Ahrweiler lädt zum Entdecken ein – Weinberg tritt auf Kinderquiz

Familie wandert auf dem Rotweinwanderweg im Sommer

 

Einmal im Monat passen meine Frau und ich auf die Kinder von lieben Freunden auf, und meistens besuchen wir einen Streichelzoo oder etwas in der Art. Dieses Mal wollten wir etwas Besonderes machen: wandern. Und damit auch alle Spaß daran haben, entschieden wir uns für den Erlebnispfad „Mit Lotta durch den Weinberg“ im Ahrtal.

Auf Los geht’s los!

Um den Weg dorthin auch gleich zum Erlebnis zu machen, fahren wir mit dem Zug. Erst geht es mit dem vareo vom Kölner Hauptbahnhof nach Remagen und von dort weiter bis zur Haltestelle Ahrweiler Markt. Den Kindern zeigen wir auf der Fahrt schon die ausgedruckten Flyer mit den Fragen. Übrigens: Wir hatten uns im Vorfeld dazu entschieden, die Flyer auszudrucken, man kann sie aber auch an der Tourist-Information holen. Hier geht es zum Downloadlink.

Die Spannung steigt. Schon auf dem Weg nach Ahrweiler genießen wir den Ausblick aus den großen Fenstern des roten Zugs und stimmen uns auf das Erlebnis ein.

Von wegen Schneckentempo

Kaum gehen die Türen des Zugs auf, stürmen die Kinder los. Sie blicken kurz umher, und der Sprint wird die kleine Straße hinauf fortgesetzt. Bei meiner Frau kommt die Erzieherin durch: Ein kurzes „Stopp“ genügt, und die beiden Mädchen und der Junge bleiben wie angewurzelt stehen (der Tonfall lässt auch mich nicht kalt). Wir schließen auf, und nachdem wir über die Brücke gegangen sind, finden wir uns inmitten von idyllischen Weinreben wieder. Tief atmen wir ein, saugen die gute Landluft in unsere Lungen und lassen den Großstadtalltag hinter uns. Ein tolles Gefühl!

Auspowern mal anders

Die Kinder preschen voran und machen sich im Dauerlauf daran, die erste Station zu erreichen. Gemächlich kraxeln auch wir den steilen Pfad des Weinberges hinauf und finden die ersten Infotafeln. Diese sind gut sichtbar angebracht und sehr kindgerecht geschrieben. Lautes Vorlesen ist natürlich angesagt. Mit 3 km Länge und vielen Gelegenheiten für Verschnaufpausen stellt der Pfad für Wanderer keine große Herausforderung dar, aber für Kinder, die ja meist durchs Vorlaufen auf die doppelte Streckenlänge kommen, reicht es.

Weinberg im Ahrtal
Hier herrscht Ordnung 🙂

Vorbei an der Adenbachhütte

Folgt man nun weiter dem Pfad, kommt man zum Weltjugendtagskreuz, und noch ein Stückchen weiter findet man die Adenbachhütte. Der urig ausschauende Bungalow mit großer Terrasse wird für allerlei Veranstaltungen gebucht. Kann man auch verstehen, bei dieser schönen und abgeschiedenen Lage. Gerade feiert eine Hochzeitsgesellschaft im großen Stil das Brautpaar, und als alle anstoßen, bemerke ich kurz: „Vielleicht stoßen sie ja mit Wein von diesem Weinberg an.“

Um die Feier nicht weiter zu stören, folgen wir nun wieder dem Pfad und gehen zu Station 3 der Tour, direkt am Weltjugendtagskreuz. Auf einer kleinen Tafel direkt auf dem Holz des Denkmals steht geschrieben: „Errichtet am 12. August 2005 anlässlich der ‚Tage der Begegnung‘“.

Aussicht bis nach Koblenz

Weinreben, so weit das Auge reicht, blauer Himmel und keine Wolke zu sehen – ein wunderbares Gefühl, am Rande des Weinbergpfads zu stehen und die schöne Landschaft auf sich wirken zu lassen. Es scheint fast so, als könne man bis nach Koblenz gucken. Ok, wenn man die Augen feste zukneift. Die Kinder machen sich einen Spaß daraus, mich nachzuahmen.

An der Silberbergtunnel-Gedenkstätte bleiben wir nur kurz, schließlich wollen die Kids schnell weiterquizzen. Die Älteste liest die Tafel vor, kurzes Beraten, hastig kritzeln alle ein Bild in das kleine weiße Kästchen ihres Flyers. Und schon geht es weiter zu Station 4, „Tiere entdecken“.

Die Kleinste schreit vor Verzückung auf, als sie zwischen den Steinen eine kleine Eidechse entdeckt. Das Tier huscht zwischen den Steinen durch, und dahinter raschelt es im Gestrüpp. Schnell noch das richtige Häkchen im Fragebogen gesetzt, dann kann’s weitergehen. Meine Frau und ich schlendern gemütlich hinterher, genießen die wärmende Sonne und die tolle Aussicht.

Weinbergmauer
Kunstvoll geschichtet: Weinbergmauer aus Schiefergestein

Die Welt des Weines

Trauben – wohin man auch blickt. Kein Wunder, dass die Frage nicht lange auf sich warten lässt. „Und wie macht man nun den Wein?“ Ich versuche, mit meinem Laienwissen zu erklären, wie durch Reifung und Gärung in Fässern der Traubensaft zu Wein wird. Aber wohl nicht sehr fesselnd, denn es dauert nicht lange, bis die Kinder die nächste Tafel entdeckt haben und lossprinten. Die Stationen 5 und 6 befassen sich zum Glück auch mit dem Thema, und nachdem die Älteste ihrer Pflicht des Vorlesens nachgekommen ist und die Kästchen angekreuzt wurden, ist das Thema schon wieder passé, und die drei bemerken zum ersten Mal, dass das ganze Grünzeug um sie herum komplett aus Rebstöcken besteht. Alles Trauben! Die werden alle eingesammelt? Was für eine Arbeit! Wenn ich das nächste Mal eine Flasche Wein öffne, werde ich an die Winzer denken, die dafür all diese Trauben gepflegt, gepflückt und verarbeitet haben. Sehr beeindruckend, wie viel Arbeit in einer Flasche stecken kann.

 

Ganz schön klug, die Römer

Wo es Wein gibt, da lässt man sich gerne nieder. Das wussten auch die alten Römer. Denn in Ahrweiler kann man die Ruine einer Römervilla besichtigen, die über 2.000 Jahre alt ist. Wegen ihres hervorragenden Erhaltungszustandes gehört sie zu den spannendsten römerzeitlichen Baudenkmälern nördlich der Alpen. Das Museum zeigt die Ausgrabungsfläche des Herrenhauses eines römischen Gutshofes, so wie die Archäologen sie verlassen haben. Auf über 1.000 m² kann der Besucher über Stege durch die antiken Räume gehen, die noch bis zur Fensterhöhe erhalten sind. Wir entscheiden uns, etwas aus der Sonne zu gehen und uns die überdachte Ruine anzusehen. Wie viel Luxus die Römer vor so langer Zeit schon hatten, ist beeindruckend. Mit einem Familienticket war der Eintritt erschwinglich, und es hat sich gelohnt.

© DB Regio AG
Viel Holz, viel Licht und drinnen wartet ein toller Einblick in das römische Alltagsleben der gehobenen Schicht

Ein Weinberg mit Geschichte

Die Römervilla ist allerdings nicht der älteste Fund, den man auf der Route entdecken kann. Unweit von der Villa gibt es gleich die nächste Ausgrabung zu bewundern: Fossilien. Hier reden wir schon über viele Millionen Jahre, welche die Überreste damaliger Tiere und Insekten im Gestein schlummern. Die Art der Fossilien möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, das könnte ja Teil der Quizfragen sein.

Ganz klein kommt man sich vor, wenn man sich zu den letzten drei Stationen aufmacht. Diese führen am Fuße des Weinberges entlang. Der vertikale Blick auf die vielen Trauben und das endlos wirkende Grün ist schon atemberaubend.

An der letzten Station angelangt, können es die Kinder kaum erwarten, das Lösungswort in die dafür vorgesehenen Kästchen einzutragen. Der Wettkampf war schon längst vergessen, aber die Lust, das Rätsel zu lösen, stärker denn je. Stolz marschieren die drei in die Tourist-Information Ahrweiler und geben ihre Ergebnisse am Schalter ab, um sich eine Teilnahmeurkunde aushändigen zu lassen. Erfolgserlebnis und Naturgenuss in einem, großartig! Aber damit nicht genug: Die Kleinen bekommen zusätzlich noch eine kleine Überraschung, mit der sie ihr Wissen rund um das Ahrtal noch verbessern können.

Schnecke Lotta Emblem
Das ist die kleine Lotta

 

 

Müde, aber glücklich

Am Ende sitzen wir wieder im Zug. Ich blicke aus dem großen Fenster und lasse die Landschaft an mir vorbeiziehen. Was für ein spannender Ausflug. Es gibt ganz schön was zu entdecken im Ahrtal! Ich drehe mich zu meinen Begleitern, um mir Zustimmung zu holen, doch der gesamte Trupp ist kurzerhand eingenickt. Wahrscheinlich zu viel frische Luft.

 

Zum Erlebnispfad kommt ihr mit der RB 30 oder der RB 39. Aus- und später wieder einsteigen bitte am Bahnhof Ahrtweiler Markt. Der Rundweg startet unmittelbar neben dem Bahnhof an der Adenbachbrücke.

Weitere Informationen zu eurer Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier.

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