Schiff ahoi! Entspannt an Bord von Köln bis ins Siebengebirge

Panoramadeck Ausflugsschiff

 

Fast jede tolle Stadt liegt an einem Fluss. Im Fall von Köln ist das zum Glück genauso. Der Rhein treibt munter durchs Stadtbild, sorgt allerdings auch für den entscheidenden Unterschied von richtig und falsch. Denn angeblich ist ja auf der »schäl Sick« (das ist die rechtsrheinische Seite von Köln) nicht viel zu holen.

Ein Vorurteil, das schon längst nicht mehr stimmt. Nicht nur, dass man von hier aus die schöneren Blicke auf den Dom und die Skyline von Köln hat, sondern mit dem Rheinpark, dem Odysseum oder dem KölnTriangle mit seinem tollen Panoramadeck in luftigen 100 m Höhe warten auch gleich ein paar lohnenswerte Ziele auf den rechtsrheinischen Kölnbesucher.

Wir können hier und heute auf jeden Fall beide Seiten in Augenschein nehmen. Denn wir schippern an Bord eines Ausflugsschiffes von Köln aus den Rhein bis ins Siebengebirge hinunter. Und soviel kann ich euch schon jetzt versprechen: für mich sahen beide Seiten »goldrichtig« und kein bisschen falsch oder scheel aus.

Los geht’s für uns am Fähranleger Frankenwerft, gleich unterhalb von Dom und Hauptbahnhof. Rauf aufs Schiff und nur noch entspannen. Schließlich haben wir in den nächsten Stunden nicht viel mehr zu tun, als links und rechts zu schauen, die leichten Wellen plätschern zu hören und das Rheintal und das immer spektakulärer werdende Panorama zu genießen.

Aber zunächst gleiten wir noch am Stadtbild von Köln vorbei. Wir passieren das Schokoladenmuseum, den Malakoffturm und den Rheinauhafen mit seinen wirklich spektakulären Kranhäusern. Auf dieser Höhe unserer Fahrt trägt die linksrheinische Rheinseite (also in Strömungsrichtung gesehen) natürlich den Punktsieg davon.

Das im Süden von Köln gelegene Rodenkirchen macht mit seinen kleinen lauschigen Sandbuchten dann schon Lust auf den Sommer und könnte keinen größeren Gegensatz finden als im bald auftauchenden Raffinerie- und Industriecharme von Wesseling. Hier dominieren riesige Tanks und Kühltürme das Bild. Aufgrund der direkten Lage am Rhein sollte von hier aus das gesamte Rheinland mit Kraftstoffen und Heizölen versorgt werden.

Das Rheinland ist dicht besiedelt, darum dauert es gar nicht lang, bis sich die nächste Stadt in unseren Blick schiebt. Die ehemalige deutsche Hauptstadt Bonn empfängt uns auch gleich mit einem imposanten Gebäude, das wir von Bord aus sehen können: dem weißen Haus.

Keine Sorge, wir haben uns nicht geografisch verirrt und mal eben den Atlantik überquert – sondern wir passieren die Villa Hammerschmidt, die auch als »weißes Haus am Rhein« bezeichnet wird. Und wenn sie in ihren Dimensionen mit ihrem amerikanischen Namensvetter natürlich nicht mithalten kann, bietet sie doch einen stolzen Anblick und dient auch heute noch dem deutschen Bundespräsidenten als Bonner Amtssitz.

Die Rheinaue, die grüne Stadtoase von Bonn zieht sich dann eine ganze Weile an unserer Rheinuferseite entlang (schon wieder linksrheinisch :)) Und eigentlich ist das auch kein Wunder, schließlich erstreckt sich der beliebte Freizeitpark (das ehemalige Gelände der Bundesgartenschau von 1979) über eine Fläche von mehr als 160 ha und ist damit fast so groß wie die gesamte Innenstadt von Bonn.

Und jetzt ist es soweit, die andere Rheinseite (ja, genau, endlich rechtsrheinisch :)) liegt ganz weit vorn. Denn sehr, sehr weit oben taucht das Grandhotel Petersberg mitten im Grünen auf. Wie ein kleines Schloss thront es in der Höhe über dem Siebengebirge und dem Rhein. Hier wurde über 100 Jahre lang Geschichte geschrieben. Mehrfach umgebaut, erweitert und unterschiedlich genutzt, diente es der Regierung schließlich als Gästehaus, das bei hohen Staatsbesuchen für offizielle Gäste genutzt wurde. Der erste unter ihnen war übrigens 1954 der äthiopische Kaiser Haile Selassie. Aber auch Bill Clinton hat hier übernachtet und Michael Schumacher sogar geheiratet.

Inzwischen ist für uns auf unserer Tour doch die Zeit gekommen, einmal kurz das Schiff zu verlassen. Denn was wären (Kreuz-)Fahrten ohne erlebnisreiche Landgänge? In Königswinter wollen wir unsere Fahrt unterbrechen. Das Schiff fährt in der Zwischenzeit ohne uns weiter an Bad Honnef, Unkel und Erpel und den Relikten der berühmten Brücke von Remagen vorbei bis nach Linz. Von dort startet es dann nach kurzer Aufenthaltszeit wieder retour in Richtung Köln – und nimmt uns später in Königswinter wieder an Bord. Nämlich, nachdem auch wir dem meistbesuchten Berg am Rhein einen Besuch abgestattet haben.

Königswinter liegt am Fuß des Siebengebirges und zu Füßen des kleinsten unter den Großen. Das Siebengebirge umfasst mehr als 50 Erhebungen, Hügel und wenn wir jetzt mal nicht alpin denken, auch Berge. Mit den genannten »7« sind nur die höchsten von ihnen gemeint. Und unter denen ist der berühmteste und meistbesuchte am Rhein ausgerechnet der kleinste: der Drachenfels. Sagenumwoben und mit einem Plateau, von dem aus sich ein grandioser Blick auf das Rheintal und den Fluss bietet.

Von der Anlegestelle in Königswinter sind es nur ein paar Minuten zu Fuß bis zur Talstation der Drachenfelsbahn. Für uns so kurz, dass wir beschließen, auch den Weg hinauf bis zum Aussichtsplateau auf Schusters Rappen zu unternehmen. Wer das nicht möchte, hat auch noch andere Möglichkeiten, um den Aufstieg erfolgreich zu bewältigen. Deutschlands älteste noch in Betrieb befindliche Zahnradbahn müht sich die rund 200 Höhenmeter bis zur Aussichtsplattform hinauf und Kinder können sich auch auf dem Rücken eines Esels den Weg hinauftragen lassen. Der beliebteste Pfad bergan mit der schönsten Aussicht trägt sogar den Namen »Eselsweg«. Er ist allerdings zur Zeit noch wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten gesperrt und soll hoffentlich in der zweiten Jahreshälfte 2019 wieder begehbar sein.

 

Bis ihr die Burgruine Drachenfels erreicht, gibt es eine ganze Menge zu entdecken, z. B. das Schloss Drachenburg auf halber Höhe (das eher eine überdimensionierte neogotische Villa ist) oder die Nibelungenhalle von 1913, die zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Richard Wagner erbaut worden ist. Und wenn ihr dann endlich auf dem Aussichtsplateau steht, werdet ihr mit einer grandiosen Rundumsicht auf die umliegenden Gipfel und das Rheintal belohnt. Der Blick ist wirklich einzigartig und macht die Anstrengung mehr als wett.

Eigentlich viel zu schade, um wieder hinunterzugehen. Aber wir wollen in Königswinter noch ein bisschen durch die Gassen der Altstadt bummeln, bevor wir wieder »einschiffen« und uns damit leider auch wieder auf den Rückweg in die Großstadt machen müssen.

Schade, dass der Tag an Bord zu Ende geht, denn so eine Schiffstour auf dem Rhein ist Entschleunigung pur, auch wenn wir meist ein bisschen schneller als die meisten Frachtschiffe unterwegs waren 🙂

 

Den Fähranleger Frankenwerft in Köln (Start und Ziel der Schiffstour) erreicht ihr vom Kölner Hauptbahnhof aus (am Dom vorbei und am Rheinufer entlang) in weniger als 10 Minuten zu Fuß.

 

Weiterführende Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)