Mit Hase Felix in die Natur – Der Ausflugsklassiker »Waldau« auf dem Venusberg

Schild Weg der Artenvielfalt, Waldau

 

Sind sie bei euch auch noch wach, die Erinnerungen an Sonntagsausflüge aus eurer Kindheit? Wisst ihr noch, wie ihr mit einem Eis oder einer Limonade milde gestimmt worden seid, um den Waldspaziergang oder die Runde um eine Talsperre mit möglichst wenig Quengelei mitzumachen?

Die Waldau im Bonner Stadtteil Ippendorf am Rande des Kottenforsts ist zwar auch ein echter Sonntagsausflugsklassiker (angelegt in den 1960er Jahren), aber hier gibt’s so viel kindgerechte Abwechslung, dass kein »zuckersüßes« Bestechungsmaterial nötig ist, um die Kids bei Laune zu halten. Übrigens seid ihr hier auch ohne Kind und Kegel gut aufgehoben, wenn ihr ohne weite Anreise einfach mal eine entspannte und vor allem abwechslungsreiche Auszeit im Grünen verbringen wollt.

Vom Bonner Hauptbahnhof bringt euch der 602er-Bus total bequem genau bis zur Waldau (das ist auch die Endstation). Streng genommen seid ihr jetzt immer noch in der Stadt, auch wenn es inzwischen nicht mehr danach aussieht. Viel Grün, sehr viel Wald und ein Wegenetz, das es in sich hat. Unzählige Pfade und Wege ziehen sich durch das Waldgebiet und erinnern – von oben betrachtet – an ein Spinnennetz. Der Grund für die vielen Wege (zum Teil sind es regelrechte Schneisen) liegt im kurfürstlichen Jagdvergnügen vor rund 200 Jahren. Für die damals sehr beliebte (und heute übrigens verbotene) Parforcejagd mussten breite Wege her, auf denen eine Hundemeute und im Schlepptau die Jäger auf ihren Pferden das Wild bis zur Erschöpfung unermüdlich vor sich hertreiben konnten.

Wir bekommen heute zwar auch ein paar Tiere zu sehen, dabei geht es aber ausgesprochen friedlich zu 🙂

Einmal aus dem Bus ausgestiegen, seid ihr auch schon mittendrin im Ausflugsgeschehen. Die Bushaltestelle liegt in unmittelbarer Nähe zum Abenteuerspielplatz, dem Gasthaus Waldau (das nach längerem Leerstand seit 2018 wieder unter neuer Leitung geöffnet hat) und dem Haus der Natur, einem Waldinformationszentrum mit interessanten Ausstellungen und Veranstaltungen. Hier könnt ihr im Moment leider noch nicht rein. Denn der Umbau zu einem modernen, barrierefreien Umweltbildungszentrum ist noch in vollem Gange. Der ursprünglich aus dem Hunsrück stammende Fachwerkbauernhof ist dazu u. a. mit einer Holzfassade ummantelt worden, die jetzt nicht nur für eine bessere Energiebilanz sorgt, sondern auch noch Fledermäusen unter der Verschalung Unterschlupfmöglichkeiten bieten soll. Und wenn alles nach Plan läuft, soll das neue Haus der Natur am 30. Juni 2019 mit einem großen Fest eröffnet werden. Was ich so von außen sehen kann, gefällt mir gut, besonders die vielen Fenster, die überraschende Formen haben, und ich bin gespannt, mit welchem »Innenleben« das Zentrum dann ab dem Sommer seine Besucher begrüßen wird.

Wir passieren den Bauerngarten, der zum Haus der Natur gehört und in dem der Frühling schon für erste Farbtupfer sorgt, um von unserer Strecke – eigentlich ist es von der Länge her sogar eher ein Wegchen – auf den »Weg der Artenvielfalt« zu kommen. Verfehlen könnt ihr ihn wirklich nicht, denn der aus den Kinderbüchern bekannte Hase Felix führt euch mit einer ganzen Reihe von Hinweisschildern einmal durch den Wald. Natürlich nicht, ohne an vielen Stationen Besonderheiten zu Bäumen, Vögeln und Waldtieren zu erklären.

Auf der Runde von ca. 2,3 km Länge (auch prima mit Kinderwagen zu begehen) laden Erlebnisstationen dazu ein, die Natur zu entdecken. Ihr könnt euch zum Beispiel im Birdwatching ausprobieren oder im Laubtunnel Einblicke in den Waldboden und seine vielen Schichten gewinnen und erforschen, für was ein Blatt noch gut ist, wenn es erst mal vom Baum heruntergesegelt ist.

An der nächsten Abzweigung wartet eine Aussichtsplattform am Feuchtbiotop auf die Waldbesucher. Eine Libelle bekommen wir heute leider nicht zu sehen, dafür gibt’s von hier aus aber eine wunderschöne Weitsicht über das Annaberger Feld. Das über 100 ha große Areal wurde schon 1860 angelegt und dient neben der landwirtschaftlichen Nutzung auch vielen Tieren als Lebensraum, darunter Bussarden und Fischreihern.

Der Hase Felix führt uns jetzt wieder in den Wald hinein, wer aber Lust auf eine längere Tour hat, kann sich an dieser Stelle auch für den Weg hinunter nach Bad Godesdorf entscheiden.

Für uns geht’s weiter an den Waldliegen vorbei, von denen aus man in ganz gemütlicher Rückenlage einen entschleunigenden Blick in die Baumkronen werfen kann, endlich dorthin, wo zumindest für alle Kinder der Höhepunkt des Wegs liegen dürfte: zum Wildgehege.

Das Damwild erahnen wir mehr, als dass wir es aus nächster Nähe sehen können (die Beobachtungskanzel ist leider noch gesperrt und wartet auf ihre Generalüberholung zur nahenden Sommersaison), dafür sind aber die Wildschweine umso besucherfreundlicher. Ganze schweinische Familien suhlen sich, spazieren und grunzen durch den Matsch, und besonders die Frischlinge sind neugierig genug, immer wieder die Zaunnähe zu suchen. So richtig frisch riecht es hier allerdings nicht, verschiebt euer Picknick also besser auf eine andere Station auf eurem Rundgang 🙂

Vielleicht ja auf eine der Bänke in der Nähe der uralten, knochig-knotigen Kopfbuchen. Bis zu 250 Jahre haben einige dieser bizarren Baumriesen schon auf dem Buckel, und weil sie nicht mehr so sicher sind und Teile abbrechen können, ist ein kurzer hölzerner Steg angelegt worden, von dem aus man die knorrigen Gesellen betrachten kann.

Warum sie hier so gehäuft stehen? Da kommen noch mal die Schweine ins Spiel. Denn damals sollen diese in den Wald getrieben worden sein, um sich dort mit allem, was so ein Waldmenü bot, zu mästen. Da die Schweine aber selbst die kleinsten Baumsprösslinge fraßen und keine Bäume mehr nachwachsen konnten, mussten die Förster davon absehen, Bäume auf konventionelle Art und Weise zu fällen. Stattdessen schnitten sie die Bäume in etwa zwei Metern Höhe ab, und aus diesen Baumstümpfen trieben dann die Bäume mit vielen neuen Ästen wieder aus, wodurch recht gruselige Baumgestalten entstanden. Darum wird dieses Areal auch Geister- oder Gespensterwald genannt.

So am helllichten Tag und mit vielen Besuchern will bei uns aber nicht die rechte Gruselstimmung aufkommen. Wahrscheinlich muss man dafür mal an einem nebligen Novembertag wiederkommen 🙂

Bestimmt ist es dann auch leerer. Denn wenn ihr es einrichten könnt, besucht die Waldau lieber an einem Wochentag oder an den Wochenenden zu späteren Stunden. Bei schönem Wetter kann es hier vor allem an Samstagen und Sonntagen ganz schön trubelig sein. Und mit ein bisschen mehr Ruhe und Muße bekommt man auch einen intensiveren Eindruck vom Wald und seinen Bewohnern. Und dann ist ein Ausflug zur Waldau absolut lohnenswert.

 

Die Waldau erreicht ihr vom Bonner Hauptbahnhof aus mit der Buslinie 602 – einmal einsteigen bitte und bis zur Endhaltestelle »Waldau« fahren.

 

Weitere Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)