Landleben pur auf dem Bergischen Bauernhofweg

Kühe im Bergischen Land

Es ist immer wieder überraschend und kaum zu glauben, wie schnell man richtig draußen sein kann. Nur wenige Stationen vom Kölner Hauptbahnhof entfernt und eine knappe halbe Stunde mit der RB 25…. schon steht ihr mitten im prallen Landleben. Okay, nicht sofort. Denn zunächst steht ihr am Bahnhof in Honrath. Aber dann sind es versprochen nur wenige Schritte über die Gleise hinweg und durch den Ort, bevor ihr richtig in euer Naturerlebnis starten könnt.

 

Wir haben uns für unseren Draußentag diesmal den „Bauernhofweg“ ausgesucht. Das ist einer von insgesamt 24 Bergischen Streizügen, die als Themenwege kreuz und quer durchs Bergische Land führen. Dabei bieten sie neben wirklich tollen Ausblicken auch eine ganze Menge Kurzweiliges und Wissenswertes auf ansprechend gestalteten Infotafeln. Dazu sind die Touren auch sehr gut ausgeschildert, sodass man nicht an jedem dritten Baum die Wanderkarte zu Hilfe nehmen muss. Ein bisschen aufpassen solltet ihr aber schon, damit ihr an der ein oder anderen Weggabelung nicht den richtigen Abzweig verpasst 🙂

 

Der Bauernhofweg ist zwar ein nicht ganz kurzer Rundweg (12,6 km), aber trotzdem genau das Richtige für einen Familienausflug mit einer kleinen Einschränkung. Für Kinderwägen und kleine Kinder ist der Weg nämlich nicht zu empfehlen, denn es gibt doch einige Passagen, die dank Steigungen und Gefälle ordentlich in die Beine gehen. Aber für Kinder ab dem Grundschulalter ist das eine abwechslungsreiche Runde, die richtig Spaß macht.

Besonders praktisch: Auf dieser Tour könnt ihr eure Kids nicht nur mal wieder so richtig in der Natur „durchlüften“, sie erfahren dank der elf Infotafeln gleichzeitig auch, was alles zum Leben auf einem Bauernhof dazugehört. Und damit die kleinen Wanderfreunde nicht gleich abschalten, kommen die Infos und Texte dazu von der fernsehbekannten Maus aus der »Sendung mit der Maus«. Sie erklärt unter anderem, wann die Kartoffel (und irgendwann die Pommer frites 🙂 ) in Deutschland zum Superstar wurde, warum der Spargel uns sagt: Jetzt ist Frühling! oder wie man aus Gülle Strom gewinnt. Allein an der Themenauswahl wird schon klar, dass ein Landwirt heute meist eine ganze Menge Standbeine haben muss, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen.

 

Gleich zu Beginn unserer Tour (die Kinder sind immer schon ein gutes Stück vor uns unterwegs, um das nächste Wegezeichen, die weiße 18 auf rot-orangem Grund, zu suchen und zu finden) geht es durch dichten Wald nach Schlehecken – und zwar bergan. Das macht zwar ein bisschen Mühe, belohnt aber, einmal auf der Höhe angekommen, mit schönen Aussichten. Auf Wirtschaftswegen, die weite Blicke bieten, geht es jetzt bis zum Bauerngut Schiefelbusch. Die Hofanlage ist ein gutes Beispiel dafür, wie breit ein Bauernhof aufgestellt sein kann. Vom Hofladen, den Blumen zum Selberpflücken, einem Maislabyrinth im Sommer bis zum Bauerncafé sind hier viele Ideen umgesetzt worden, die nur noch entfernt an Arbeiten wie das Felderbestellen oder Kühemelken erinnern. Übrigens sind die Torten im Café phänomenal und falls ihr länger bleiben wollt, auch kein Problem: Das Gut hat einige Ferienwohnungen im Angebot 🙂

 

Für uns geht’s jetzt aber weiter, und zwar ins Tal hinunter zur Gammersbacher Mühle. Und die Bezeichnung Erlebnisbauernhof kann kaum alles fassen, was den Besucher hier erwartet. Denn wer möchte kann zu festen Terminen im Steinofen in der historischen Backstube selber Brot backen, eine Kutsch- oder Planwagenfahrt unternehmen oder sich im Bogen- oder Luftgewehrschießen ausprobieren. Für Tier- und Streichelfreunde gibt es ein Kleintiergehege, und mit den putzigen Rotnackenwallabys (einer Känguruart) weht ein bisschen weite Welt und Outback durchs Bergische. Die Möglichkeit zum Ponyreiten gibt’s natürlich auch noch.

Gammersbacher Mühle
An der Gammersbacher Mühle können laufmüde Wanderer einkehren oder gleich in Planwagen oder Kutsche umsteigen 🙂

Die historische Mühle wurde sage und schreibe schon 1613 erstmalig urkundlich erwähnt und kann sogar im Betrieb besichtigt werden. Voraussetzung: Der Gammersbach, der die nötige Wasserkraft liefern muss, führt ausreichend Wasser.

Eine Mühle liegt ja meistens unten im Tal, darum heißt es für uns jetzt wieder: bergauf. Über einen Wiesenweg geht es hinauf in den Wald hinein und anschließend zwischen Getreidefeldern bis auf die Höhe bei Muchensiefen. Ein malerisches Fachwerkhausensemble, sehr sehr idyllisch. Hier scheint die Welt noch heil zu sein. Von hier oben habt ihr eine Superaussicht bis nach Wahlscheid und zum Flüsschen Agger. Dorthin laufen wir jetzt auch wieder bergab, immer Richtung Aggertal. Im Sommer, wenn die Wanderfüße heiß gelaufen sind, kann eine Rast am Aggerbogen eine frische Abkühlung sein. Die hölzerne, kühn geschwungene Brücke über den Fluss ist übrigens absolut sehenswert. Hier am Aggerbogen hat auch die Naturschule ihre Heimat gefunden ­– die nicht nur für Schulklassen, sondern auch für interessierte Naturfreunde ein breites Programm mit Angeboten von der Wassergütebestimmung über die Honiggewinnung und alte Handwerkstechniken bis hin zu Bootstouren auf der Agger bereithält.

Bergischer Streifzug "Bauernhofweg"
Entlang an Äckern und Feldern bieten sich immer wieder tolle Fernsichten

Wenn ihr euch schon einmal gefragt haben solltet, ob Golf der richtige Sport für euch sein könnte, dann Achtung: Der Golfplatz am Schloss Auel, den der Bauernhofweg jetzt passiert, könnte genau der richtige Ort sein, um diese Frage zu klären. Von hier aus habt ihr fantastische Aussichten aufs Bergische Land. Die versöhnen bestimmt auch mit jedem überflüssigen Golfschlag, den man zu viel bis zum rettenden Loch im Grün gebraucht hat.

Über das Gut Windlöck (ein unter Denkmalschutz stehendes Fachwerkhaus, fast 400 Jahre alt) geht es jetzt weiter in Richtung Honrath, dem Ziel unserer Tour. Schon bald kommt der Turm der evangelischen Kirche von Honrath in Sicht, und damit ist es auch nicht mehr weit bis zum Honrather Bahnhof.

Als Dauer für diese Tour, die 12,6 km lang ist, werden 3 bis 4 Stunden angegeben. Das ist schon großzügig. Wir waren bei gemütlichem Gehtempo, einer ausgiebigen Einkehr, kleinen Verschnaufpausen und dem Weitertreiben einer munteren Kinderschar allerdings länger unterwegs. Und ich finde, es hätte auch ruhig noch ein bisschen dauern können, denn der Weg ist wirklich lohnenswert und bietet hinter fast jeder Biegung interessante Überraschungen. Noch mehr Infos zum Bergischen Streifzug Nr. 18 gibt es hier, wo ihr euch auch einen Flyer zur Tour herunterladen könnt.

 

Zum Ausgangs- und Zielpunkt des Bauernhofwegs kommt ihr mit der RB 25, aussteigen (und später wieder einsteigen :)) bitte am Bahnhof in Honrath.

 

Weiterführende Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

 

 

 

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)