Ahrtal erleben – auch für Nordlichter

Landschaft Ahrtal

Obwohl ich mittlerweile in Schleswig-Holstein wohne, zieht es mich im Herbst doch immer wieder ins Ahrtal. Und immer wieder bin ich fasziniert von dieser Landschaft, die deutschlandweit ihresgleichen sucht.

Die Anreise von Hamburg mit dem Zug dauert knapp sechs Stunden, dann bin ich in Ahrweiler. Als Domizil habe ich das Hotel Lindenmühle gewählt, vom Bahnhof ist es nur knapp 10 Gehminuten entfernt. Ich kenne das Haus noch von früher, anlässlich der AhrSteig-Eröffnung habe ich hier genächtigt. Es ist ein freundliches, übersichtliches Fachwerkhaus, dessen Charme gerade in kleinen Schritten restauriert wird (Gäste werden auf diese Weise nicht durch Baulärm gestört). Die Zimmer beziehen ihren Reiz durch Holzbalken an der Decke und Blümchen vor den Fenstern.

 

Meine erste Runde

Der nächste Morgen: Das Wetter meint es gut mir mir – über mir dehnt sich ein tiefblauer Himmel. Noch herrscht die Kühle der Nacht, im Lauf des Tages wird sich das ändern. Vom Hotel aus folge ich dem Weg zurück zum Bahnhof. Dort ist auch der Rotweinwanderweg ausgeschildert. Er soll den ersten Teil meines Weges begleiten. Wie so oft im Herbst an der Ahr, stechen mir die vollreifen süßen roten Trauben in die Augen, die beiderseits des Weges rufen: Pflück mich! Als verantwortungsbewusster Wanderer lasse ich mich natürlich nicht verführen.

Der Rotweinwanderweg folgt den Wegen, die die Winzer nehmen, wenn sie ihre Wingerte bearbeiten. In leichtem Auf und Ab folge ich also deren Spur durch die Weinberge. Die Route ist (meist) gut ausgeschildert. Der Blick, wenn er sich nicht gerade an dem strahlenblauen Himmel ergötzt, schweift rechter Hand über die Doppelstadt Bad Neuenahr- Ahrweiler, linker Hand dehnen sich die Weinberge. Ich passiere die Hemmessener Hütte, ein Ausflugslokal mitten in den Wingerten.

Sobald ich auf der Höhe des Bad Neuenahrer Bahnhofs bin, heißt es aufpassen. Denn jetzt kommt bald der Punkt, an dem ich den Rotweinwanderweg verlasse. Ich orientiere mich an den Hinweisschildern Heppinger Berg. Aber Achtung: Wer diese Tour nachwandern will, muss auf Folgendes achten: Die Markierungen Heppinger Berg zeigen in beide Richtungen. Es gibt also mehrere Wege nach Rom, ähm zum Heppinger Berg. Das liegt daran, dass ich es mit einem Rundweg zu tun habe. Ich halte mich links, also in nördlicher Richtung, das ist die Variante, die am Sportflugplatz vorbeiführt.

 

Auf dem Heppinger Berg befindet sich die Landskroner Kapelle und die Ruine der alten Stauferburg Landskron, denn dort bin ich – der das Ahrtal fast auswendig kennt– in all den Jahren nicht gewesen. Sie lagen immer mal wieder am Weg, aber jedesmal hatte ich andere Ziele. Ein Gespräch am gestrigen Abend mit meiner Liebsten über Kaiser Barbarossa, seine Verbindung zum Ahrtal und seine Kinder, ließ mich allerdings neugierig auf die Burgruine werden. Ein Sohn des Stauferkaisers soll sie errichtet haben.

Bis zum Flugplatz ist der Weg noch gut ausgeschildert. Das Café mit Blick auf das Flugfeld ist mangels Pächter zurzeit nicht geöffnet. Was bleibt mir anderes, als daran vorbeizugehen und dem Weg parallel zum rechter Hand liegenden Schießstand zu folgen. Hinter dem mannshohen Wall knallen ununterbrochen die Schüsse. Hier üben keine Sportschützen, es sind wohl eher passionierte Jäger, wenn ich an die Autos denke, an denen ich gerade vorbeigelaufen bin.

 

Weiter ohne Wegmarkierung

Ab dem Flugplatz gibt es keine einheitliche Wegmarkierung mehr, die mich Richtung Heppinger Berg lotsen könnte, aber solange ich mich an dessen Kuppe mit der Landskroner Maria-Hilf-Kapelle orientiere, werde ich mich wohl kaum verlaufen. Ich gehe ein Stück bergab durch Busch- und Wiesenland, dann folgt ein Anstieg hinauf auf eine Kuppe. Dort oben folge ich dem Weg vorbei an einem großen Strommast und schon stoße ich wieder auf den Rotweinwanderweg. Hier geht es für mich nach links. Dieser führt mich zunächst unter der Talbrücke der A61 hindurch, stets weiter bergab bis zum Ortsteil Grimmigen. Hier geht es kurz nach links, dann wieder nach rechts den Wegmarkierungen folgend auf einer langen, langen Treppe in den Wald hinzu! Das ist jetzt die Nagelprobe für meine Knie. Nachdem ich den Weg bisher ohne große Beschwerden gemeistert habe, kommt es nun darauf an. Und es klappt, meine Knie halten der Belastung stand.

Der Weg hoch zur Kapelle windet sich über ungezählte Serpentinen durch den Mischwald aufwärts. Da ich heute viel Zeit habe, gehe ich es gemütlich an. Mehrfach kreuze ich breite Waldwege, aber die Wegmarkierungen (jetzt nur noch Landskroner Kapelle) verweisen immer auf den schmalen Pfad.

 

Dann öffnet sich plötzlich der Wald und vor mir erhebt sich die Kapelle. Die ist bedauerlicherweise verschlossen. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert. Ein Glasfenster in der Tür ermöglicht den Blick ins Innere. Der lohnt sich aber nur, wenn man gleichzeitig 50 Ct in den Automaten wirft, der dann für 3 Minuten das Licht in der Kapelle einschaltet. Und auch dann öffnet sich nicht die Tür, sondern man muss ich mit dem Blick durch das etwas verschmierte kleine Türfenster begnügen.

Groß steht unterhalb des Giebels der Name der Kapelle (Maria Hilf), darunter auf dem Schutzgitter über einer Madonnenfigur: Maria hat geholfen! Mir leider nicht, denn ich hatte keine 50 Ct dabei und ohne Geld wollte sie nicht das Licht einschalten. Vielleicht habe ich ja nicht inständig genug gebetet.

Vom Stauferkaiser und seinen Kindern

Von der Kapelle sind es nur ein paar Schritte zurück auf dem Weg, bevor es rechts zur alten Burgruine abgeht. Zunächst stoße ich auf den Mauerrest eines alten Tores, ein wenig später auf einen alten Brunnen. Die Umfassung ist noch sehr gut erhalten. Dann geht es weiter bis zu den wenigen Resten der ehemaligen Oberburg. Viel ist nicht erhalten. Dadurch aber lenkt kaum etwas von dem herrlichen Rundblick ab, den man vom Plateau mit dem Gipfelkreuz hat. Wären da nicht ein paar Büsche und Hecken auf dem Plateau und hinter dem Gipfelkreuz, böte sich mir ein 360°-Panorama.

 

Um nicht wieder den selben Weg wie beim Aufstieg zu nehmen, wende ich mich dann an der ersten Abzweigung nach rechts, am Waldrand erneut rechts und steige vorbei an der offenen Feldflur beim nächsten Querweg weiter rechts Richtung Heimerzheim (ohne Beschilderung) auf breitem Weg durch den Wald ab.

Sobald ich den Wald verlassen habe, stoße ich auf die Betonpiste des Rotweinwanderwegs. Ich wende mich nach rechts, um aber gleich linker Hand den steilen Asphaltweg hinunter nach Heimerzheim zu nehmen. Gleich am Ortsanfang erreiche ich den Bahnhof, wo ich ein Viertelstündchen auf die Ahrtalbahn warte, die mich in nur sechs Minuten nach Bad Neuenahr zurückbringt.

 

Den Ausgangspunkt der Wanderung, den Bahnhof Bad Neuenahr, erreicht ihr mit der RB30 oder RB 39. Nach eurer Tour steigt ihr am nächsten Halt auf der Ahrtalstrecke, am Bahnhof Heimersheim wieder ein.

 

Weitere Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

 

 

Verfasst von

Als Landkind bin ich viel draußen gewesen. Als ich in die Stadt zog, fing ich mit dem Wandern an. Zunächst in der Eifel, im Hunsrück, an Mosel, Rhein und Ahr. Und es gibt noch viel zu entdecken in Deutschland. Vor ein paar Monaten bin ich der Liebe wegen nach Schleswig-Holstein gezogen, aber das hält mich nicht ab, immer wieder auch im Rheinland zu wandern.