Zwischen Ziegen, Wasserbüffeln und Glanrindern – ein Streifzug durch die Wahner Heide

Wahner Heide

Auch wenn das Wetter gerade nicht so einladend ist: Ein bisschen frische Luft muss sein (habt ihr übrigens schon den fast gleichnamigen Kinofilm über das Leben von Hape Kerkeling gesehen? Lohnt sich :)).

Aber zurück zum Ausflug. Die frische Luft wollen wir heute im zweitgrößten Naturschutzgebiet Nordrhein-Westfalens zu uns nehmen. Und das liegt, für mich neu, direkt vor den Toren von Köln und Bonn: die Wahner Heide.

Vom Bahnhof in Rösrath-Stümpen sind es gut 20 Minuten zu Fuß durch ein Wohngebiet und über die Autobahn A3 hinweg bis zum Turmhof. Das ist eines von vier Eingangsportalen zur Wahner Heide und dient als Infozentrum und Hofladen und ist Anlaufstelle für viele Führungen, Veranstaltungen und Ausstellungen.

Am Gebäude, einem umgebauten alten Gutshof, gibt es einen stählernen Turm, von dem aus man einen ersten kleinen Überblick gewinnt. Bei dem grauen Tag heute geht der allerdings nicht sehr weit. Auch das Infozentrum ist geschlossen, darum machen wir uns direkt auf den Weg und folgen dem mit einem gelben Vogel (vielleicht die Silhouette eines Neuntöters, kennt ihr euch aus?) auf schwarzem Grund gut ausgeschilderten Rundweg mit dem Namen »Geisterbusch-Tour«.

Wegezeichen Geisterbuschtour
Unser Zeichen! Die Geisterbuschtour

Das ist einer von mehreren Themenwegen, die vom Tumhof aus starten. Knapp 7 km ist unsere Tour lang und wir folgen ein kurzes Stück der kleinen Straße, bevor wir an Weideflächen entlang ins Grüne abbiegen. Als es waldig wird, warnen erste Hinweisschilder davor die Wege zu verlassen. Denn große Teile des Gebiets wurden als Truppenübungsplatz genutzt, so dass noch Minenreste unter dem Boden liegen könnten. Entlang der Anlage des Kalmusweihers führt der Weg am ehemaligen Kriegsgefangenenlager Hoffnungsthal vorbei, das mit einem Soldatenfriedhof und einem Gedenkstein daran erinnert, wie wichtig es ist den Frieden zu bewahren.

Kurz danach öffnet sich das Gelände und wir kommen zum sogenannten Geisterbusch. Jetzt zum Jahreswechsel sind keine grasenden Tiere mehr zu sehen. Schade, denn sonst sind hier Ziegen und Rinderherden zu beobachten, die sich eifrig einer guten Aufgabe widmen: fressen, fressen, fressen. Und zwar in erster Linie die Pflanzenarten, die dafür sorgen, dass Heidelandschaften sehr schnell verbuschen. Im Geisterbusch gibt es zurzeit rund 50 Glanrinder und an die 300 Ziegen. Darunter ganz unterschiedliche Rassen, wie Angora- oder Burenziegen. Allen gemeinsam: Sie fressen gerne Blätter und junge Zweige von Gehölzen, zum Teil schälen sie sogar ganze Sträucher und Bäume. Ein Fressverhalten, das hier prima passt. Denn so werden die Heideflächen davor bewahrt, sich in kürzester Zeit in einen Wald zu verwandeln – und viele seltenere und hier erwünschte Pflanzenarten (z. B. Golddistel, Englischer Ginster oder das Hundsveilchen ) können sich wieder ausbreiten.

Die Wahner Heide liegt zwar im zweitgrößten Naturschutzgebiet von NRW, trotzdem zieht sich eine Autobahnschneise (die A3) ganz in der Nähe vorbei und der Flughafen Köln/Bonn liegt auch noch mittendrin. Bis an den Zaun des Flughafengeländes führt uns nämlich jetzt unser Weg und wir können einigen Jets beim Landen und Ausrollen zusehen.

Zurück über die ehemalige Panzerstraße (schnurgerader kann eine Straße wirklich nicht sein :)) geht’s wieder entlang offener Heideflächen und durch den Wald. Langsam kommen wir wieder in die »Zivilisation«, die hier nicht ganz so einladend aussieht. Verlassene Gewerbeflächen hinter eingewachsenen Zäunen und Baracken wechseln sich ab, aber auch das Ausflugslokal »Bambi« kann man hier finden. Wir kehren nicht ein, aber nach vielen Berichten soll es hier nicht nur riesengroße Koteletts geben, sondern auch der Wirt ist eine Institution und soll seinen Gästen mit einem leicht ruppigen Charme begegnen. Vielleicht wollt ihr das ja mal ausprobieren?

Bevor wir wieder den Turmhof erreichen, verwandelt sich die kleine Straße, die wir entlang gehen, noch zu einem kleinen Kunstzentrum. Im Skulpturengarten und der Kunsthalle Wahner Heide haben sich ansässige Künstler zusammengeschlossen und bieten neben Ausstellungen auch Workshops und Kurse an. Heute ist alles ruhig, aber laut Aushang im Infokasten soll es im Frühjahr mit neuer Kraft weitergehen.

Wenn ihr also Lust auf einen Mix aus Natur und Kultur habt, bietet euch eine kleine Rundtour ab dem Turmhof eine gute Gelegenheit dazu. Es gibt mehrere ausgeschilderte Wege, von 3,6 km bis knapp 7 km Länge.

 

Zum Heideportal Turmhof kommt ihr mit der RB 25. Aussteigen bitte am Bahnhof Rösrath-Stümpen. Von dort sind es rund 20 Minuten zu Fuß über Kiefernweg, Dammelsfurther Weg und Pestalozziweg bis zum ausgeschilderten Turmhof.

 

Weiterführende Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)