in Bad Münstereifel (Halt der Voreifelbahn RB 23/ S 23) aus. Die TaxiBus-Linie 828 (bitte mind 30 Min. vor Fahrtbeginn unter 01806 15 15 15 anfordern) bringt euch von dort bis zum Halt Effelsberg. Dann noch eine knappe Viertelstunde zu Fuß und ihr seid da.

Weiterführende Infos rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Leidenschaftlicher Inputsammler mit ausgeprägten Chillqualitäten