Mehr geht nicht – Die Bertrada Tour in der Vulkaneifel

Wanderschild

In diesem Jahr scheint der Wahnsinnssommer von einem nicht enden wollenden goldenen Herbst abgelöst zu werden. Das ideale Wetter, um zusammen mit Freunden einen Tag draußen zu verbringen und durch die in allen Farben leuchtende Natur zu wandern. Wir wollen heute unser Glück mit der Bertrada-Route versuchen. Das ist keine Etappe von den großen Fernwanderwegen, die durch die Eifel führen, sondern eine Rundtour, die erst vor ein paar Jahren als eigener Wanderweg ausgewiesen wurde.

Und ehrlich gesagt, ich finde, es sind oft die kleinen Rund- und Themenwege, die von den Gemeinden oder den Ortsgruppen der Wandervereine selbst entwickelt werden, die eine Menge zu bieten haben, an den schönsten Ecken vorbeiführen und glücklicherweise auch nicht so überlaufen sind wie die »Klassiker«.

Knapp 14 km liegen vor uns, als wir uns am kleinen Bahnhof in Mürlenbach treffen. Der liegt direkt an der Kyll, und von hier unten grüßt schon der erste Höhepunkt unserer Tour: die doppeltürmige Bertradaburg.

Ob auf der Burg tatsächlich Bertrada, die Mutter Karls des Großen, ihren Wohnsitz hatte (sie hatte übrigens den Beinamen »mit dem großen Fuße«) oder wir hier vielleicht sogar am Geburtsort Karls des Großen sind, ist historisch nicht ausreichend belegt – wir haben trotzdem das Gefühl, auf historisch bedeutenden Spuren unterwegs zu sein.

Der Weg führt uns unmittelbar durch die imposante Burganlage, in der man auch für ein paar entspannte Eifeltage Ferienwohnungen mieten kann. Wer sich für die Geschichte der Burg interessiert, findet auf der Seite der Bertradaburg eine umfangreiche Dokumentation mit vielen Fotos und Detailansichten.

 

 

 

Wir lassen die Burg jetzt hinter uns und durchqueren das malerische Örtchen Mürlenbach, bevor wir am Ortsrand immer bergan auf die Höhe kommen und die ersten Ausblicke über die Eifellandschaft genießen. Vom Aussichtspunkt Hardt aus kann man den Blick besonders weit schweifen lassen.

 

 

 

Nach der tollen Weitsicht geht’s jetzt in den Wald. Hier kann man sich zwischen zwei Wegvarianten entscheiden, und wir nehmen den leicht nach rechts verlaufenden Weg, der zu den Eis- und Mühlsteinhöhlen Birresborn weist. Die Laubfärbung hat schon eingesetzt, und der Himmel ist so blau, wie er es nur an sonnigen Herbsttagen sein kann. Dazu geht’s auch noch leicht bergab, mehr brauchen wir gar nicht zum Wanderglück. Denken wir – aber da warten auch schon die nächsten Highlights der Tour.

Die tragen die Namen »Adam« und »Eva«, sind schon sehr alt und darum auch ein bisschen gebrechlich. Bei den beiden handelt es sich vermutlich um die ältesten Kiefern der Eifel. Rund 200 Jahre sollen sie schon auf dem Buckel haben. »Eva« ist leider nicht mehr ganz so gut in Schuss und ist mit einem Stahlseil vertäut. Aber immerhin sind die zwei auch im hohen Alter noch zusammen 🙂

 

 

Von hier aus sind es nur noch ein paar Meter bis zur nächsten Attraktion, die wirklich für Verblüffung sorgt. Denn auf einmal fühlen wir uns wie mitten in »Gullivers Reisen«. Der Grund dafür ist die XXL-Sitzbank, die am Waldrand steht. Über Bohlen erreicht man die riesige Sitzfläche, auf der gut und gerne eine ganze Schulklasse Platz nehmen könnte. Verrückt, wie sich hier die Proportionen verschieben und natürlich auch das Motiv für viele Fotos.

 

 

 

Wir rasten hier als Wanderzwerge, bevor es über die große Wiese bergab zu den Eis- und Mühlsteinhöhlen geht. Von Oktober bis Ende März werden vier der fünf Höhleneingänge mit Gittern verschlossen, um den Fledermäusen im Winter einen sicheren Zufluchtsort zu geben. In den übrigen Monaten kann man in den seit 1938 unter Denkmalschutz stehenden Höhlen einen Rundgang wagen. Am besten aber mit festem Schuhwerk, einer Taschen- oder Stirnlampe und warmer Kleidung. Denn hier herrschen kühle Grade.

Die Höhlen sind durch den Abbau von Mühlsteinen entstanden, die hier bis weit ins 19. Jahrhundert hinein aus dem Basaltgestein geschlagen wurden. Die Eingänge zu den Höhlen liegen relativ hoch, die Gänge führen bergab, sodass die kalte Luft nur schwer abziehen kann und sich im Winter gebildetes Eis sehr lange hält. Damit sind die Höhlen ein natürlicher Kühlschrank und auch als Eishöhlen bekannt.

Wir haben heute nur unsere Handybeleuchtung dabei. Das ist auf keinen Fall ausreichend für eine richtige Höhlenbegehung, aber für erste Einblicke ins kühle Dunkel reicht es und macht auf jeden Fall Lust, nach der Fledermaussaison mit ausreichend Licht noch einmal wiederzukommen.

Vor den Höhlen weisen uns Infotafeln noch auf die Aussicht auf den Vulkan Kalem hin. Der gehörte vor rund 600.000 Jahren zu den größten und aktivsten Vulkanen der Eifel. Von hier aus wälzte sich ein glühender Lavastrom ins Tal der Kyll. Für diese Vorstellung braucht man beim Blick heute auf einen wunderschön gefärbten Herbstwald schon eine ganze Menge Fantasie.

 

 

 

Damit es nicht langweilig wird, führt die Route bis nach Birresborn jetzt über einen Waldlehrpfad. Wer will, kann eine Menge über die Gesteinsarten der Eifel lernen, herausfinden, was einen Raummeter Holz von einem Festmeter unterscheidet, oder versuchen, die verschiedenen Samenarten den passenden Bäumen zuzuordnen. Wir sind wohl doch eher Stadtkinder und liegen oft daneben, aber beim nächsten Mal kann es ja nur besser werden 🙂

 

 

 

In Birresborn angekommen, geht’s einmal über die Gleise, dann am Sportplatz und wunderschönen Wiesen entlang wieder bergauf durch den Wald. Jetzt nähern wir uns Mürlenbach von der anderen Seite der Kyll, und schon bald schiebt sich das Doppelturmtor der Bertradaburg wieder in unseren Blick. Bis auf ein holländisches Paar (das von der Runde übrigens auch begeistert war) und zwei Hundefreunde aus der näheren Umgebung hatten wir heute die komplette Tour für uns allein. Für mich gehört sie schon jetzt auf jeden Fall zu den schönsten Halbtageswanderungen in der Eifel. Es geht nur sanft bergauf und -ab, man geht fernab vom Straßenlärm, und mit Burg, Höhlen und Naturdenkmälern hat sie wirklich ein tolles Programm zu bieten.

Bevor wir uns am Mürlenbacher Bahnhof wieder in den vareo setzen, geht’s noch zum Bäcker mit Café ein Stückchen die Straße ortsauswärts. Viele Radfahrer steigen hier von den Pedalen, weil der Kyllradweg unmittelbar vorbeiführt. Aber auch als Wanderer solltet ihr hier unbedingt Rast machen. Der Nussstriezel gehört zu den besten, den wir je gegessen haben. Da waren wir uns sogar einig 🙂

 

Der Bahnhof in Mürlenbach ist Start und Ziel der Bertrada-Route und liegt auf der Eifelstrecke des vareo. Aber bitte aufpassen: Der Halt ist nur ein Bedarfshalt. Das heißt, ihr solltet euch auf dem Bahnsteig gut sichtbar hinstellen, damit der Zug nicht einfach durchrollt, ohne euch mitzunehmen.

 

Weiterführende Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)