Ausflug in die Rheinromantik – Königswinter, der Drachenfels und das Siebengebirgsmuseum

Schloss Drachenburg

 

Heute nehmen wir wie immer den Zug. Aber dann geht’s doch anders weiter als üblich. Wir wechseln sogar das Element und begeben uns aufs Wasser. Oder richtiger: aufs Schiff. Und noch genauer: auf die Fähre. Die setzt vom Fähranleger in Bonn-Mehlem (hier sind wir am Bahnhof ausgestiegen, der nur einen knapp 10minütigen Fußweg entfernt liegt) über und steuert direkt auf Königswinter auf der anderen Flussseite zu. Denn wir machen heute einen Ausflug nach Königswinter und zu ein paar sehenswerten Zielen gleich in der Nähe.

Bei der kurzen Überfahrt – wir nähern uns ja sozusagen von der falschen (Rhein-)Seite – haben wir schon einen ersten wunderschönen Blick auf das Siebengebirge und die Promenade von Königswinter. Hier reihen sich hochherrschaftliche Villen und Hotels aneinander. Eines der ersten Häuser der Stadt hat leider vor ein paar Wochen seine Türen für immer geschlossen: das Grandhotel Loreley. Ein Königswinterer Kleinod, das seit 1895 ein illustres Publikum, darunter auch Kaiser Wilhelm, exzellent bettete und beherbergte. Ende März 2019 hat es seinen Betrieb aufgegeben. Jetzt soll es zu einem Wohnhaus umgebaut werden. Schade, damit geht eine Ära zu Ende. Die Altstadt von Königswinter lädt mit ihren malerischen Gassen zu einem gemütlichen Schlenderspaziergang ein und an Cafés und Restaurants für eine Einkehr (viele davon mit schönen Aussichtsterrassen) mangelt es wirklich nicht. In der Altstadt fallen uns immer wieder an zahlreichen Häusern die Hochwassermarkierungen aus den zurückliegenden Jahrzehnten auf. Bei einigen hätte uns das Wasser nicht nur bis zum Hals, sondern vermutlich sogar die entscheidenden Zentimeter mehr bis über den Scheitel gestanden.

Und schon in weniger dramatischen Fällen, die sich in den Wintermonaten fast regelmäßig einstellen, werden die Altstadtbewohner mit Stegen versorgt, damit sie halbwegs trockenen Fußes in ihre Häuser gelangen. Die Autos sollten natürlich auch noch rechtzeitig aus den Garagen geholt werden 🙂

Königswinter liegt nicht nur zu Füßen des Siebengebirges, sondern auch unterhalb von dessen wohl bekanntestem Gipfel, dem Drachenfels. Durch die Altstadt ist es nur ein kurzer Gang bis zur Talstation der Drachenfelsbahn. Ganz offiziell nennt sich die Station Drachenfels Tourismus-Bahnhof. Hier könnt ihr nicht nur in die älteste Zahnradbahn Deutschlands einsteigen und zum Drachenfels hochrattern, sondern euch vorher auch noch eine Ausstellung zum Siebengebirge anschauen.

Seit 1883 überwindet die Zahnradbahn rund 220 Höhenmeter und erklimmt das Drachenfelsplateau. Über diese Anstrengung beschwert sie sich aber auch lautstark, wovon ihr euch bei einer Fahrt selbst überzeugen könnt 🙂

Es geht aber auch zu Fuß oder per Esel hinauf zum Drachenfels. Darum trägt auch der beliebteste Pfad mit der schönsten Aussicht den Namen »Eselsweg«. Die tapferen Lasttiere tragen heute aber nur noch Kinder die Tour nach oben. Früher gehörten zu ihren Lasten auch schwergewichtige Touristen und Sommerfrischler, die die Mühen des Aufstiegs auf andere Art scheuten.

Vorbei an der Nibelungenhalle (die 1913 zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Richard Wagner erbaut wurde und mit Gemälden zu Szenen aus Wagner-Opern ausgestattet ist) erwartet euch auf halbem Weg, an der Mittelstation der Bahnstrecke, die neogotische Schlossanlage Drachenburg. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sie vom vermögenden Bonner Gastwirtssohn Stephan von Sarter errichtet, der sich zuvor Adelstitel und ein Wappen zugelegt hatte, das er stilgerecht am Schloss (eigentlich eher einer überdimensionierten gründerzeitlichen Villa) drapieren konnte. Der Legende nach lag aber kein Glück über diesem Bauvorhaben. Denn bezogen hat der junge Mann das herrschaftliche Gemäuer, das er für sich und seine junge Liebe gebaut hatte, nie. Seine Angebetete verstarb nämlich und aus Kummer zog der Bauherr auf der anderen Rheinseite in ein Hotelzimmer und sah sein Schloss von da an nur noch aus der Ferne.

Wenn ihr den Aufstieg bis zur Burgruine Drachenfels geschafft habt und auf der Aussichtsterrasse auf dem Plateau steht, werdet ihr mit einer grandiosen Rundumsicht auf die umliegenden Gipfel und das Rheintal belohnt. Der Blick ist wirklich einzigartig und macht die Anstrengung mehr als wett.

Von hier oben sieht man, wie sich Hügel an Hügel reiht und es sind weit mehr als sieben. Aber vermutlich hat die markanteste Hügelkette der Region den Namen gegeben und diese hat tatsächlich sieben Gipfel im Programm: Großer Ölberg – Löwenburg – Lohrberg – Nonnenstromberg – Petersberg –Wolkenburg – und schließlich den Drachenfels.

Der Esel ist übrigens nicht nur Namensgeber für den beliebtesten Aufstieg zum Drachenfels, sondern war auch zu früheren Zeiten ein wichtiges Nutztier der Region.

Daran erinnert an der Rheinpromenade in Königswinter eine Brunnenanlage mit einer großen Bronzeplastik, die zwei Esel zeigt, die sich zwischen den Brunnenschalen zum Glück auch einmal ohne schwere Last ausruhen können.

Aktuell könnt ihr sogar im Siebengebirgsmuseum, das mitten in der Altstadt hinter der stilvollen Fassade eines Wohnhauses aus dem Jahr 1732 residiert, eine Ausstellung rund um den Esel ansehen. Noch bis zum 1. September 2019 läuft die Sonderausstellung »Esel – Tradition und Geschichten«. Hier wird euch ein munterer Rundumschlag präsentiert, der den arbeitsamen langohrigen Gesellen von allen möglichen Seiten beleuchtet und Interessantes zu seiner Rolle in Kunst, Literatur und Religion bietet. Schließlich ist das Arbeits- und Lasttier des Siebengebirges viel mehr und vielleicht sogar ganz anders als störrisch, faul und stur – Eigenschaften, die ihm landläufig immer wieder zugeschrieben werden. Und falls ihr am ersten Samstag im Monat nach Königswinter kommen solltet, dann ist der Eintritt ins Museum sogar kostenfrei.

Überprüft bei eurem Ausflug nach Königswinter doch einmal, ob die Rheinbegeisterung der Romantik auch auf euch überspringt und probiert auch die Anfahrt mit der Fähre aus. Dann ist das perfekte Ausflugsfeeling gleich von Anfang an garantiert.

 

Den Bahnhof Bonn-Mehlem erreicht ihr mit der RB 30. Von hier sind es weniger als 10 Minuten zu Fuß am Anleger der Rheinfähre Mehlem – Königswinter.

 

Weiterführende Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)