Wieso, weshalb, warum … Ein Besuch in der Phänomenta in Lüdenscheid

Phänomenta, Lüdenscheid

 

Das passt uns ja eigentlich gar nicht. Denn kaum steigen wir in Lüdenscheid aus, scheint der Winter genau heute schon mal für den Ernstfall zu proben. Es ist grau und trüb, dazu eiskalt, und der stürmische Wind scheint uns direkt in die Phänomenta zu pusten. Das Gebäude und vor allem den weithin sichtbaren Turm der Phänomenta (immerhin 75 m hoch) haben wir schon vom Lüdenscheider Bahnhof aus gesehen. Das Museum ist also nicht zu verfehlen. Eine gute Ausschilderung gibt’s aber trotzdem auch noch 🙂

 

 

Die Phänomenta ist ein Mitmachmuseum (selbst nennt es sich interaktives Science Center) rund um Wissenschaft und Technik zum Experimentieren und Ausprobieren. Im Foyer schälen wir uns erst mal aus unseren Jacken und sind froh, Wind und Wetter für ein paar Stunden entkommen zu sein. Und natürlich freuen wir uns darauf, bei unserem Ausflug in die Wissenschaft tatkräftig mitzumachen. Denn Anfassen ist in diesem Museum ausdrücklich erwünscht. Es geht sogar gar nicht ohne. Schließlich muss man an den meisten der 180 Stationen und Ausstellungsstücke kurbeln, treten, drücken, puzzeln, pusten, drehen …, um die Experimente in Gang zu setzen.

Passend zu diesem Konzept werden wir gleich hier im Foyer von einer großen Kugelbahn »in Empfang genommen«. Zusammen mit der Eintrittskarte (die hier ein Armband ist) bekommt jeder Besucher einen kleinen Ball. Lange hat man den allerdings nicht in den Händen. Ähnlich wie bei einem Flipperautomat lässt man seine Kugel mit einem gefederten Kolben in die wirklich große Bahn nach oben schießen, wo sie durch ihr wildes Hin und Her eine ganze Reihe von Aktionen und Effekten anstößt und verursacht. Man kann seine Kugel beim Lauf durch ein Labyrinth von Zahnrädern und Alltagsgegenständen aus Küche, Werkstatt oder Sport verfolgen, bis sie schließlich bei einem Binärzähler ankommt, der die aktuelle Besucheranzahl im Museum ermittelt.

 

 

Die Ausstellungswelt der Phänomenta ist in 10 Bereiche unterteilt, dazu gehören unter anderem »Von Strahlen und Spiegeln«, »Magische Magnete«, »Bewegte Welt« oder »Unter Strom und Spannung«. Es gibt auch Draußenstationen, die sich mit Wetterphänomenen beschäftigen. Aber heute ist es vor der Tür so ungemütlich, dass wir uns entscheiden, drinnen zu bleiben, wo es ohnehin so viel zu entdecken gibt, dass ein Besuch allein gar nicht reichen kann.

Eine besondere Attraktion ist der 75 m hohe Turm der Phänomenta. In seinem Inneren schwingt ein riesiges Foucault’sches Pendel, das den Takt für das größte Kaleidoskop Europas vorgibt. Die unendlich vielen Kaleidoskopspiegelungen kann man am besten von unten durch ein Deckenfenster von einer Sitzbank aus beobachten, die sich unterhalb des Turms befindet. Sie steht zentral in dem Raum, der mit dem Phänorama (einem interaktiven 360°-Panorama) tolle Ausblicke auf Lüdenscheid und das Umland bietet. Na ja, eigentlich. Bei unserem Besuch ist es leider nicht ganz so toll. Es ist trüb und grau, sodass wir heute leider nicht viel entdecken können.

 

 

Das erste Highlight, das uns fesselt und lange in den Bann zieht, ist das »Lichtspiel«. Hier kann man ein von der Decke hängendes Seil in Drehung versetzen. Dazu regelt man Farben und Geschwindigkeit einer stroboskopischen Beleuchtung an einem Steuerpult. Das Ergebnis ist überraschend schön. Das schnell drehende Seil, das für das menschliche Auge gar nicht mehr zu sehen ist, lässt unter dem Stroboskoplicht in der richtigen Frequenz dynamische und zum Teil bauchige Lichtskulpturen entstehen, die an Wellen und Vasen erinnern und faszinierende Objekte erzeugen. Das solltet ihr unbedingt auch ausprobieren. Wir haben uns auf jeden Fall um das Steuerpult gerissen und konnten uns erst nach langem Experimentieren wieder loseisen.

 

 

Auch unsere nächste Station hat eine Überraschung zu bieten. Ich dachte ja, Schatten sind immer schwarz. Stimmt aber gar nicht. Hier können sie durchaus auch farbig sein. Beim Experiment »Schattenfarben mit Spiegelpixel« kann man das gut zu zweit oder als Gruppe ausprobieren. Einige von uns befinden sich vor einer Projektionsfläche, die mitten im Raum steht, die anderen dahinter. Drei Scheinwerfer (in den Grundfarben Rot, Grün und Blau) sind übereinander angeordnet und werfen ihre Strahlen darauf. Zusammen ergeben sie die Farbe Weiß, nur an den Rändern der drei Lichtkegel erscheint die Farbe des jeweiligen Lichtstrahlers. Steht man jetzt zwischen Lichtquelle und Wand und wirft seinen Schatten auf die Fläche, ist auch dieser in den Randbereichen farbig. Dazu gibt’s durch die Spiegelrollen auf der Rückseite noch einen tollen Zusatzeffekt, indem aus den Schatten der Vorderseite ein buntes, in viele kleine Zellen zersplittertes Bild entsteht. Mit den wildesten Verrenkungen probieren wir hier die besten Effekte aus.

 

 

Bei unserem Phänomenta-Besuch lassen wir uns treiben und verbringen Zeit an den Stationen, die uns interessieren. Man kann es aber auch planvoller angehen. Es gibt Vorschläge für Rundgänge, die Experimente vorstellen, die schon für die kleinsten Besucher (Vorschulalter) geeignet sind. Oder solche, an denen Familien mit jugendlichem Nachwuchs oder Erwachsene viel erleben können. Ziel der Phänomenta ist es immer, jeden Besucher für Wissenschaft und Technik zu begeistern. Ganz gleich, wie alt er ist oder welchen Wissensstand und Erfahrungsschatz er schon mitbringt. Unserer ist ausbaufähig, wie wir an unserer nächsten Station feststellen können.

Und diesmal wird es nass. Habt ihr schon mal vom Coriolisbrunnen gehört? Den Namen hat er von der sogenannten Corioliskraft. Die wirkt immer, wenn bei einem sich drehenden Körper Bewegungen zur Achse hin oder von der Achse weg stattfinden. Das führt beim runden Brunnen, der sich hier dreht, dazu, dass die Wasserstrahlen, die aus der Mitte des Brunnens nach außen fließen, der Drehbewegung des Brunnens folgen. Die aber, die von außen nach innen fließen, laufen nicht wie erwartet mit, sondern scheinen den Brunnen zu überholen.

 

 

Fragt mich nicht nach den exakten physikalischen Hintergründen (selbst nach dem Studium der weiterführenden Infos weiß ich nur so viel, dass seitlich wirkende Impulse etwas damit zu tun haben müssen), aber der Effekt ist auf jeden Fall überraschend, und toll anzuschauen ist es noch dazu. Das ist übrigens das Konzept der Phänomenta. Neben den einzelnen Stationen gibt es immer leicht verständliche Piktogramme (eine Art Bildsymbole), die erklären, wie man das Experiment zum Laufen bekommt. Die Hintergründe und Ursachen gibt es dann für alle Stationen eines Raumes gesammelt auf einem Touchpad. Hier kann jeder, der möchte, thematisch tiefer eintauchen und erfahren, weshalb genau das passiert, was man gerade gesehen hat. Zugegeben, meistens staunend.

 

 

Zum Abschluss stelle ich euch aber noch eine Station vor, die man ohne viel Kopfzerbrechen erleben kann: die Überraschungsei-Rohrpost. Überlegt euch, wer Sender und wer Empfänger sein will, schreibt eure Botschaft auf ein Papier, ab damit in das Gelbe eines Ü-Eis, und schon geht’s in die Rohranlage. Wenn der Gebläseschlauch an die Leitung angeschlossen wird, kann man über eine Taste Luft ins Rohr blasen, und das Ei wird über den Luftdruck, der sich aufbaut, durch das Rohr geschoben. Am anderen Ende der Leitung wartet dann hoffentlich jemand, der sich über eure Nachricht freut. In unserem Fall enthielt die Botschaft die wichtige Info, dass zumindest einige von uns Hunger haben. Der ultimative Aufruf, das Museumscafé der Phänomenta zu besuchen und unser Experiment »Messer und Gabel« zu starten. Übrigens erfolgreich 🙂

 

Zur Phänomenta ist der Weg ganz einfach. Vom Bahnhof in Lüdenscheid aus, den ihr z. B. mit der RB 25 erreicht, könnt ihr das Museum schon sehen. Nach ein paar Minuten Fußweg seid ihr am Ziel.

 

Weiterführende Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

 

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)