Durchs Wald- und Wiesenparadies an der Brucher Talsperre – der Bergische Fuhrmannsweg bei Marienheide

Wiese bei Marienheide

 

Talsperren haben es gut: Sie liegen in der schönsten Natur, erfreuen flanierfreudige Menschen und sind mit ihren ausgewiesenen Badestellen erfrischendes Nass für Wasserratten oder müde und erhitzte Wanderer. Da geht es der Brucher Talsperre im Bergischen Land nicht anders.

Da sie zudem auch noch auf der Route des Bergischen Streifzugs Nr. 9 »Bergischer Fuhrmannsweg« liegt (die Bergischen Streifzüge sind Themenwanderwege zwischen 4 und 16km Länge, die meist als Rundwege kreuz und quer durchs Bergische Land führen), lässt sich die Umrundung der Talsperre prima in diese schöne Halbtagestour einbauen.

Praktischerweise startet die Rundtour direkt am Bahnhof in Marienheide. Also, raus aus dem vareo und rein in die Natur. Zunächst geht es ein paar Minuten durch den Ort, dann über die eingleisige Schienenstrecke (beim Überqueren der Gleise bitte gut gucken und aufmerksam sein!), bevor wir die ersten Wiesen erreichen. Ein bisschen hoch, ein bisschen runter und immer durch sattes Grün. Dabei weist uns die weiße 9 auf orange-rotem Grund zuverlässig den Weg – auch wenn wir bei manchen Wegmarkierungen zuweilen Spürsinn beweisen müssen. Denn die Natur legt gerade jetzt im Frühsommer ein Höllentempo vor und wächst rasant über Stock und Stein und eben auch über so manches Schild.

 

Immer wieder berichten Infotafeln am Wegrand von Leben und Arbeit der Fuhrleute im Bergischen Land. Sie waren mit zwei- oder vierrädrigen Gespannen unterwegs und gehörten der Überlieferung nach zu den zähesten Gesellen, die das Bergische Land zu bieten hatte. Sie waren sozusagen die Ritter der Landstraße oder vielmehr der holprigen Wald- und Feldwege. Transportiert werden musste alles, was von A nach B sollte. Dazu gehörte neben dem besonders schweren Eisenerz auch hochexplosives Schwarzpulver. In speziell ausgekleideten Fässern wurde dieses gefährliche Gut befördert und ihr könnt euch vorstellen, dass auf den damaligen schlechten Wegen nicht nur der Fuhrmann, sondern auch das Transportgut kräftig durchgeschüttelt worden ist. Tragische Unfälle waren darum auch nicht selten. Davon und von vielen weiteren Geschichten rund um das Leben der Fuhrmänner erzählen die reich bebilderten Infostelen am Weg. Legt ruhig die ein oder andere Lektürepause an, es lohnt sich wirklich.

 

Wir passieren auf unserem Weg nun das Waldhotel, bei dem überraschenderweise mal nicht mit Kaffee, sondern mit »Eis to go« geworben wird, bevor es im Anschluss leicht bergab in Richtung Campingplatz und zur Talsperre geht. An diesem nicht heißen, aber sonnigen Tag sind schon ein paar Campingfreunde mit ihrem Schlauchboot zum Wasser unterwegs. Eine Übersichtskarte zeigt, an welchen Stellen das Baden in der Brucher Talsperre erlaubt ist – und wenn auch gerade nur ein Segelboot gemächlich über das Wasser zieht, beweisen die vielen weiteren Boote, die am Ufer liegen doch, dass der Wassersport hier großgeschrieben wird.

Wir bleiben aber zu Fuß unterwegs und laufen über die Staumauer. Das ist auch gut so. Sonst hätten wir nämlich die Überreste eines Blütenherzes nicht mehr gesehen, die vermutlich noch von einem romantischen Hochzeits-Fotoshooting liegen geblieben sind. Auf der anderen Seite der Mauer legen wir am Seeufer eine kurze Rast ein und genießen die friedliche Atmosphäre und das vielstimmige Vogelgezwitscher rings um uns herum. Es ist wirklich jedes Mal verwunderlich, wie schnell die Zeit bei so einer entspannten Auszeit auf der Picknickdecke verfliegt 🙂 Aber schließlich bekommen wir es doch noch hin mit dem Aufstehen und Weitergehen – und der anschließende Waldweg belohnt uns zusätzlich mit einem wunderschönen Licht- und Schattenspiel.

 

Nach der Wald- und Wiesenpassage erreichen wir Müllenbach, ein Dorf, das zu Marienheide gehört. Beim Durchqueren des Örtchens entdecken wir so manche dekorativ verwitterte alte Scheune, Kaugummiautomaten, die Erinnerungen wach werden lassen und auch eine »Bonte Kerke«. Ihren Namen haben diese Kirchen wegen ihrer farbenprächtigen Decken- und Wandmalereien. Die Kirche in Müllenbach hatte zudem noch eine weitere wichtige Funktion. Als Wehrkirche diente sie der Bevölkerung als Zufluchtsort bei kriegerischen Auseinandersetzungen und in Notsituationen und nach Überlieferungen soll es sogar einen unterirdischen Verbindungsgang bis zum »Haus der Geschichten« gegeben haben: einem wunderschönen geschichtsträchtigen Gebäude, das tatsächlich das kleine N im Namen trägt. Bis vor kurzer Zeit war es das inoffizielle Heimatmuseum in Müllenbach. Hier konnte man in die Dorfgeschichte eintauchen und zum Beispiel einen historischen Kolonialwarenladen, Teile der originalen Ausstattung einer alten Dorfarztpraxis oder ein Lohnkontor für Steinbrucharbeiter besichtigen. Ein weiterer Themenschwerpunkt war natürlich auch das Fuhrmannsgewerbe J, das hier im Haus mit der Einrichtung einer traditionellen Fuhrmannskneipe vorgestellt wurde. Inzwischen ist das Gebäude aber an einen privaten Investor verkauft worden und die weitere Nutzung leider ungewiss.

 

Von Müllenbach aus führt uns der Streifzug Nr. 9 wieder durch Wald und Wiese zur Brucher Talsperre zurück. Hier wandern wir entlang des Ufers (diesmal auf der gegenüberliegenden Seite, so schließt sich die Runde um den See) gemütlich auf Marienheide zu. Knappe 14 km waren das heute für uns, die aber sehr angenehm zu gehen waren, da es kaum nennenswerte Anstiege gibt und der stete Wechsel von Wald und Wiese, Talsperre und Dörfchen keine Langeweile aufkommen ließ.

 

Wenn ihr übrigens der Natur im Bergischen noch nicht sofort nach dem Ende dieser abwechslungsreichen Tour Adieu sagen wollt, lohnt sich eine Einkehr im urigen alten Bahnhofsgebäude in Marienheide, in dem die Gaststätte »Alter Bahnhof« (ihr könnt natürlich auch draußen sitzen, es gibt einen Biergarten) untergebracht ist. Der vareo-Zug für eure Heimreise ist dann tatsächlich nur noch ein paar Schritte entfernt.

 

Wenn ihr auch einmal den Bergischen Fuhrmannsweg laufen wollt, erreicht ihr Start und Ziel der Rundtour – den Bahnhof in Marienheide – ganz bequem mit der RB 25 (Halt auf der vareo-Strecke Oberbergische Bahn).

 

Weitere Informationen zu eurer Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)