Unter dem Berge kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus

Abstieg zur Korallenstraße

Schon mal Höhlenforscher gewesen? Wohl kaum ein Ort lädt mehr dazu ein als das Naturschutzgebiet Altenberg im Walbachtal, direkt an der Agger. Denn hier gibt es die größten Höhlen des Rheinlands! Und genau diese wollten wir erforschen: auf zur Aggertalhöhle und dem Windloch, bei Ründeroth!Der Weg zu den Höhlen führt nicht nur am Haldyturm, sondern auch an einer beeindruckender Aussicht vorbei.

Die Höhle liegt knapp einen Kilometer westlich des zu Engelskirchen gehörenden Ortsteils Ründeroth nahe der Straße Im Krümmel, in einem Nebental des Flusses Agger, der ihr auch den heutigen Namen gegeben hat. Ein kleiner Waldweg führt uns zum Eingang. Wir gehen auf das kleine Holzhaus zu, auf dessen Schild „Aggertalhöhle Ründeroth“ steht. Klein, urig und ein bisschen unscheinbar wirkt es. Das Ausmaß der Tunnelsysteme ist hier noch überhaupt nicht zu erahnen. Wir haben zum Glück vorher angerufen, da man wegen der Corona-Richtlinien nur zu maximal sechst die Höhle betreten darf. Nach einem kurzen Eintrag in die Besucherlisten – auch diese sind gerade Pflicht – zahlen wir den Eintritt an der „Höhlenkasse“ und schließen uns einer Gruppe mit Guide an. Während des gesamten Prozederes tragen wir selbstverständlich eine Maske, die wir auch in der Höhle nicht abnehmen sollen, und der Mindestabstand versteht sich mittlerweile von selbst. Die allseits bekannten Corona-Maßnahmen gelten auch hier, halten uns aber nicht vom Staunen ab: Als wir den ersten Tunnel betreten und uns in einer riesigen Landschaft aus Stein wiederfinden, beginnen wir das Ausmaß dieser unterirdischen Welt ansatzweise zu begreifen.

Der Abstieg in die Aggertalhöhle

Mit rund 1.071 Metern Ganglänge ist die Aggertalhöhle eine der größten im Rheinland; rund 270 Meter sind für Besucher freigegeben. In diesem Bereich gibt es keine kräftezehrenden Auf- und Abstiege und man kann sich voll und ganz auf das Staunen konzentrieren. Und daran führt kein Weg vorbei, bedenkt man, dass diese großen Hallen nur von der Natur erschaffen wurden und schon Millionen von Jahre alt sind. Schön ist, dass auch Rollstuhlfahrer unsere Gruppe begleiten – nach einer vorherigen Anmeldung per Telefon ist dies kein Problem. Die Temperatur in der Höhlenlandschaft beträgt das ganze Jahr über erfrischende 6 bis 8 °C. Gut, dass wir an unsere Jacken gedacht haben. Auch unsere Wanderschuhe waren die richtige Wahl.

Jeder Schritt führt uns tiefer in das gigantische Tunnelsystem und uns fällt auf, dass es kaum Tropfstein gibt. Die Erläuterung gibt uns der Guide: Durch den oberhalb der Höhle lagernden Tonschiefer gelangt nur wenig kohlensaures Wasser hinein, weshalb es in der Höhle nur an wenigen Stellen kleine Tropfsteine gibt. Das ist eine Besonderheit der Aggertalhöhle. Umliegende Tunnelsysteme wie das Windloch oder die Wiehler Tropfsteinhöhle weisen wesentlich mehr Stalagmiten und Stalaktiten auf.

Was man hingegen gut erkennen kann, sind die Versteinerungen aus der sogenannten Devon-Periode (einem Zeitalter, das vor 419,2 Millionen Jahren begann und vor 358,9 Millionen Jahren endete), die man vor allem an ihrer roten Färbung erkennen kann. Damals war das Oberbergische Land noch der Grund eines tropischen Flachmeeres. Auf vorhandenen Untiefen wuchsen artenreiche Korallenriffe, in flachen Lagunen wiegten sich Seelilien in der Dünung. Diese Korallen kann man heute sogar an den Höhlenwänden erkennen. Wir finden immer wieder kleinere Aragonit-Kristallnadeln, die an den unterschiedlichsten Stellen großflächige Bündel bilden. Das sind tatsächlich Reste von Korallen aus magnesiumhaltigem Kalk – faszinierend.

Die Vielfalt von versteinerten Meeresfossilien ist beeindruckend und lässt erahnen, wie sehr sich doch unser Lebensraum in den Milliarden Jahren, in denen es die Erde schon gibt, verändert hat. Als die Höhle gegen 1773 entdeckt wurde, hat man sicher noch gar nicht den großen Nutzen für die Wissenschaft erahnen können, den diese ganz eigene Welt zu bieten hat. Heute ist man da schlauer, wie wir an der nächsten Station unseres Ausfluges erfahren sollten: dem neu entdeckten Windloch.

Das Windloch versetzt in Staunen

6.000 Meter! So groß soll das labyrinthartige Höhlensystem des „Windlochs“ sein, welches für Besucher nur von außen zu besuchen ist. Die mit Abstand größte Höhle im Rheinland. Was Forscher hier noch alles finden werden, steht in den Sternen!

Wir bleiben kurz am Eingang der Höhle stehen und führen uns vor Augen, was es bedeuten würde, sich in den unzähligen, teils 40 Meter langen Gängen dieser Bergwelt zu verirren, und begreifen schnell, warum eine Besichtigung (noch) nicht möglich ist. Hier findet Ihr ein Video von der Geschichte und der Entdeckung des Windloches, mit tollen Aufnahmen.

Bald schon soll das mit digitalen Führungen und umfangreichem Informationsmaterial geändert werden und man bekommt noch mehr Einblicke in die vielen Gänge unter der Erde. Für uns reicht der Gedanke, dass die Aggertalhöhle zwar groß, das Netz an Höhlen unter unseren Füßen aber noch um einiges größer ist. Beeindruckend! Man darf eben keineswegs unterschätzen, wie viel sich manchmal unter der Oberfläche befinden kann und was alles noch unentdeckt geblieben ist. Um eine 3D Animation von dem Kristall, namens „Baum des Glücks“ zu sehen, klickt hier.

Zur Aggertalhöhle gelangt man mit dem RB 25. Fahrt bis zum Bahnhof Ründeroth und von dort aus weiter mit dem Bus 317 bis zur Haltestelle Engelskirchen Aggertalhöhle. Und denkt an den Mund-Nasen-Schutz und reichlich Abstand zu anderen Fahrgästen – am Bahnhof, im vareo und am Ausflugsziel.

Weitere Informationen zu eurer Reise mit dem vareo-Zug findet ihr hier vareo.de

Copyright Titelbild: Arbeitskreis Kluterthöhle | Gero Steffens