»Wilde« Tiere, weite Blicke und die Mosel zu Füßen – Rundwanderung im Weißhauswald Trier

Ziegenbock, Wildgehege Weißhaus Trier

 

Einfach nur mal kurz raus, keine Riesenanreise, keine große Logistik? Und trotzdem das Gefühl von einem Kurzurlaub mit sagenhaften Weitblicken, an die ihr euch lange erinnert? Dann probiert’s doch mal mit dem »Moselblick«. Der Name ist Programm und steht für einen Rundweg, der sich durch den Weißhauswald und das Biewertal bei Trier schlängelt und immer wieder mit superschönen Aussichten auf die Römerstadt überrascht. Das Besondere: Ihr habt nicht nur den tollen Blick von oben, sondern könnt auch ganz bequem noch ein Wildgehege und einen Waldlehrpfad in eurem Ausflugstag unterbringen.

Zum Startpunkt des »Moselblicks«, der direkt am Wildgehege beginnt, könnt ihr entweder zu Fuß aus der Innenstadt über die Kaiser-Wilhelm-Brücke laufen (dafür würdet ihr ca. 40 Minuten brauchen und das wäre nur etwas für wirkliche Ausdauerfreunde, denn ihr habt ja noch die rund 8,5 km des Rundwegs vor euch) oder ihr nehmt vom Trierer Hauptbahnhof aus die Buslinie 12 bis zum Halt Pallien/Fachhochschule (die Fahrt dauert eine knappe Viertelstunde und seid nach ein paar Gehminuten am Wildgehege angekommen.

Übrigens, falls ihr statt des »Moselblicks«, der als W3 ausgeschildert ist, eine kinderwagenfreundliche Variante oder einen kürzeren Weg gehen möchtet, bei dem auch die jüngeren Kids nicht schlappmachen, gibt es mit W1 (ca. 4 km Länge) und W2 (ca. 7,5 km Länge) noch weitere Möglichkeiten, den Weißhauswald zu erkunden. Alle Wege sind gut ausgeschildert und ein Verlaufen sollte so gut wie unmöglich sein.

Knapp 8 ha ist das Gelände des Wildgeheges groß und bietet Platz für eine ganze Menge Tierarten. Die lockigsten Vertreter sind auf jeden Fall die Wollschweine, aber auch Waldziegen, Rotwild, Wildschweine, Schafe, Rehe oder Zwergesel sind einen Besuch wert. Daneben trefft ihr auf allerlei Federvieh, zum Beispiel Hühner oder Fasane. Vor allem für Familien ist das Wildgehege ein toller Zwischenstopp, der auch mal zum Hauptprogrammpunkt werden kann 🙂 Wenn ihr die Tiere füttern möchtet, könnt ihr an den aufgestellten Futterautomaten spezielles Wildfutter kaufen, das für die Tiere gut verträglich ist. Aber seid nicht enttäuscht, wenn manche Vierbeiner besonders an Wochenenden mit vielen Besuchern nicht mehr ganz so wild auf zusätzliche Kalorien sind und sich rundum gesättigt lieber für ein Verdauungsschläfchen entscheiden. Der Eintritt in den Wildpark ist frei und wer mit Kindern unterwegs ist, freut sich bestimmt auch über die Spielplätze und die vielen Picknickmöglichkeiten.

Coronabedingt ist das Wildgehege zurzeit nur an den Wochenenden geöffnet, der größte Teil des neu gestalteten Waldlehrpfads und die Spazierwege im Außenbereich sind aber nach wie vor erreichbar. Leider ist auch das Haus des Waldes aktuell geschlossen, das, in einer Blockhütte untergebracht, über die Geschichte des Weißhauswaldes und viele heimische Tiere informiert. Der toll gestaltete Waldlehrpfad mit Hintergrundwissen zu den unterschiedlichen Baum- und Straucharten ist aber auch eine gute Alternative.

Wandermäßig geht es jetzt aber zunächst den Berg hinauf durch wunderschönen Laubwald, bis wir beim Zusammentreffen mehrerer Waldwege auf ein historisches Kreuz stoßen, auch Schusterkreuz oder auch Toter Stadtrat genannt. Die Inschrift verrät, dass 1745 an genau dieser Stelle der Stadtrat Heinrich Umbscheiden, der zugleich auch ein wichtiger Vertreter der Schuhmacherzunft war, durch einen Schlaganfall ums Leben kam. Und die Zeitreise geht noch weiter zurück, denn in der Nähe des Kreuzes wurden auch römische Ziegel und Töpfe gefunden, die ein ehemaliges Heiligtum vermuten lassen.

Der Weg führt nun weiter durch den lichten Wald und ist sehr angenehm zu laufen. Nach einer Weile trennen sich die Wege W2 und W3, die sich bis hierher die Wegführung geteilt haben, und es geht mit der Beschilderung W3 steil hinunter durchs Biewertal in den gleichnamigen Trierer Stadtteil. Biewer ist ein klassisches Straßendorf, das sich entlang des Biewerbachs erstreckt. Hier gibt’s auch Einkehrmöglichkeiten, falls ihr euch vor dem zweiten Teil des Rundwegs noch einmal stärken wollt. Denn jetzt heißt es: knackiger Anstieg. Aus dem Tal müsst ihr wieder ganz nach oben, um auf den Felsenpfad zu gelangen. Die Anstrengung lohnt sich. Auf einem schmalen von Wurzeln durchzogenen Weg wandert ihr oberhalb der roten Sandsteinfelsen, die steil zur Mosel hin abfallen. Bei Regen kann es hier rutschig werden, also denkt in jedem Fall an festes Schuhwerk. Immer wieder gibt es tolle Aussichtspunkte und sogar Holzliegen, von denen aus ihr einen tollen Blick über die Weinberge, Trier mit seinen Sehenswürdigkeiten und die Mosel habt. Die Aussicht ist bei klarer Sicht wirklich fantastisch.

 

Bevor ihr diese wirklich abwechslungs- und aussichtsreiche Runde am Ausgangspunkt wieder beschließt, könnt ihr noch eine weitere Einkehrmöglichkeit besuchen, die lange verwaist war. Mitte Oktober 2020 wird die Villa Weißhaus wiedereröffnet, die in einer hochherrschaftlichen klassizistischen Villa untergebracht ist. Von der Terrasse des Biergartens aus genießt ihr dann einen der schönsten Ausblicke auf Trier und dazu hoffentlich auch die passende Verpflegung 🙂

Der Trierer Hauptbahnhof liegt auf der Eifelstrecke des vareo und ist mit den Linien RE 12 und RE 22/RB 22 bequem zu erreichen.
Mehr Infomationen rund um eure Reise mit dem vareo-Zug und zu besonderen Schutzmaßnahmen findet ihr unter vareo.de

 

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Verfasst von

Richte dein Gesicht immer zur Sonne und die Schatten werden hinter dich fallen. (W.W)