Wasser marsch! Das neue Römerkanal-Infozentrum in Rheinbach

Römerkanal-Infozentrum, Rheinbach

Vielleicht sind sie euch bei euren Wanderungen durch die Nordeifel, Brühl oder Köln-Sülz schon einmal aufgefallen: Wegweiser, die mit einem stilisierten Bogen beschildert sind. Dahinter verbirgt sich der Römerkanal-Wanderweg – ein Fernwanderweg, der in 7 Etappen von Nettersheim in der Eifel bis nach Köln führt.

Der Name ist kein Zufall, denn seine Streckenführung folgt der Trassenleitung einer Meisterleistung römischer Ingenieurskunst aus dem 1. nachchristlichen Jahrhundert: der Eifelwasserleitung, dem sogenannten Römerkanal.

Und was es mit diesem Bauwerk auf sich hat, könnt ihr jetzt im neuen Infozentrum Römerkanal erleben. Untergebracht ist es auf dem Gelände des Himmeroder Hofs mitten in Rheinbach. Und passenderweise damit auch ziemlich genau in der Mitte des gleichnamigen Wanderweges. Auf dem schönen Gelände des Himmeroder Hofs findet ihr übrigens auch das Naturparkzentrum und das Glasmuseum. Mehr Infos dazu gibts gleich hier auf unserem Blog. Den Link findet Ihr am Ende des Artikels, nicht dass ihr vor lauter Neugier vergesst, weiter zu lesen. 🙂

© paulmeixner.de

Das kleine, aber feine Infozentrum zum Römerkanal, das erst im September 2019 eröffnet wurde, bietet einen spannenden Streifzug durch die bautechnische Welt der römischen Antike. Hier ist alles vereint, was man zum Römerkanal und zum Wasserbau der Römer wissen muss: Es gibt eine spannende Dauerausstellung, die zuvor bereits im Römisch-Germanischen Museum in Köln, in Zülpich und Xanten viele begeisterte Besucher gefunden hat. Außerdem findet man dort ein breites Führungs- und Veranstaltungsprogramm sowie sämtliche Infos zum Römerkanal-Wanderweg und den Regionen, durch die er verläuft.

Was vor knapp 2.000 Jahren ganz selbstverständlich war, klappt heute leider nicht mehr: jeden Tag frisches Eifelquellwasser für die Bewohner Kölns auf den Tisch. Vom 1. bis zum 3. nachchristlichen Jahrhundert wurde die Bevölkerung der römischen Kolonie im Rheinland: Colonia Claudia Ara Agippinensium (kurz CCAA), das heutige Köln, mit dieser Köstlichkeit versorgt.

Auf die Beine gestellt haben das die römischen Ingenieure mit dem sogenannten »Römerkanal«, der drittlängsten Wasserleitung, die unter römischer Herrschaft jemals gebaut worden ist. Sie führt über eine Länge von rund 95 km aus Nettersheim bis in die Stadt Köln und hat bis ca. 280 n.Chr. Tag für Tag 20.000 m3 bestes Eifeler Quellwasser nach Köln befördert. In weniger als fünf Jahren (irgendwann zwischen 80 und 90 n.Chr.) haben die römischen Baumeister eine fast 100 km lange Gefälleleitung konzipiert und gebaut, die gekonnt viele Geländehindernisse überwand.

Heute ist das Bauwerk umfassend erforscht und dokumentiert. Viele Aufschlüsse, Sammelbecken, Brunnenhäuser oder Relikte von Aquädukten sind entlang der Trassenführung im Original und teilweise rekonstruiert zu bewundern. Zu den Highlights gehört auf jeden Fall der »Grüne Pütz« in Nettersheim, ein quadratisches Becken, in dem das aus einer Sickerleitung einlaufende Wasser aufgefangen wurde. Verziert ist das Sammelbecken mit Medusenhäuptern, die Unheil von der Wasserleitung fernhalten sollten. Aber auch Relikte oder Nachbauten mehrerer Aquäduktbrücken (z.B. bei Mechernich-Vussem) geben einen Eindruck von den gigantischen Ausmaßen römischer Ingenieurskunst.

© paulmeixner.de

Fast 200 Jahre war die Eifelwasserleitung in Betrieb, bevor sie um ca. 280 n. Chr. ausgedient hatte und langsam verfiel. Na ja, fast. Denn als Wasserleitung ist der Römerkanal vielleicht in den Ruhestand gegangen, als Steinbruch stand seine Blütezeit aber noch bevor. Denn durch das kalkhaltige Wasser hatten sich in der Eifelleitung starke Kalksinterschichten abgelagert, die im Mittelalter einen wahren Steinraub-Boom auslösten. Steinmetze nutzten die Kalksintersteine, um sie zum sogenannten »Aquäduktmarmor« zu adeln. Viele romanische Kirchenbauten und Kathedralen (selbst in Dänemark, den Niederlanden oder in England) sind mit Säulen, Altar- oder Grabplatten aus diesem ganz speziellen »Eifelmarmor« ausgestattet. Wenn Ihr noch mehr Details wissen wollt, empfehle ich euch die wirklich sehenswerte Ausstellung des Infozentrums.

Weitere Informationen zum Bauwerk und dem Wanderweg findet ihr unter roemerkanal.de

Natürlich auch zu den Öffnungszeiten des Infozentrums. Das ist übrigens kostenlos und barrierefrei. Und wenn ihr mehr über den Himmeroder Hof inkl. Naturparkzentrum und Glasmuseum lesen wollt, klickt doch mal auf unseren passenden Blog-Beitrag.

Anreise: Zum neuen Infozentrum in Rheinbach, aber auch zu vielen Etappen des Römerkanal-Wanderwegs kommt ihr bequem mit der S23 auf der Voreifelstrecke des vareo. Für einen Besuch des Infozentrums auf dem Gelände des Himmeroder Hofs fahrt ihr bis zum Bahnhof in Rheinbach. Von dort bringt euch ein ungefähr 10-minütiger Fußweg zum Infozentrum. Und das Beste: Der Weg ist mit gläsernen Hinweisschildern ausgewiesen.

Mehr Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug findet ihr unter vareo.de.

Copyright Titelbild: paulmeixner.de

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)