Auf zum Regenwald am Rhein – ein Besuch im Museum Koenig in Bonn

Fassade Museum Koenig, Bonn

 

Schock deine Eltern – besuch ein Museum! Könnte so ein Spruch sein, wenn er stimmen würde. Aber zu einem Besuch des Museums Koenig muss man sich wirklich nicht überwinden. Auch Kinder nicht. Denn hier kann man zu einer spannenden Weltreise starten, die statt in 80 Tagen in 80 Minuten um die Welt führt. Dabei kommt man durch die unterschiedlichen Großlebensräume unseres Planeten. Von der Savanne über die Arktis und Wüsten bis hin zum Regenwald.

Das Museum liegt in Bonn gleich gegenüber der Villa Hammerschmidt, die früher Leopold Koenig, dem Vater des Museumsgründers, gehört hatte, und ist eines der größten Naturkundemuseen Deutschlands. Aber anders als in den meisten anderen Naturkundemuseen läuft man hier nicht an vollgepackten Vitrinen vorbei, sondern erlebt die verschiedenen Landschaften und Lebenswelten anhand von Dioramen (eine Art dreidimensionaler Schaukasten, in dem Naturszenen und Landschaften vor einem gemalten Hintergrund dargestellt werden) und aufwendig inszenierten Lebensräumen ganz unmittelbar. Wir sind also fast selbst auf Expedition 🙂

Willkommen in der Savanne

Für den ersten Wow-Effekt sorgt gleich zu Beginn im eindrucksvollen Lichthof des imposanten Baus eine afrikanische Savanne mit all den Tieren, die sich dort um eine Wasserstelle versammelt haben. Elefanten, Giraffen, Antilopen, Löwen und Zebras sind unter anderem dabei. Also Huftiere und Raubtiere zusammen … vermutlich wird so etwas in der freien Natur früher oder später blutig enden. Auf die Savanne hat man den schönsten Blick, wie ich finde, von der Galerie im Obergeschoss aus.

 

Übrigens haben die Giraffen hier auch schon so einiges gesehen. Zum Beispiel Konrad Adenauer ganz aus der Nähe. Im Lichthof fand nämlich während der Gründungszeit der jungen Bundesrepublik am 1. September 1948 die feierliche Eröffnung des Parlamentarischen Rates statt 🙂

Neben der Savanne gibt es noch weitere Ausstellungsbereiche wie zum Beispiel die Arktis, die Wüste, Mitteleuropa oder neuere wie Wasser oder Regenwald. In einigen Bereichen sind die großen Dioramen integriert, die noch aus der Gründungszeit des Museums stammen und bald 100 Jahre zählen. Verstaubt sind sie wirklich nicht, sondern super geeignet, um Besucher ganz nah heranzuholen und ganze Szenen lebendig werden zu lassen.

 

Regenwald – Schatzkammer des Lebens

Gleich nach der afrikanischen Savanne geht es für uns in den afrikanischen Regenwald. Zumindest in die unteren Etagen. Denn bis jetzt ist nur der erste Teil der neuen Regenwald-Ausstellung eröffnet. Na ja, was heißt nur. Die Präsentation ist wahnsinnig detailreich und zeigt das wuselige Leben im Unterholz eines afrikanischen Tiefland-Regenwaldes. Der zweite Teil, der noch in der Planung ist, wird sich dann bis zum Kronendach des Regenwaldes aufschwingen.

Ins Unterholz gelangt man über einen sumpfigen Waldweg, der unmittelbar nach der »Savanne« im Lichthof des Gebäudes startet. Ein über 50 m² großes Diorama zeigt wie in einer 3-D-Schaubühne unzählige Pflanzen- und Tierarten, die sich in den unteren Stockwerken eines afrikanischen Regenwaldes tummeln. Alles ist bis ins kleinste Detail nachgebildet, und selbst Teil des Waldes zu werden, ist gar nicht schwer. Dazu haben sich die Ausstellungsmacher eine ganze Reihe von Stationen einfallen lassen, die den Besucher quasi ins Geschehen ziehen. Für ein echtes Safari-Feeling sorgen dabei die Fernrohre an der »Regenwald-Bai«, durch die man Waldelefanten beobachten kann. Und an den Hörstationen kann man in einen akustischen »Dschungel« eintauchen oder am Infohäuschen zum Nationalpark eine Schimpansentour »buchen«.

Ausstellungsbereich Regenwald, Museum Koenig
Sehr detailgenaues und super aufwendiges Ausstellungsprojekt: das Unterholz eines afrikanischen Redones: das Unterholz eines afrikanischen Regenwalds.

Das Diorama ist wirklich beeindruckend, vor allem weil tatsächlich fast das komplette Unterholz, das wir hier sehen, inszeniert und nachgebaut worden ist. Als Grundlage diente zwar Originalpflanzenmaterial aus einem gabunischen Regenwald, aber der größte Teil der Pflanzen, Blätter, Pilze wurde aufwendig nachgebildet, individuell geformt und sogar mit Flechten und Fraßspuren von Tieren versehen. Ein Riesenaufwand, denn allein hier im »Unterholz« sind über 35.000 Blätter montiert worden. Übrigens könnt ihr euch zum Making of auch ein Video ansehen.

In Zukunft wird es dann genauso spektakulär in der ersten Etage des Museums mit dem »Kronendach« des Regenwalds weitergehen. Auch der Weg dorthin ist besonders. Er führt durch den hohlen Stamm einer begehbaren Würgefeige.

Wer jetzt Lust auf ganz andere Temperaturen hat, macht sich am besten auf den Weg in die Polargebiete. Hin gehts durch einen Kältetunnel. Hier fühlen sich Wale, Pinguine und Eisbären wohl … und Völker, die nicht bei lauen 12° C in Anoraks, die an Arktisforscher erinnern, auf hiesigen Weihnachtsmärkten anzutreffen sind 🙂

Arktis/Antarktis Museum Koenig
Wohnraum wird immer knapper. Wollt ihr es mal mit einem Iglu probieren?

Es gibt noch so viel mehr zu entdecken, dass ihr euch am besten mal selbst auf den Weg macht. Tagsüber oder für ganz Unerschrockene auch nachts. Also nicht mitten in der Nacht, aber in den dunklen Monaten doch dann, wenn es im Museum finster ist. Dann gibt es die beliebten Taschenlampenführungen (Achtung: sehr begehrt, ihr müsst euch frühzeitig anmelden). Ein ganz besonderes Erlebnis. Und ein Abenteuer: Hat sich das Zebra nicht gerade doch ein wenig bewegt? Verfolgen mich die Augen des Löwen nicht tatsächlich? Im Licht flackernder Taschenlampen kann die Museumswelt doch schon ganz anders aussehen.

Unser Besuch endet heute auch schon im Dämmerlicht des Wintertags. Aber für einen kurzen Abstecher ins Museumscafé reicht es noch. Und das Beste: Unsere leckere Beute müssen wir hier nicht selber jagen 🙂

 

Zum Museum könnt ihr vom Bonner Hauptbahnhof mit den Stadtbahnlinien 16, 63 oder 66 bis zum Halt »Museum Koenig« fahren oder vom Bahnhof Bonn UN-Campus in rund 15 Gehminuten laufen.

Weiterführende Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

 

Titelfoto: © Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)