Willkommen im Mitmach-Mittelalter: »Ritter und Burgen« in Bonn

LVR LandesMuseum Bonn

 

Vom Bonner Hauptbahnhof ist es tatsächlich nur ein kurzes Stück, und ihr verlasst die Jetztzeit mit wenigen Schritten, um direkt im Mittelalter zu landen. Wir haben 4 Minuten gebraucht 🙂

Das LVR-LandesMuseum lädt euch noch bis zum August 2019 mit der Multimedia-Show »Ritter und Burgen« zu einer interaktiven Zeitreise in die Epoche von ca. 1000 bis 1300 n. Chr. ein.

Im Vordergrund dieser Ausstellung stehen auf jeden Fall die jüngeren Museumsbesucher. Das macht eine kleine Vitrine schon gleich beim Eintritt in die Ausstellungssäle deutlich. Zwei Teddybären nebeneinander – einer im Neuzustand und einer, der anscheinend schon einiges durchgemacht hat – zeigen als eine Art Mini-Knigge für den Museumsbesuch, wie man mit den Ausstellungsstücken und Exponaten umgehen sollte. Dabei ist die Aufforderung »nicht anfassen« eher genereller Natur, denn die Ausstellung »Ritter und Burgen« lädt ganz offensiv zum Ausprobieren und Mitmachen ein.

 

Wie die Menschen im Mittelalter lebten, zeigt die Schau anhand von sieben Menschen, nämlich Ritter, Burgherrin, Händlerin, Spielmann, Handwerker, Bauer und Mönch. Jede/r von ihnen hat seine eigene Themeninsel, die mit Touchscreens, einer digitalen Kleiderkammer (die wie eine Art Wii bedient wird), einer virtuellen Schmiede, aber auch mit originalen Ausstellungsstücken zu ihrer ganz eigenen kleinen Zeitkapsel wird.

Den meisten Zuspruch hatte bei unserem Besuch eindeutig die Ritterwelt. Wahrscheinlich macht der Reitsimulator einfach am meisten Spaß. Und es ist gar nicht so leicht, reitend mit einer Lanze im Ritterkampf zu bestehen. Zum Glück muss man dabei keine Rüstung tragen. Denn das würde die ganze Sache um einiges schwerer machen. Wie schwer, kann man bei der ausgestellten Ritterrüstung ausprobieren, indem man versucht, sie mit den Schultern hochzudrücken. Puh!! Kaum vorstellbar, wie man mit einem solchen Gewicht überhaupt vorwärtskommen soll.

 

Jenseits vom weltlichen Leben der Ritter zeigt die Zeitreise in ein mittelalterliches Kloster, welcher Alltag die Mönche erwartete. Ein streng gegliederter Tagesablauf (na ja, eigentlich begannen die ersten Gebete sogar schon mitten in der Nacht), karge Speiseräume, in denen es zumeist nur Getreidebrei mit Gemüse zu essen gab, und ein großer Schlafsaal für alle Ordensbrüder. Neben der Arbeit im Haus oder der Landwirtschaft waren die klösterlichen Schreibstuben ein wichtiger Arbeitsplatz für die Mönche. In mühevoller Arbeit wurden hier wichtige Texte von Hand kopiert und kunstvoll verziert. Noch nicht auf Papier, sondern mit Griffel oder Federkiel auf Pergament.

Klöster waren aber auch der Ort, wo das Wissen um die Kraft von Heilkräutern und -pflanzen gesammelt wurde. Auch dazu gibt es eine tolle Mitmachstation, die ähnlich wie die TipToi-Bücher funktioniert. Kombiniert man das richtige Heilkraut mit der Körperregion, in der es Gutes tun kann, leuchtet die entsprechende Box mit Hintergrundinfos zur jeweiligen Pflanze auf. Vielleicht schmeckt mit diesem Wissen auch der nächste Salbeitee ein bisschen besser 🙂

 

Für Musikfreunde gibt es eine Themeninsel, an der man selber mittelalterliche Musik komponieren kann. Einfach die verschiedenen historischen Instrumente und die menschlichen Stimmen mit Reglern so abmischen, dass eine ganz eigene Melodie entsteht. Die kann man dann übrigens per E-Mail an Freunde oder auch sich selbst schicken.

Es gibt noch eine ganze Menge mehr zu entdecken: Insgesamt hat die Ausstellung 32 Stationen im Programm, an denen man viel über das z. T. sehr mühsame Alltagsleben im Mittelalter entdecken kann. Zusammen mit originalen Ausstellungsstücken wie historischen Münzen und Schlüsseln, einem wertvoll verzierten Bucheinband oder mittelalterlichen Kochtöpfen, Haarschmuck und Spielsteinen wird ein sehr lebendiges Bild der Zeit vor rund 1.000 Jahren präsent. Immer spielerisch aufbereitet und mit Aktionen, an denen Kinder sich auch körperlich ausprobieren können. Super, um zwischendurch mal überschüssige Energie abzubauen 🙂

 

Und obschon der Titel der Ausstellung zunächst ja nur auf das verweist, was wohl jedem zuerst zum Mittelalter einfallen würde, nämlich Ritter und Burgen, macht diese Ausstellung ganz schnell klar, dass diese Epoche viel mehr ausgemacht hat.

Nach der Zeitreise kann man übrigens noch gut im Museumscafé (bei schönem Wetter auch draußen) einkehren und bei Kaffee und Kuchen oder einem Saft ziemlich froh sein, dass jetzt kein mittelalterlicher Getreidebrei auf dem Tisch steht.

 

Das Museum erreicht ihr ganz einfach: Vom Bonner Hauptbahnhof sind es nur rund 4 Gehminuten bis zum LVR-LandesMuseum in der Colmantstraße. Viel Wissenswertes zum Museum und zur Ausstellung gibt es hier.

 

Weiterführende Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)