Zurück in die Antike – Das Museum Roemervilla in Ahrweiler

Bei unserem Ausflug ins Ahrtal drehen wir das Rad der Geschichte dieses Mal fast 2.000 Jahre zurück. Auf dem Programm steht ein Besuch im Museum Roemervilla in Ahrweiler.

Ehrlich gesagt, liegt mein letzter Berührungspunkt mit römischer Geschichte schon lange zurück. Ich fürchte, es war tatsächlich im Lateinunterricht in der Schule. Daran habe ich nicht unbedingt die besten Erinnerungen. Darum bin ich froh, jetzt noch mal einen neuen Versuch zu starten und ohne Vokabeltests oder die U-Deklination ins römische Leben einzutauchen.

Zum Museum fahren wir mit dem vareo-Zug. Vom Bahnhof Ahrweiler Markt sind es nur ein paar Gehminuten am Fuße der Weinberge entlang, bis wir vor dem Eingang stehen. Und die Geschichte, wie es genau an dieser Stelle zu dem Museumsbau kam, ist schon außergewöhnlich. Vor fast 40 Jahren, im März 1980, stieß man beim Ausbau der Umgehungsstraße B 267 auf die ersten Überreste eines Herrenhauses einer römischen »villa rustica« aus dem 2.–3. Jahrhundert nach Christus. Solch eine »villa« ist ein großes Landgut mit zahlreichen Neben- und Wirtschaftsgebäuden, dem Herrenhaus als Mittelpunkt und einem riesigen Badetrakt.

Der Erhaltungszustand ist für einen solchen Fund nördlich der Alpen einmalig gut. Und das liegt an einem Unglück, das sich in diesem Fall aber als wahrer Glücksfall entpuppt hat. Denn nachdem die Gutsanlage etwa um 260 nach Christus von ihren Bewohnern verlassen wurde, kam es im 5. Jahrhundert zu einem Hangrutsch am benachbarten Silberberg. Dieser verschüttete die gesamte Anlage und hat sie auf diese Weise unter der Erde konserviert und in einen Dornröschenschlaf versetzt. Erst im Rahmen der Straßenbauarbeiten in den 1980er-Jahren erblickte die »villa rustica« dann wieder das Tageslicht.

Nach den ersten Funden während der Straßenbauarbeiten folgten im Anschluss 10-jährige Ausgrabungen durch die Landesarchäologen des Denkmalamts Koblenz, die das römische Wohnhaus mit seinem großen Badetrakt freilegten. Und seit 1993 gibt es jetzt das Museum Roemervilla, das anschaulich zeigt (und im Rahmen vieler Themen- oder Kostümführungen auch für Kinder interessant ist), wie die römische Lebensweise und Wohnkultur vor fast 2.000 Jahren im Ahrtal aussahen.

Wer nicht ausgewiesener Hobbyarchäologe ist und zudem vielleicht auch noch über wenig Fantasie verfügt, freut sich über das große Modell, das im Museum steht. Hier werden die riesigen Ausmaße der gesamten Anlage anschaulich. Das Museumsgebäude hier in Ahrweiler macht uns vor allem die eigentliche Bedeutung eines Hauses deutlich: nämlich, Schutz zu bieten. Die Konstruktion aus Holz und Glas überspannt die Ausgrabungen wie ein schützendes Zelt, nur viel stabiler und mit großen Fensterfronten, die eine Menge Licht einfallen lassen. Allerdings ist das Gebäude nicht beheizbar. Aus diesem Grund fällt das Museum auch jedes Jahr in seinen »Winterschlaf« und ist von Mitte Oktober bis Ende März geschlossen.

Einen wirklich guten Blick auf die Exponate, die Kleinfunde und die teilweise bis zur Fensterhöhe freigelegten Mauern mit Wandmalereien bekommen wir von dem hochgelegten Holzsteg aus, der sich als Rundweg durch die Räume zieht. Einzelne von ihnen, wie z. B. die Küche, sehen fast so aus, als könnte man direkt ins römische Leben eintauchen. Dazu tragen auch die lebensgroßen Puppen bei, die in Habitus und Kleidung an die ursprünglichen Bewohner der »villa« erinnern. Und kaum zu glauben, aber um verrauchte Räume zu vermeiden, war der Backofen in der Küche sogar an ein Abluftsystem angeschlossen.

Uns haben besonders das große Badehaus und überraschend luxuriöse bautechnische Details fasziniert, die selbst noch in unserer Zeit für einen gehobenen Lebensstandard stehen. Dazu gehört auf jeden Fall das »Hypokaustum«, eine Fußbodenheizung, die mehr als nur heiße Luft zu bieten hat. Bei dieser Art von Warmluftheizung werden nicht nur Fußböden, sondern auch Wände oder kleinere Baukörper wie z. B. Sitzbänke von Kanälen (sogenannten »tubuli«) durchzogen, durch die warme Luft strömt. Wer weiß, vielleicht hätten die Römer bei ein bisschen mehr Zeit auch noch beheizbare Handtuchwärmer entwickelt 🙂

Insgesamt ein tolles Heizungssystem, das sehr angenehm für die Bewohner war, aber leider auch einen extrem hohen Energieverbrauch zur Folge hatte. Archäologen vermuten, dass die Wälder im Umfeld solch spätrömischer Siedlungen auch wegen der »hungrigen« Brennöfen abgeholzt worden sind.

Im Badehaus erfahren wir, dass die Römer zwar schon Seife kannten, sie zur Körperhygiene aber so gut wie nicht eingesetzt haben. Viel populärer war die »strigilis«, eine Art gekrümmter Schabebogen (aus Eisen oder Bronze), mit dem Schweiß, Staub und Dreck einfach vom Körper gekratzt werden konnten. Meist gab es eine solche »strigilis« im Set mit Schwämmen oder Salbgefäßen zur weiteren Pflege. Für die minderjährigen Duschmuffel in unserer Truppe hört sich die Abkratznummer überaus attraktiv an. Na, auf jeden Fall ist sie eine sehr pH-neutrale Art der Körperreinigung. Überhaupt müssen die Thermen dieser römischen Gutshofanlage eine immens wichtige Rolle im Leben der Bewohner gespielt haben. Es gibt neben Kalt- und Heißbädern auch ein Dampfschwitzbad (mit unserer heutigen Sauna zu vergleichen), einen Wärmeraum, und die Dimensionen des Badetrakts sind so gewaltig, dass klar ist, im luxuriösen Lebensstil der römischen Antike nimmt die Badekultur eine zentrale Stellung ein.

Es gäbe noch sehr viel mehr zu berichten, aber schaut bei einem Besuch des Museums Roemervilla doch am besten mal selbst, was euch am römischen Lebensstil gefallen hätte. Vielleicht in Kombination mit einer der vielen Kostümführungen. Dann lotsen euch z. B. die Hausherrin oder der Hausherr der »villa« durch die Räume, oder der Sklave Secundus berichtet von seinem harten Alltag. Super, um einen ganz unmittelbaren Einblick in die feudale römische Lebensweise nördlich der Alpen zu bekommen.

Und wer weiß, vielleicht entdeckt ja auch die/der eine oder andere noch die Archäologie als neues Steckenpferd für sich.

 

Das Museum Roemervilla in Ahrweiler erreicht ihr mit RB 30 oder RB 39 bis zum Bahnhof Ahrweiler Markt. Von dort sind es noch rund 10 Gehminuten bis zum Museum.

Weiterführende Infos rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

 

 

Verfasst von

Man muss das Leben tanzen! (Nietzsche)