Heut’ wandern wir mal premium! Der Römerpfad bei Kordel

Hängebrücken Butzerbachtal

Ein Premiumwanderweg? Das klingt vielversprechend. Der Römerpfad in der Südeifel bei Kordel ist genau solch einer. Als mittelschwer eingestuft, führt er als Rundweg von ca. 10 km Länge durch eine superschöne Landschaft, in der nicht nur die Römer ihre Spuren hinterlassen haben. Mittelschwer ist der Weg vermutlich wegen seiner rund 400 Höhenmeter, die ihr mal rauf, mal runter absolvieren müsst. Aber die knackigen Anstiege halten sich in Grenzen und werden auf jeden Fall von den tollen Weitsichten wieder wettgemacht.

 

Einstieg nach dem Ausstieg

Hinkommen ist einfach. Mit dem vareo-Zug fahrt ihr auf der Eifelstrecke bis zum Bahnhof in Kordel. Hier heißt es: Ausstieg. Von hier ist der Weg bis zur Burg Ramstein ausgewiesen, unserem Einstieg in den Rundweg. Eine gute halbe Stunde führt euch der Weg vom Bahnhof entlang der Kyll, bevor ihr unterhalb der Burg auf die ersten Wegzeichen der Tour trefft. Der Römerpfad ist sehr gut ausgeschildert – eine römische Münze, die den Kaiser Maximinus I. Thrax zeigt und im ehemaligen römischen Bergwerk »Pützlöcher« gefunden wurde (dazu später mehr), ist das Signet des Wegs. Rund die Hälfte der Strecke verläuft der Römerpfad auf der finalen Etappe des Eifelsteigs, die von Kordel nach Trier führt. Für die ca. 10 km werden 3,5 Stunden Gehzeit angegeben. Aber wir haben doch gut eine Stunde mehr gebraucht, weil es unterwegs einfach so viel zu sehen gab und ein bloßes schnelles Durchlaufen wirklich zu schade gewesen wäre.

Von der Schutzburg zur Schutzhöhle

Gemeinerweise startet der Weg unmittelbar an der schönsten Einkehrmöglichkeit auf unserer Runde, denn der Römerpfad führt mitten durch den Biergarten des Hotels/Restaurants Burg Ramstein, das am Fuß der Burgruine liegt. Wir beschließen aber, erstmal ein bisschen Strecke zu machen und die Vorfreude auf eine spätere Einkehr im Burggarten mit auf unsere Tour zu nehmen. Passenderweise ist heute auch das Wetter premium, also: Los geht’s, und wir erreichen auf schönen schmalen Waldwegen mit der Klausen- und der Genovevahöhle bald die ersten Highlights des Wegs. Entstanden sind die Höhlen im hier typischen Buntsandstein der Region durch Erosion, Frostabsprengungen und auch mit Unterstützung von Menschenhand. Kaum vorstellbar, aber tatsächlich wahr: Die Klausenhöhle war noch bis vor gut 200 Jahren bewohnt, und zwar zum größten Teil von Mönchen, die als Eremiten in völliger Abgeschiedenheit und mit der Erlaubnis ihrer Klostervorsteher hier ein asketisches Dasein führten. Die in den Fels geschlagenen »Fratzen« sollten das Böse von der Höhle und ihren Bewohnern fernhalten und vertreiben. Die gigantische Genovevahöhle (eher ein riesiger Felsüberstand als eine Höhle) steht dagegen schon sehr viel länger »leer«. Vor über 7.000 Jahren schufen sich hier erste Bewohner ein Zuhause. Vermutlich zogen sie in der bis zu 15 m breiten Höhle auch eine Zwischendecke ein und machten den darunterliegenden Raum nur über Leitern zugänglich. Ein perfekter Schutz vor wilden Tieren oder Feinden.

Fast wie die Chinesische Mauer

Nach einem schönen Abschnitt durch Wald und über Wiesen treffen wir zum ersten Mal auf die Römer. Ein kurzes rekonstruiertes Stück einer sogenannten römischen Langmauer wartet hier in der Eifellandschaft auf unsere Vorstellungskraft. Denn ursprünglich war diese Mauer über 70 km lang. Die Römer begrenzten damit einen großen landwirtschaftlichen Bereich, um geschützt Ackerbau und Viehzucht betreiben zu können. Mit den Erzeugnissen wurden dann die umliegenden Städte wie z. B. Trier versorgt. Und während sich die Stadtbewohner über regional produziertes Obst und Gemüse freuen konnten, mussten andere ganz schön schwer schuften. Davon erzählt die nächste Sehenswürdigkeit auf der Rundtour: die »Pützlöcher«.

Harte Arbeit

Die »Pützlöcher« zählen zu den größten und ältesten römischen Bergwerken. Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde hier zunächst ca. 40 Jahre lang Kupfererz gefördert, bevor das Bergwerk als Steinbruch zum Einsatz kam. Einige der Quadersteine der Porta Nigra im benachbarten Trier sollen aus diesem Steinbruch kommen. Denn die Inschrift »MARCI«, was soviel bedeutet wie: Dieser Stein gehört dem Marcus, findet sich sowohl auf Steinen an der Porta als auch hier in den Pützlöchern. Zwischen Mai und Oktober ist nach Voranmeldung auch eine Führung mit dem Heimatverein Butzweiler durch die unterirdischen Gänge möglich. Weitere Infos findet ihr hier: Heimatverein Butzweiler e. V., Tel. 06505-87 55, http://www.roemerpfad.de.
Dann erfährt man nicht nur, wie schweißtreibend und anstrengend die Arbeit mit dem Zweispitz unter Tage war, sondern kann auch einen Blick auf die aktuellen Bewohner der Pützlöcher werfen: die großen Höhlenspinnen. In jedem der kugeligen weißen Kokons, die wie kleine Dekoelemente an den Steinbruchwänden baumeln, sind mehrere 100 Eier verpackt. Jedes Jahr im Herbst schlüpft dann der Nachwuchs.

 

Wunderschöne Hängepartie

Nach diesen Spuren der römischen Vergangenheit wird’s nun wild-romantisch. Für mich ist der folgende Wegabschnitt der allerschönste der gesamten Tour. Und das will etwas heißen. Schließlich hat der Weg bis hierher auch schon sein Premium im Namen absolut verdient. Aber jetzt geht es durch das malerische Butzerbachtal über Brücken, Stege und Leitern, die von zahlreichen Wasserfällen und -fällchen gesäumt werden. Das Plätschern des Bachs begleitet euch bei eurer weiteren Wanderung. Aber aufgepasst, bevor es allzu idyllisch wird, ist nochmal eure Trittsicherheit gefragt. Auf euch warten zwei Hängebrücken mit einer Länge von über 30 m. In Gedanken solltet ihr also noch nicht zu sehr bei eurer Rast im Biergarten der Burg Ramstein sitzen. 🙂

Nach guten 4,5 Stunden, die wir mit Pausen für den Weg gebraucht haben, kehren wir hier schließlich ganz real ein und sind uns einig: Selten haben wir einen so abwechslungsreichen und tollen Weg erwandert. Mit den tollen Weitblicken über die Südeifel und mit seinen zahlreichen römischen Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten kann sich der Römerpfad ganz ohne Übertreibung Premiumwanderweg nennen. Und dazu passt jetzt auch prima ein Premiummilchkaffee mit einem Stück Premiumkuchen. 🙂 Über die Öffnungszeiten des Gasthauses Burg Ramstein in Corona-Zeiten informiert ihr euch zur Sicherheit vorab, am besten kurz vorher. Alles Wissenswerte gibt es unter Burg Ramstein 

 

Der Bahnhof Kordel liegt auf der Eifelstrecke des vareo und ist mit RE 22/RB 22 bequem zu erreichen.

Mehr Informationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug und zu besonderen Schutzmaßnahmen findet ihr unter vareo.de

 

Titelbild: © Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH / Foto Dominik Ketz

 

 

 

 

 

 

 

Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)